Enghausener Kreuz

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BW
Katholische Filialkirche Hl. Kreuzauffindung in Enghausen

Das Enghausener Kreuz gilt als das älteste monumentale lebensgroße Kruzifix und damit als älteste monumentale Christusdarstellung überhaupt. Das Werk aus Holz befindet sich in der Filialkirche Hl. Kreuzauffindung in Enghausen (Gemeinde Mauern) im Landkreis Freising.

Kunsthistorische Einordnung und Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kreuz ist 2,32 Meter hoch und 1,78 Meter breit, der Korpus 1,88 Meter hoch und 1,75 Meter breit. Es stammt neueren Untersuchungen zufolge aus der Zeit zwischen 890 und 900 und könnte im Zusammenhang mit der Kaiserkrönung Arnulfs von Kärnten 895 entstanden sein. Sein heutiger Standort in der Filialkirche „Auffindung des Kreuzes“ in Enghausen stützt die Theorie, dass das Kreuz ursprünglich aus dem von Arnulf besonders geförderten ehemaligen Benediktinerkloster Moosburg stammt, zu dem Enghausen lange Zeit kirchenrechtlich gehörte.[1]

Darstellung des Gekreuzigten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christus, mit vier Nägeln ans Kreuz geschlagen, wird als „der göttliche Mensch, der in seiner Würde und hoheitsvollen Größe als Erlöser und Überwinder von Tod und Leid“ den Betrachter anblicke,[2] dargestellt. Damit entspricht das Kreuz der in der karolingischen Zeit üblichen Christusdarstellung und hebt sich von der Romanik, die Christus bevorzugt als König darstellte, und späteren Kunstepochen, die Christus als Leidenden betonen, ab. Auch die Haartracht Christi und das Fehlen einer Dornen- oder Königskrone weist auf die karolingische Kunstepoche hin.

Heutiger Zustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Enghausener Kreuz wurde von 2004 bis 2006 umfassend restauriert, da die Fassung instabil und das Kreuz allgemein sehr verunreinigt war. Die Restaurierung brachte auch das genaue Alter des Enghausener Kreuzes ans Licht. Vorher hatte man das Kreuz etwa 300 Jahre jünger in die Romanik datiert.

Enghausener Kreuz am 10. September 2006 beim Gottesdienst des Papstes in Riem an der Rückwand über der Kathedra

Nach der abgeschlossenen Restaurierung wurde das Kreuz wieder in die Filialkirche „Auffindung des Kreuzes“ in Enghausen, das zur Pfarrei St. Johannes Baptist Priel gehört, gebracht. Während des Besuches Papst Benedikts XVI. schmückte das Enghausener Kreuz am 10. September 2006 beim Gottesdienst in Riem die Rückwand über der Kathedra des Papstes.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sylvia Hahn: Kreuz und Kruzifix. Zeichen und Bild. Anlässlich der Ausstellung „Kreuz und Kruzifix. Zeichen und Bild“ im Diözesanmuseum Freising, 20. Februar bis 3. Oktober 2005, Lindenberg im Allgäu 2005. 375 S., ISBN 3-89870-217-0
  • Hans Rohrmann: Frühe benediktinische Großplastik nördlich der Alpen? Die Kruzifixe in Enghausen, Schaftlach und Schlehdorf. In: Jahrbuch des Vereins für Christliche Kunst in München 23 (2006), S. 68–80.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dokumentationen des Erzbischöflichen Ordinariats München, 2006 (PDF; 2,0 MB)
  2. Aussage des Kunstreferenten der Erzdiözese München und Freising, Norbert Jocher.

Koordinaten: 48° 32′ 18″ N, 11° 54′ 27″ O