Empirischer Beleg

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Empirische Belege für den ersten Leuchtturm am Ort des Gay Head Light und die Küstenerosion am Westerly Point von Martha’s Vineyard sind als Referenzpunkt verfügbar.

Ein empirischer Beleg (auch empirische Evidenz) liegt vor, wenn die getroffene Hypothese durch gesammelte Daten bzw. Erfahrungen belegt wird. Um die Hypothese zu belegen werden oft statistische Methoden in Form statistischer Tests herangezogen, um zu überprüfen ob das Ergebnis eines statistischen Tests statistisch signifikant ist. Der Begriff stammt vom griechischen Wort für Erfahrung, ἐμπειρία (empeiría).

Nach Immanuel Kant ist es in der Philosophie üblich, das gewonnene Wissen als a posteriori Wissen zu bezeichnen (im Gegensatz zu a priori Wissen).

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empirische Belege sind Informationen, die die Wahrheit (die genau der Realität entspricht) oder die Falschheit (Ungenauigkeit) einer Behauptung überprüfen. Aus empiristischer Sicht kann man behaupten, Wissen nur dann zu haben, wenn es auf empirischen Belegen beruht (obwohl einige Empiriker glauben, dass es andere Wege gibt, Wissen zu erlangen). Dies steht im Gegensatz zu der rationalistischen Sichtweise, nach der Vernunft oder Reflexion allein als Beleg für die Wahrheit oder Falschheit einiger Sätze angesehen werden.[1] Empirische Belege sind Informationen, die durch Beobachtung oder Experimente in Form von aufgezeichneten Daten gewonnen wurden, die Gegenstand einer Analyse sein können (z. B. von Wissenschaftlern). Dies ist die Hauptquelle für empirische Belege. Sekundärquellen beschreiben, diskutieren, interpretieren, kommentieren, analysieren, bewerten, fassen Primärquellen zusammen und verarbeiten sie. Sekundäres Quellenmaterial können Artikel in Zeitungen oder populären Magazinen, Buch- oder Filmkritiken oder Artikel in Fachzeitschriften sein, in denen die ursprüngliche Forschung eines anderen diskutiert oder bewertet wird.[1]

In der Wissenschaft sind empirische Belege erforderlich, damit eine Hypothese in der wissenschaftlichen Gemeinschaft Akzeptanz findet. Normalerweise wird diese Validierung durch die wissenschaftliche Methode der Hypothesenbildung, des experimentellen Designs, der Begutachtung durch Fachkollegen, der Reproduktion von Ergebnissen, der Konferenzpräsentation und der Veröffentlichung in einer Zeitschrift erreicht. Dies erfordert eine strenge Kommunikation von Hypothesen (normalerweise in der Mathematik ausgedrückt), experimentellen Einschränkungen und Kontrollen (die notwendigerweise in Form von Standard-Versuchsapparaten ausgedrückt werden) und ein gemeinsames Verständnis der Messung.

Aussagen und Argumente, die von empirischen Belegen abhängen, werden oft als a posteriori ("folgende Erfahrung") bezeichnet, im Unterschied zu a priori (davor). A-priori-Kenntnisse oder Rechtfertigungen sind unabhängig von der Erfahrung (zum Beispiel "Alle Junggesellen sind unverheiratet"), während a-priori-Kenntnisse oder Rechtfertigungen von Erfahrungen oder empirischen Belegen abhängen (zum Beispiel "Einige Junggesellen sind sehr glücklich"). Die Vorstellung, dass die Unterscheidung zwischen a posteriori und a priori gleichbedeutend mit der Unterscheidung zwischen empirischem und nicht empirischem Wissen ist, stammt aus Kants Kritik der reinen Vernunft.[2]

Die positivistische Standardansicht empirisch gewonnener Informationen war, dass Beobachtung, Erfahrung und Experiment als neutrale Schiedsrichter zwischen konkurrierenden Theorien dienen. Seit den 1960er Jahren hat jedoch eine anhaltende Kritik, die am meisten mit Thomas S. Kuhn[3] in Verbindung gebracht wird, argumentiert, dass diese Methoden von früheren Überzeugungen und Erfahrungen beeinflusst werden. Folglich kann nicht erwartet werden, dass zwei Wissenschaftler, wenn sie dasselbe Ereignis beobachten, erleben oder experimentieren, dieselben theoretisch neutralen Beobachtungen machen. Die Rolle der Beobachtung als theoretisch neutraler Schiedsrichter ist möglicherweise nicht möglich. Die theoretische Abhängigkeit der Beobachtung bedeutet, dass Wissenschaftler, selbst wenn es vereinbarte Inferenz- und Interpretationsmethoden gäbe, möglicherweise immer noch nicht über die Art der empirischen Daten einig sind.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Bird: Thomas Kuhn. 2013. Abgerufen am 25. Januar 2012. Stanford Encyclopedia of Philosophy. Section 4.2 Perception, Observational Incommensurability, and World-Change.
  • Craig, Edward (2005). "a posteriori". The Shorter Routledge Encyclopedia of Philosophy. Routledge. ISBN 9780415324953.
  • Feldman, Richard (2001) [1999]. "Evidence". In Audi, Robert (ed.). The Cambridge Dictionary of Philosophy (2nd ed.). Cambridge University Press, Cambridge, UK, ISBN 978-0-521-63722-0, S. 293–294.
  • Thomas S. Kuhn: The Structure of Scientific Revolutions (2nd ed.). Chicago: University of Chicago Press, (1970) [1962]. ISBN 978-0226458045.
  • Pickett, Joseph P., ed. (2011). "Empirical". The American Heritage Dictionary of the English Language (5th ed.). Houghton Mifflin. ISBN 978-0-547-04101-8.
  • "A Priori and A Posteriori". Internet Encyclopedia of Philosophy.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Feldman 2001, S. 293
  2. Craig 2005, S. 1
  3. Kuhn 1970
  4. Bird 2013