Emporion

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Als Emporion (altgriechisch ἐμπόριον, lateinisch emporium) wird in der Antike seit Herodot ein eigenständiger Markt- und Handelsplatz einer Stadt bezeichnet, der als Handelsniederlassung außerhalb des Mutterlandes angelegt wurde oder im Heimatland selbst als Umschlagplatz für fremde Waren unterhalten wurde. Da in der Antike der Fernhandel weitgehend über die Küstenschifffahrt abgewickelt wurde, handelt es sich meist um einen Hafen. Als frühe Erscheinung antiker Handelsbeziehungen war ein Emporion vielfach Ausgangspunkt für spätere Siedlungs- und Koloniegründungen. In der Forschung dient der Begriff zur Abgrenzung von Koloniegründungen, die als vollwertige Polis angelegt wurden und nach einer Gründungsphase von ihrer Mutterstadt unabhängig waren.

Modern kann ein solcher Handelsplatz als Freihafen mit Warenbörse angesprochen werden, der über besondere eigene Zoll-, Geld- und Handelsrechte verfügte. Typisches und bekanntestes Beispiel ist Naukratis, das als einzige griechische Niederlassung – unter maßgeblicher Beteiligung der Stadt Milet – in Ägypten gegründet werden durfte. Ein weiteres bekanntes Emporion ist Massalia, das im 6. Jahrhundert v. Chr. durch die Phokaier gegründet wurde. Schließlich wurde eine Gruppe von Städten an der nordafrikanischen Küste als Emporia bezeichnet, und zwar im engeren Sinn die Städte der Syrtis Minor und in einem weiteren Sinn außerdem die Städte der Byssatis bzw. der Tripolitania bzw. der Byssatis und der Tripolitania.[1]

Als antike Orte, bei denen Emporion Namensform oder -bestandteil ist, sind zu nennen (von West nach Ost):

  • Emporion oder Emporiae an der iberischen Mittelmeerküste, von Griechen im 6. Jahrhundert v. Chr. gegründet, trägt den Namen noch heute (katalanisch Empúries, spanisch Ampurias)
  • in Rom der im frühen 2. Jahrhundert v. Chr. am Tiber angelegte Flusshafen, siehe Emporium
  • Emporion Segestanon an der Nordküste Siziliens[2]
  • Emporion an der Nordküste Kalabriens[3][4]
  • Emporium Piretensium, römischer Handelsplatz in Moesia inferior[5]
  • Emporium Discoduraterae, römischer Handelsplatz in Moesia inferior[6]
  • Mouza Emporion an der Küste von Arabia felix, dem heutigen Jemen[7]
  • Mosylon Emporion am Horn von Afrika[8]
  • Aromata Emporion am Horn von Afrika[9]
  • Monoglosson Emporion an der Westküste Indiens[10]

Eine in der Nähe Roms an der Via Appia Antica gelegene Ausgrabungsstätte, die früher als Tempio di Ercole bezeichnet wurde, wird heute als Emporium angesprochen, siehe Emporion (Via Appia Antica). Emporio auf Chios war eine seit der frühen Jungsteinzeit bestehende, um 1100 v. Chr. zerstörte Siedlung.[11][12] Siehe auch Emporio.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • John Boardman: Kolonien und Handel der Griechen. München 1981.
  • Robert Laffineur (Hrsg.): Aegeans in the central and eastern Mediterranean; Proceedings of the 10th International Aegean Conference, Athens, Italian School of Archaeology, 14–18 April 2004. 2 Bände. Lüttich 2005.
  • Sitta von Reden: Emporion. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 3, Metzler, Stuttgart 1997, ISBN 3-476-01473-8, Sp. 1020 f.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Werner Huß: Emporia. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 3, Metzler, Stuttgart 1997, ISBN 3-476-01473-8, Sp. 1018.
  2. Emporion Segestanon in der Pleiades-Datenbank
  3. Emporion in der Pleiades-Datenbank
  4. Strabon Geographie 6.1.5
  5. Emporium Piretensium in der Pleiades-Datenbank
  6. Emporium Discoduraterae in der Pleiades-Datenbank
  7. Mouza Emporion in der Pleiades-Datenbank
  8. Mosylon Emporion in der Pleiades-Datenbank
  9. Aromata Emporion in der Pleiades-Datenbank
  10. Monoglosson Emporion in der Pleiades-Datenbank
  11. Emporio in der Pleiades-Datenbank
  12. Prehistoric Emporio