Et’hem-Bey-Moschee

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Nordseite mit Eingang – links von der Moschee der Uhrturm, rechts der Skanderbeg-Platz

Die Et’hem-Bey-Moschee (albanisch Xhamia e Et’hem Beut[Anmerkung 1]) ist ein osmanischer Sakralbau. Die Moschee befindet sich im Zentrum der albanischen Hauptstadt Tirana am später angelegten Skanderbeg-Platz. Der Bau des Gebetshauses begann im Jahr 1794 durch Mullah Bey, einem Nachfahren des Stadtgründers und Erbauers der Alten Moschee, Sylejman Pascha Bargjini. Sie wurde 1821 durch seinen Sohn Ethem Pascha (Haxhi Ethem Bey) fertiggestellt.[1][2] Wenig später wurde auch der benachbarte Uhrturm (albanisch Kulla e Sahatit) erbaut.[3]

Mihrab nebst Minbar

Das Gebäude ist ein typisches Beispiel einer Einkuppelmoschee: ein quadratische Raum von nicht einmal zehn Meter Kantenlänge wird von einer einzelnen Kuppel abgedeckt. An der Nordwestecke steht das 40 Meter hohe Minarett mit Bleistiftspitze.[4] Die großzügige, offene Vorhalle liegt nicht nur vor dem Eingang, sondern umspannt das Gebäude auch auf der Ostseite, wo sie über eine eigene Qibla mit Gebetsnische verfügt. Die das Dach tragenden Säulen haben Kapitelle mit Pflanzendekor. Reich bemalt mit Fresken sind die Innenwände, die Kuppel, die Mihrab und die Vorhalle. Dargestellt sind meist Pflanzenornamente, Blumen und Bäume, aber auch eine Darstellung von Istanbul sowie Wasserfälle und Brücken.[1][2] Stillleben sind selten in der islamischen Kunst.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Minarett beschädigt, aber später wieder restauriert.[5]
Die Moschee überstand Enver Hoxhas Kampagne, die Albanien zum atheistischen Staat erklärte und in deren Zuge Moscheen, aber auch Kirchen und Klöster, zweckentfremdet oder gar zerstört wurden, als kulturelles Baudokument unter Denkmalschutz.[2][6] Früher standen beidseits des Eingangs die Gräber des Stifters und seiner Frau.[2]
Ab 1967 war die Moschee während der kommunistischen Diktatur in Albanien geschlossen. Nachdem im Dezember 1990 das Religionsverbot aufgehoben worden war, wurde die Et'hem Bey Mosche als eine der ersten Moscheen des Landes wiedereröffnet:[7] Ohne Erlaubnis der Behörden wurde die Tür am 18. Januar 1991 geöffnet und mehrere Tausend Personen besuchten das Gotteshaus.[8][9] Diese Demonstration des Volkes mitten in der Hauptstadt – etwas mehr als einen Monat bevor das benachbarte Enver-Hoxha-Denkmal geschleift wurde – war ein deutliches Zeichen für die religiöse Wiedergeburt in Albanien.[5]

Die Moschee ist außerhalb der Gebetszeiten für Besichtigungen zugänglich. Der Hodscha führt Besucher gegen Entgelt auf das Minarett.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Hochkomma weist darauf hin, dass es sich in diesem Wort nicht um den th-Laut handelt, ein auch im Albanischen verwendeter Digraph.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Léon Rey, Hasan Ceka: La Mosqué de Etéhem Bey. In: Albania. Cahiers d’archéologie, d’histoire et d’art en Albanie et dans les Balkans. Nr. 5. Librairie Ernest Leroux, Paris 1935, S. 65–70 und Bildtafeln XIX–XXVII.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Et’hem-Bey-Moschee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Gëzim Hoxha, Bashkim Lahi: Islamische Kunst und Architektur. In: Werner Daum (Hrsg.): Albanien – zwischen Kreuz und Halbmond. Pinguin Verlag, Innsbruck 1998, ISBN 3-7016-2461-5, S. 146.
  2. a b c d Guntram Koch: DuMont-Kunst-Reiseführer Albanien. DuMont, Köln 1989, ISBN 3-7701-2079-5.
  3. Kthim ne Kullen e Sahatit. In: Klan Magazin. Archiviert vom Original am 22. Januar 2013, abgerufen am 26. Dezember 2010 (albanisch).
  4. Andrea Bulleri: Tirana – Contemporaneità sospesa / Suspended Contemporaneity. Quodlibet, Macerata 2012, ISBN 978-887-462420-1, S. 98.
  5. a b Renate Ndarurinze: Albanien entdecken. Trescher Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-89794-091-4.
  6. Tony Wheeler: Tony Wheeler's bad lands. Lonely Planet, London 2007, ISBN 978-1-74179-186-0, S. 49 (Online in der Google-Buchsuche).
  7. Robert Elsie: A Dictionary of Albanian Religion, Mythology, and Folk Culture. C.Hurst & Co., London 2001, ISBN 1-85065-570-7, S. 125.
  8. Ramiz Zekaj: Zhvillimi i Kulturës Islame te Shqiptarët gjatë Shekullit XX. (DOC, 995 KB).
  9. Si u fal e premtja e parë pas komunizmit në Shqipëri – 18 janar 1991. In: Komuniteti Tironas Venaliu. 26. Oktober 2015, abgerufen am 26. Oktober 2015 (albanisch).


Koordinaten: 41° 19′ 40″ N, 19° 49′ 10″ O