Erlpeter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Der Erlpeter-Brunnen

Der Erlpeter ist die Bezeichnung einer historischen Brunnenfigur im sächsischen Pirna. Sie befindet sich an der Ostwand der im 16. Jahrhundert durch Umbau entstandenen Knabenschule.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehemals vor dem Obertor am Fuße des Schlossberges von Schloss Sonnenstein gelegene Brunnen wird bereits 1384 urkundlich genannt. In einer Verleihungsurkunde von Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht wird die Quelle 1468 als "Erllinpeter an der stadt mawer gelegen" erwähnt.[1] Der Name leitet sich von einer Erle ab, die ehemals an dem Brunnen stand.

Die Quelle des Brunnens entspringt den Sandsteinfelsen am Fuß des Sonnensteins. Bereits Anfang des 16. Jahrhunderts scheint ein Vorläufer der heutigen Brunnenfigur in einer gemauerten Grotte bestanden zu haben. 1541 befand sich neben dem Brunnen eine Steintafel mit der Inschrift: "Deut. III. Hüte Dich und vergiß Deines Gottes nicht, der Dir Wasser aus dem harten Felsen gibt. George Dinckel ad DMJ 1541."[2]

1549 versiegte der Brunnen aufgrund wirtschaftlicher Ausbeutung und musste aufwendig wiederhergestellt werden. Die alte Petermannsche Stadtchronik berichtet, dass die Quelle des Brunnens dabei durch einen Stollen gefasst wurde. Das Wasser der Quelle wurde ab 1550 dem Schlachthof, dem allgemeinen Rohrnetz sowie dem Gebäude Am Markt 12 zugeleitet. In letzterem Gebäude blieben noch hölzerne Rohrleitungen dieser alten Wasserversorgung erhalten. Die ursprüngliche Brunnenfigur stellte einen Knaben dar, der eine Flasche hält, aus welcher sich das Brunnenwasser ergießt. Diese Figur wurde während der Besetzung Pirnas im Dreißigjährigen Krieg durch schwedische Truppen unter Feldmarschall Johan Banér zerstört. Es erfolgte kein Ersatz.[3] Stattdessen wurde der Brunnen 1687 mit einem Behältnis umschlossen und mit einem steinernen Gewölbe umgeben.[4]

1908 stiftete der Pirnaer Verschönerungsverein eine Nachbildung der alten Brunnenfigur nach historischen Aufzeichnungen. 2008 erfolgte eine Restaurierung. Am Sockel der Figur ist die Inschrift "Der Erlenpeter bin ich genannt, Armen Leuten wohl bekannt. Wer nicht Geld hat in seiner Tasche Der trinkt mit mir aus meiner Flasche" angebracht.

Sage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sage berichtet von einem Viehhirten, der seinen Ausschlag kurierte indem der vom Brunnenwasser trank und sich darin wusch.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Friedrich von Posern-Klett, Otto Posse (Hg.): Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae. 2. Haupttheil, V. Band, Urkundenbuch der Städte Dresden und Pirna, Leipzig 1875, S. 444 (Urkunde Nr. 158 vom 23. Januar 1468)
  2. Alfred Meiche: Sagenbuch des Königreiches Sachsen, Leipzig 1903, S. 653
  3. Archivlink (Memento des Originals vom 30. März 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pirna-altstadt.de
  4. Alfred Meiche: Sagenbuch des Königreiches Sachsen, Leipzig 1903, S. 653
  5. Alfred Meiche: Sagenbuch des Königreiches Sachsen, Leipzig 1903, S. 653

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Preiss: Der Quellstolln des Pirnaer Erlpeterbrunnens. in: Arbeitskreis Sächsische Schweiz im Landesverein Sächsischer Heimatschutz (Hrsg.): Mitteilungsheft 15. Pirna 2017, S. 21–31

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Der Erlpeter zu Pirna (Sage) – Quellen und Volltexte

Koordinaten: 50° 57′ 43,6″ N, 13° 56′ 40″ O