Emailleschild

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stollwerck-Emailleschild von 1895
„Anerkannter Bereich vorbildlicher Ordnung, Sicherheit, Sauberkeit und Disziplin“, Emailleschild aus DDR-Zeiten, gesehen im Kino im Sprengel in Hannover

Ein Emailleschild, auch Emailschild, ist ein Blechschild mit einem Schutzüberzug aus Emaille.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Erfinder von Emailleschildern für Reklamezwecke, wie sie zwischen 1890 und 1960 ihre Blütezeit erlebten, gilt Ludwig Stollwerck. Fasziniert von der Möglichkeit, ein „witterungsbeständiges Dauerplakat“ für die Außenwerbung zu schaffen, ließ er 1893 die ersten „Reklameplakate im Zuckerguß-Verfahren“ bei Schulze & Wehrmann in Elberfeld produzieren, dem ersten industriellen Emaillierwerk für Reklameschilder in Deutschland. Schon bald wurden seine Emailleschilder zu einem herausragenden Markenzeichen von Stollwerck[1] und das 1895 gefertigte Schild „Stollwerck Chocolade & Cacao“ ist heute ein gesuchtes Sammelobjekt.

Andere große Konsumgüter-Produzenten erkannten schnell ebenfalls die Wirksamkeit des neuen Werbeträgers, und so nutzte etwa Julius Maggi, einer der weiteren Emailleschild-Pioniere, solche Schilder aus Stahl alsbald in zigtausendfacher Auflage dazu, seine Produkte auf dem gesamten europäischen Markt zu etablieren.

Aber auch als Firmen- oder Praxisschild eignete sich diese Form der Werbung. An den Eingängen der Geschäftshäuser, teilweise mit mehreren Hinterhöfen, fand man oft eine Ansammlung zahlreicher Emailleschilder, im Volksmund Stummer Portier genannt, mit den Namen der dort ansässigen Unternehmen und den jeweiligen Etagen- und Hofnummern.

Emailliertes Straßenschild in den Mannheimer Quadraten

Eine weitere Verwendung von Emailleschildern war und ist die als witterungsbeständiges Hinweis-, Straßen- oder Hausnummernschild, wie man sie bis heute vielerorts antrifft.

Aufgrund all dessen spielte die Emaille- und Blechschilderindustrie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine nicht unwichtige Rolle in der europäischen Wirtschaft. In vielen Ländern gab es große Fabriken, in denen, oft nach Vorlagen bekannter Graphiker und Kunstmaler, Reklameschilder in diversen Techniken (Schablone, Lithographie) hergestellt wurden.

In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die massenhaft auftretende Reklame oft als „Blechpest“ bezeichnet, heute sind gut erhaltene Emailleschilder/Emailschilder häufig gesuchte Raritäten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • William Evenden: Deutsche Versicherungsschilder. Karlsruhe, 1989
  • Roman Franke: Emaille Schilder (Heyne Sammlerbibliothek, 6) München, 1980
  • Axel Riepenhausen: Blechplakate - Die Geschichte der emaillierten Werbeschilder. Münster, 1979
  • Sylke Wunderlich: Das große Buch der Emailplakate - Ein internationaler, historischer Überblick. München, 1997. ISBN 3-572-00838-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Emailleschilder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joest, Hans-Josef - 150 Jahre Stollwerck. Das Abenteuer einer Weltmarke, Stollwerck, Köln, 1989.