Erdfunkstelle Usingen

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Erdfunkstelle

Die Erdfunkstelle Usingen liegt im hessischen Hochtaunuskreis bei Usingen. Sie befindet sich nahe dem Usinger Ortsteil Merzhausen zum einen Teil auf dem Gebiet der Stadt Neu-Anspach und zum anderen Teil auf dem Gebiet der Stadt Usingen. Sie ist ca. 30 km von Frankfurt am Main entfernt. Die Erdfunkstelle Usingen wird betrieben von der Media Broadcast Satellite GmbH für die Kommunikation mit Satelliten. Mit ihren mehr als 100 Antennen dient sie unter anderem als Sende- und Empfangsstelle für Datenverkehr aller Art.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erdfunkstelle Detailansicht

Die Fläche von ca. 140 ha des heutigen Geländes der Erdfunkstelle war im Zweiten Weltkrieg ein Munitionsdepot und Feldflugplatz. Nach dem Krieg wurde das Gelände von der damaligen Deutschen Bundespost übernommen und 1955 eine Kurzwellenstation (Überseefunkstelle) errichtet.[1]

Mit einer Sendeleistung von bis zu 100 Kilowatt wurden Informationen rund um den Erdball geschickt. Voraussetzung hierfür waren große Antennen (Rhomben), die den Charakter der Sendestelle prägten.

Ende der 1960er Jahre wurde die Kurzwellentechnik nach und nach durch die Satellitentechnik ersetzt. Der erste europäische Versuchssatellit OTS (Orbitaler Test Satellit)[2] der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) wurde u.a. aus Usingen bedient.

Infolge dieser Änderung entstanden eine Vielzahl von großen Parabolantennen, mittels derer eine Vielzahl von Satelliten bedient werden.

1979 folgte die erste große Parabolantenne mit einem Durchmesser von 19 Metern. Zwei weitere Antennen mit je 19,5 Metern Durchmesser folgten Anfang der 1980er Jahre.

Mitte 2015 lagerte die Media Broadcast GmbH den Betrieb der Erdfunkstelle und das gesamte Satellitengeschäft in eine eigene Tochtergesellschaft, die Media Broadcast Satellite GmbH aus. 2016 wurde diese Tochtergesellschaft im Rahmen des Verkaufs der Media Broadcast GmbH an den Freenet Konzern eigenständig und betreibt die Erdfunkstelle seither alleine weiter.[3]

Satellitendienste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit mehr als 30 Jahren ist die Erdfunkstelle Usingen der zentrale Daten-Hub Deutschlands für Teleport-, VSAT- und Satellitendienstleistungen. Im angeschlossenen NOC (Network Operation Center) werden 24 Stunden, 7 Tage die Woche ununterbrochen SCPC-Verbindungen sowie modernste VSAT-Netzwerk-Lösungen für nationale und internationale Firmen und Organisationen geschaltet und überwacht.[4]

Für die Verbreitung von TV und Radioprogrammen werden u.a. die Satellitenpositionen von Eutelsat, und SES Astra verwendet, so erreicht die Erdfunkstelle über 230 Millionen Haushalte in 60 Ländern Europas, Nordafrikas und im arabischen Raum.

Antennen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

19-m-Parabolantenne

Auf dem Gelände der Erdfunkstelle Usingen sind auf rund 1.400.000 m² Fläche mehr als 60 Tx/Rx-Antennen mit Durchmessern von 4,2–19 m (Ku-, K- und C-Band) im Einsatz. Damit können Orbitalpositionen von 76° Ost bis 60° West abgedeckt werden. Zusätzlich sind weitere, mobile Ku- und K-Band-Antennen verfügbar.

Alle Antennensysteme sind redundant vorhanden und mit Enteisungsanalgen versehen. Die Erdfunkstelle erreicht so eine jährliche Verfügbarkeit von größer 99,99 %.

Betrieb und Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erdfunkstelle hinter Merzhausen

Die Erdfunkstelle ist seit 1977 in Betrieb und ist mit ihren rund 100 Mitarbeitern im 24-Stunden-Betrieb verfügbar. Die Techniker im NOC (Network Operation Center) können auf Nachfrage direkten 1st-Level und 2nd-Level-Support leisten und die Verbindungen in Echtzeit überwachen.

Die Anbindung an den weltweit größten Internet-Knotenpunkt DE-DIX in Frankfurt sowie terrestrische Netze erweitert die Übertagungsmöglichkeiten der Erdfunkstelle um redundante hybride Lösungen. Darüber hinaus verfügt die Erdfunkstelle über ein modernes IPTV headend für mehr als 250 TV-Programme.

Umweltschutz und Solarpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schafe zur Landschaftspflege

Von Beginn an wurde bei der Gestaltung der Erdfunkstelle Wert auf eine Bepflanzung mit ortstypischen Pflanzen geachtet. Heute ist die Erdfunkstelle soweit in die Landschaft integriert, dass sie lediglich von Merzhausen her wahrnehmbar ist. Das Gelände selbst ist – bedingt durch die notwendigen Abstände zwischen den Antennen – ein Biotop mit hoher ökologischer Bedeutung und Artenvielfalt.

Um hohe Kosten für die Landschaftspflege einzusparen, wird ein großer Teil der Rasenflächen durch Schafe kurz gehalten.

2013 haben die Städte Usingen und Neu-Anspach einen Solarspezialisten mit dem Bau von drei Freiland-Photovoltaikanlagen beauftragt, die zusammen 6,2 Megawatt-Peak (Spitzenleistung) erzeugen und damit über 1700 Haushalte mit Ökostrom versorgen können.[1] Vor dem Bau hatte der Kampfmittelräumdienst 24 Tonnen an altem Kriegs-Material wie Maschinengewehre, Pistolen, große Mengen an Munition, Granaten, ein komplettes Flak-Geschütz und vieles mehr entfernt. Im Mai 2013 wurden die Solarstromanlagen offiziell in Betrieb genommen.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans A. Jack: Die Erdfunkstelle Usingen im Taunus. In: Ingrid Berg (Hrsg.): Heimat Hochtaunus. Kramer, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-7829-0375-7, S. 320–323.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erdfunksendestelle Usingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aus dem All über Usingen ins Fernsehen Zeitungsartikel der FAZ über Aktuelles und Geschichte der Erdfunkstelle vom 29. Januar 2010. Abgerufen am 27. Mai 2017.
  2. Orbital Test Satellite (OTS) - artist's impression Bild mit Beschreibungstext über Beginn und Ende der Mission (engl.). Abgerufen am 27. Mai 2017.
  3. EQS Group AG, Munich, Germany: freenet AG erwirbt die Media Broadcast Gruppe - dgap.de. In: www.dgap.de. Abgerufen am 9. September 2016.
  4. Fernsehen aus dem Hintertaunus Artikel der Frankfurter Rundschau vom 1. Februar 2010. Abgerufen am 27. Mai 2017.
  5. Bald gibt’s Strom von der Erdfunkstelle Artikel der Taunus Zeitung vom 12. Oktober 2012. Abgerufen am 27. Mai 2017.

Koordinaten: 50° 20′ 0″ N, 8° 28′ 46″ O