Etymologie der Begriffe „Rumänien“ und „Rumäne“

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Der rumänische Begriff România (Rumänien) kommt vom rumänischen Român (Rumäne), was seinerseits eine Fortsetzung des lateinischen romanus (Römer, römisch) darstellt.[1]

Etymologie des Ethnonyms Rumäne (român)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einen schriftlichen Hinweis auf den Begriff Rumäne könnte das Nibelungenlied enthalten: „Der herzoge Ramunch vzer Vlâchen lant/mit Sibenhunduert mannen chom er fvr si gerant/sam die wilden vogele so sah man si varn“. Argumentiert wird, dass „Ramunch, der Fürst aus dem Walachenland“, auf die Volksbezeichnung Român hindeutet. [2]

Die ältesten bekannten Dokumente, welche den Begriff Rumäne attestieren, stammen von Berichten italienischer Humanisten, die im 16. Jahrhundert zumeist vom Papst auf Erkundungsreise durch Siebenbürgen, die Walachei und Moldau gesandt wurden. So schreibt Tranquillo Andronico in 1534, dass die Rumänen („Valachi“) „sich selber Römer nennen“. [3] Während er den Gouverneur Aloisio Gritti durch Siebenbürgen, die Walachei und Moldawien begleitete, merkt Francesco della Valle im Jahre 1532 an, dass die Rumänen „sich selber als Römer in ihrer Sprache bezeichnen“. Er zitiert sogar einen rumänischen Satz: „Sti rominest ?“ („kannst Du rumänisch ?“, Rum.:„știi românește ?“). [4] Nach einer Reise nach Siebenbürgen, Walachei und Moldawien berichtet Ferrante Capeci gegen 1575, dass die Einwohner dieser Provinzen sich selbst Rumänen („romanesci“) nennen. [5] Pierre Lescalopier schreibt im Jahre 1574, dass all jene, die Moldawien, Walachei und die meisten Teile Siebenbürgens bewohnen, „sich echte Nachfahren von Römern und ihre Sprache ‚romanechte‘, das heißt ‚römisch‘, nennen.“[6]

Weitere Informationen über die eigene Volksbezeichnung der Rumänen liefern Gelehrte, die in direkten Kontakt mit diesen gekommen sind. So berichtet der siebenbürgische Humanist Johann Lebel im Jahre 1542, dass „die Rumänen „Romuini“ sich selber nennen“, [7] während der polnische Historiker Orichovius (Stanislaw Orzechowski) 1554 schreibt, dass die Rumänen „in ihrer Sprache Romini nach den Römern, in unserer Sprache (Polnisch) Walachen, nach den Italienern, genannt werden“. [8] Der ungarische Primat und Diplomat Anton Verancsics schreibt im Jahre 1570, dass „die Rumänen sich Römer nennen“ [9] und der siebenbürgische Ungar Martinus Szent-Ivany zitiert im Jahre 1699 rumänische Ausdrücke wie: „Sie noi sentem Rumeni“ („auch wir sind Rumänen“, Rum.: „Și noi suntem români“) und „Noi sentem di sange Rumena“ („wir sind rumänischen Blutes“, Rum.: „Noi suntem de sânge român“). [10] Der italienisch-kroatische Historiker Johannes Lucius publiziert in 1666: „Doch die heutigen Walachen, welche walachische Sprache sie auch immer sprechen, nenen sich selber nicht Wlachen oder Walachen sondern Rumänen und sich der Herkunft von den Römern rühmen und sie bekennen die Römische sprache zu sprechen“ [11]

Rumänische Autoren des 17. und 18. Jahrhunderts wie Grigore Ureche,[12] Miron Costin,[13] Constantin Cantacuzino, [14] oder Dimitrie Cantemir[15] gehen ausführlich auf die eigene Volksbezeichnung der Rumänen („român“), auf ihre Ursprünge sowie auf den Unterschied zwischen der Fremd- (Walache) und der Eigenbezeichnung (Rumäne) in der Geschichtsschreibung ein.

Historische Dokumente weisen zwei Schreibweisen für Rumäne auf: român und rumân. Mehrere Jahrhunderte lang werden beide Schreibweisen undifferenziert eingesetzt, manchmal innerhalb desselben Satzes. [16]

Die ethnosprachliche Bezeichnung rumân/român besaß im Mittelalter auch die Bedeutung von gemeinem Volk. Während des 17. Jahrhunderts, als sich die Leibeigenschaft massenhaft verbreitet, wird das gemeine Volk immer mehr zu Leibeigener, so dass durch einen Prozess der semantischen Differenzierung die vorherrschende Sprechform rumân die Bedeutung Leibeigener gewinnt, während die Sprechform român ihre ethnosprachliche Bedeutung behält.[17] Nach der Abschaffung der Leibeigenschaft durch den Fürsten Constantin Mavrocordat gegen 1746 geht die Form rumân allmählich aus der Sprache verloren und die Sprechform român stabilisiert sich definitiv nach 1830.

Etymologie des Landesnamen Rumänien (România)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das bekannteste Dokument mit dem Landesnamen Rumänisches Land

Einen ersten Hinweis auf eine Ortsbezeichnung mit der Angabe rumänisch enthält ein Manuskript des Werkes Getica (1. Hälfte 6. Jhdt.): „…Sclavini a civitate nova et Sclavino Rumunense et lacu qui appellantur Mursianus…“. [18] Die Ortsbezeichnung Sclavino Rumunense ist eine spätere, im Hochmittelalter vorgenommene Interpolation im Jordanschen Text.

Das bekannteste Schriftstück mit dem rumänischen Landesnamen der Walachei ist ein Brief des Kaufmannes Neacșu an den Bürgermeister von Brașov (Kronstadt) aus dem Jahr 1521. In diesem Text wird das von Fremden als Fürstentum Walachei bezeichnete Land auf Rumänisch Rumänisches Land (orig.: Tera Rumăneasca) genannt.

Im 17. Jahrhundert bezeichnet der rumänische Chronist Miron Costin nachdrücklich die Fürstentümer Walachei und Moldawien sowie die in Siebenbürgen lebenden Rumänen als rumänisch.[19]

In seiner Geschichte des Rumänischen Landes (Geschichte der Walachei) [20] (verfasst um 1690) erklärt Constantin Cantacuzino die Ursprünge der Bezeichnung rumänisch für Siebenbürgen, Walachei und Moldawien.[21]

Im 18. Jahrhundert bezeichnet der Gelehrte und Fürst Dimitrie Cantemir systematisch die drei von Rumänen bewohnten Fürstentümer als Rumänisches Land. [22]

In seiner modernen Bedeutung wird der Begriff Rumänien Anfang des 19. Jahrhunderts attestiert.[23]

Die Entstehungsgeschichte des Begriffes Rumänien (România) folgt nicht der Regel des Wortbaus für Ländernamen im Rumänischen, wonach dem jeweiligen Ethnonym das Suffix –ia unter Beibehaltung des Akzentes zugefügt wird, wie in: „grec“ → „Grecia“, „bulgar“ → „Bulgaria“, „rus“ → „Rusia“ usw. Als Eigenbezeichnung entstand der Begriff România aus dem Ethnonym român und dem Suffix –ie und deutete auf einen abgeleiteten Stand hin, wie in: moș → moșie, domn → domnie, (Herr → Herrschaft) boier → boierie. Ursprünglich mag der Begriff românie tatsächlich gleichsam Rumänenschaft bedeutet haben, so wie es die Nicolae Iorga's Theorie der Romaniae nahelegt, nämlich die Entstehung selbstorganisierten romanophonen Bauerngemeinschaften im mittelalterlichen Europa.[24] Bevor der Begriff România seine moderne nationsbezogene Bedeutung bekommen hat, besaß er also eine begrenzte und lokale Bedeutung als soziale und ethnosprachliche Bezeichnung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erklärendes Wörterbuch der Rumänischen Sprache, 1998; Neues Erklärendes Wörterbuch der Rumänischen Sprache, 2002
  2. Der Nibelunge not, XII, ed. K. Lachmann, Berlin, 1878, p. 174; Francis P. Magoun jr., Geographical and Ethnic Names in the Nibelungenlied, p. 129-130; Fritz Schuster, Herzog Ramunc aus dem Walachenland, in „Sudost-Forschungen“, XI, 1946-1952, p. 284-290.
  3. „nunc se Romanos vocant“ zitiert in: Endre Veress, Fontes rerum transylvanicarum: Erdélyi történelmi források, Történettudományi Intézet, Magyar Tudományos Akadémia, Budapest, 1914, Band. IV, S. 204
  4. „…si dimandano in lingua loro Romei…se alcuno dimanda se sano parlare in la lingua valacca, dicono a questo in questo modo: Sti Rominest? Che vol dire: Sai tu Romano,…“ in: Claudio Isopescu, Notizie intorno ai romeni nella letteratura geografica italiana del Cinquecento, in Bulletin de la Section Historique de l’Académie Roumaine, XVI, 1929, p. 1- 90
  5. „Anzi essi si chiamano romanesci, e vogliono molti che erano mandati quì quei che erano dannati a cavar metalli…“ in: Maria Holban, Călători străini despre Țările Române, București, Editura Stiințifică, 1970, vol. II, p.158 – 161
  6. „Tout ce pays la Wallachie et Moldavie et la plus part de la Transivanie a esté peuplé des colonie romaines du temps de Traian l’empereur…Ceux du pays se disent vrais successeurs des Romains et nomment leur parler romanechte, c'est-à-dire romain …“, Voyage fait par moy, Pierre Lescalopier l’an 1574 de Venise a Constantinople, in: Paul Cernovodeanu, Studii si materiale de istorie medievala, IV, 1960, p. 444
  7. „Ex Vlachi Valachi, Romanenses Italiani,/Quorum reliquae Romanensi lingua utuntur…/Solo Romanos nomine, sine re, repraesentantes./Ideirco vulgariter Romuini sunt appelanti“, Ioannes Lebelius, De opido Thalmus zitiert in: Adolf Armbruster, Romanitatea românilor. Istoria unei idei, Editura Stiinţifică Bucureşti, 1992, S. 84
  8. „qui eorum lingua Romini ab Romanis, nostra Walachi, ab Italis appellantur“, Stanislaus Orichovius, Annales polonici ab excessu Sigismundi, zitiert in: Adolf Armbruster, Auf den Spuren der eigenen Identität. Ausgewählte Beiträge zur Geschichte und Kultur Rumäniens, Editura Enciclopedica, 1991, S. 182
  9. „…Valacchi, qui se Romanos nominant…“ „Gens quae ear terras (Transsylvaniam, Moldaviam et Transalpinam) nostra aetate incolit, Valacchi sunt, eaque a Romania ducit originem, tametsi nomine longe alieno…“, Antonius Verantius, De situ Transsylvaniae, Moldaviae et Transaplinae zitiert in: Krista Zach, Konfessionelle Pluralität, Stände und Nation. Ausgewählte Abhandlungen zur südosteuropäischen Religions- und Gesellschaftsgeschichte, LIT Verlag Berlin, Hamburg, Münster, 2004, S.40
  10. „Valachos…dicunt enim communi modo loquendi: Sie noi sentem Rumeni: etiam nos sumus Romani. Item: Noi sentem di sange Rumena: Nos sumus de sanguine Romano“ Martinus Szent-Ivany, Dissertatio Paralimpomenica rerum memorabilium Hungariae, zitiert in: Adolf Armbruster, Der Donau-Karpatenraum in den mittel- und westeuropäischen Quellen des 10.-16. Jahrhunderts. Eine historiographische Imagologie., 1990, S. 161.
  11. „Valachi autem hodierni quicunque lingua Valacha loquuntur se ipsos non dicunt Vlahos aut Valachos sed Rumenos et a Romanis ortos gloriantur Romanaque lingua loqui profitentur“ in: Johannes Lucii, De Regno Dalmatiae et Croatiae, Amsteldaemi, 1666, S. 284
  12. Die Chronik Moldawiens, seit der Landnahme
  13. Über das Volk der Moldavier
  14. Geschichte des Rumänischen Landes
  15. s:la:Descriptio Moldaviae
  16. „…că văzum cum toate limbile au și înfluresc întru cuvintele slǎvite a lui Dumnezeu numai noi românii pre limbă nu avem. Pentru aceia cu mare muncǎ scoasem de limba jidoveascǎ si greceascǎ si srâbeascǎ pre limba româneascǎ 5 cărți ale lui Moisi prorocul si patru cărți și le dăruim voo frați rumâni și le-au scris în cheltuială multǎ… și le-au dăruit voo fraților români,… și le-au scris voo fraților români Palia de la Orăștie (1582) in: Ioan Bianu, Nerva Hodoș, Dan Simonescu, Bibliografia românească veche: 1508-1830, București, 1903-1944, vol.I. S. 30 In seiner Chronik Moldawiens, seit der Landnahme (verfasst 1642 – 1647) benutzt Grigore Ureche fünfmal die Form român und dreimal rumân, während Miron Costin in seiner historischen Abhandlung Über das Volk der Moldavier (1670) „român“ 18-mal und „rumân“ 6-mal verwendet.
  17. Stelian Brezeanu, Romanitatea Orientalǎ în Evul Mediu, Editura All Educational, București, 1999, p. 229-246
  18. Zitat aus „De rebus Geticis“ von Jordanes
  19. Așa și neamul acésta, de carele scriem, al țărâlor acestora, numele vechiŭ și mai direptŭ ieste rumân, adecă râmlean, de la Roma. Acest nume de la discălicatul lor de Traian, și cât au trăit (….) tot acest nume au ținut și țin pănă astăzi și încă mai bine munténii decât moldovénii, că ei și acum zic și scriu țara sa rumânească, ca și românii cei din Ardeal. (…) Și așa ieste acestor țări și țărâi noastre, Moldovei și Țărâi Muntenești numele cel direptŭ de moșie, ieste rumân, cum să răspundŭ și acum toți acéia din Țările Ungurești lăcuitori și munténii țara lor și scriu și răspundŭ cu graiul: Țara Românească. In Über das Volk der Moldavier
  20. Geschichte des Rumänischen Landes
  21. „Însă vlahii, acești gheografi și mai toți istoricii câți scriu de aceste țări, zicea și Moldovei și ceștiia; apoi o împarte în doao, una de sus; alta de jos, îi zic. Le zic și: mai mare și mai mică; cea de sus, adecăte și mai mare, Moldova; cea de jos și mai mică, țara această Muntenească numeind, cum îi zic mai mulți așa; că Rumânească numai lăcuitorii ei o chiamă, și doar unii den ardeleni ăiî rumâni, pentru că și aceia și ceștea numai când să întreabă, ce iaste? Ei răspund: rumâni; iar moldovénii să osebesc de să răspund: moldovani, săvai că și ei sunt de un neam și de un rod cu ceștea, cum mai nainte mai pre larg vom arăta cu mărturiile multora. (….)și cum că apoi Traian mulțime de romani du pretutindenea den biruințele lui au adus aicea de au așezat lăcuitori și paznici acestor țărî, den carii și pănă astăzi să trag acești rumâni ce le zicem noi, iară grecii și latinii, vlahi și volahi le zic, încă ne-am adeverit den istoricii cei mai de credință și mai numeiți ce sunt. (….) Și mai chiar vedem că rumânii den Ardeal, moldovénii și céștea de țara aceasta, tot un neam, tot o limbă fiind, încă între dânșii mult să osebesc, care aceasta iaste cum să véde den amestecătura vecinilor lor. Așadară și acéle trei neamuri, ce zicem mai sus, den preavecinătatea romanilor, luând de-ale acelora cuvinte, și cu céle de moșie ale lor amestecându-le, și stricându-și limba, au rămas în această ce acum sunt. (….) Însă dară, valahii, adecăte rumânii, cum sunt rămășițele romanilor celor ce i-au adus aici Ulpie Traian, și cum că dintr-aceia să trag și până astăzi, adevărat și dovedit iaste de toți mai adevărații și de crezut istorici, măcară că apoi le-au mutat și numele, valahi zicându-le“ in Geschichte des Rumänischen Landes
  22. „Hronicon a toată Țara Românească (care apoi s-u împărțit în Moldova, Munteniască și Ardealul) …“, D. Cantemir, Hronicul vechimei româno-moldo-vlahilor, in Operele Principelui Dimitrie Cantemir, Academia Română, București, 1901, p.180
  23. Der griechische Mönch und Literat Dimitrie Daniel Philippide veröffentlicht in 1816 seine „Geschichte Rumäniens“ gefolgt von der „Geographie Rumäniens“ in Leipzig. Der Begriff scheint bereits in die Allgemeinsprache übergegangen zu sein, so die Inschrift auf dem Grabmal von Gheorghe Lazăr in Avrig des Jahres 1823: „Precum Hristos pe Lazăr din morți a înviat/Așa tu România din somn ai deșteptat.“
  24. "Et, en même temps, les populations romanes, en Gaule aussi bien qu'à Rome, dans l'ancienne capitale de même que sur la rive de l'Adriatique, dans les vallées des Balcans, sur le Danube et dans les Carpathes, en Sardaigne, réduites à se protéger et à s'organiser elles-mêmes, s'érigèrent en démocraties populaires, ayant l'orgueil de représenter, devant un maître établi dans leur voisinage ou sur leur territoire même, des Romaniae, des pays de romanité nationale, dont le souvenir s'est perpétué dans les noms de la Romagne italienne, de même que dans celni des Roumanches alpins, dans celui des Romani, des Roumains de la péninsule balcanique et du territoire de l'ancienne Dacie." p.36 and "Quand, sous Justinien, la Rome d'Orient marcha de nouveau à la conquête de sa frontière danubienne, elle trouva ces démocraties paysannes déjà organisées en χώραι, en « terres », dont les Roumains — successeurs de ces Romani dont ils gardèrent le nom et la langue — firent țeri (singulier țara)", p.47 in La "Romania" danubienne et les barbares au Vie siècle,' Revue Belge de philologie et d'histoire, III (1924), 35-51