Rumänische Sprache

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Rumänisch
(limba română)

Gesprochen in

Siehe unter „Verbreitung und rechtlicher Status“ (Amtssprache und anerkannte Minderheitensprache) weiter unten;

des Weiteren als Minderheitensprache in:
SerbienSerbien Serbien
BulgarienBulgarien Bulgarien

Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von MoldawienMoldawien Moldawien
RumänienRumänien Rumänien
SerbienSerbien Vojvodina, Serbien
GriechenlandGriechenland Athos, Griechenland
[1]
Europaische UnionEuropäische Union Europäische Union
Lateinische Union
Anerkannte Minderheitensprache in: UngarnUngarn Ungarn[2]
UkraineUkraine Ukraine[3]
SerbienSerbien Serbien (Zentralserbien)[4]
Sprachcodes
ISO 639-1:

ro

ISO 639-2: (B) rum (T) ron
ISO 639-3:

ron

Rumänisch ist eine romanische Sprache aus dem italischen Zweig des indogermanischen Sprachstamms. Rumänisch im engeren Sinne bezeichnet nur das „Dakorumänische“ und im weiteren Sinne die Untergruppe, zu der alle nächstverwandten balkanromanischen Sprachen gehörten, d.h. Aromunisch, Meglenorumänisch und Istrorumänisch. (Dako-)Rumänisch, das dieses Artikelthema betrifft, ist die Amtssprache in Rumänien und Moldawien. Insgesamt wird es von 28 Millionen Menschen gesprochen, davon sind rund 24 Millionen Muttersprachler.[5]

Verbreitung und rechtlicher Status[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als offizielle Mehrheitssprache wird das Rumänische in Rumänien und Moldawien gesprochen. In Rumänien, das eine Bevölkerung von 21,7 Millionen Einwohnern (2002) hat, gibt es ca. 19,42 Millionen Muttersprachler (89,5 %). Außerhalb der heutigen Grenzen Rumäniens leben 10,58 Millionen Rumänen. In Moldawien sprechen 2,57 Millionen Muttersprachler (64,5 %) Rumänisch, das dort von 1994 bis 2013 als „Moldauisch“ bezeichnet wurde. In dessen abtrünniger Region Transnistrien ist diese Benennung auch heute beständig. Außerhalb dieser beiden Länder sprechen ca. acht Millionen Menschen Rumänisch als Muttersprache, davon etwa 1,5 Millionen in den Nachbarländern Rumäniens und Moldawiens und im ganzen restlichen Europa; darunter in der Ukraine 400.000, in Serbien 150.000 und in Ungarn 20.000, wo das Rumänische als eine Minderheitensprache lokal und in der Familie gesprochen wird. Die rumänischen Gemeinschaften in den USA und Kanada umfassen zusammen 3,58 Millionen Sprecher des Rumänischen. In der restlichen Welt, also in Asien, Afrika, Australien/Ozeanien und dem restlichen Amerika leben ca. drei Millionen Rumänen, darunter in Südamerika, Australien, Israel, der Türkei und mehreren westeuropäischen Staaten, besonders viele in Italien und Spanien, sowie in Asien (Moldauer in Sibirien, Kasachstan und der Region Krasnodar). Das ergibt eine Gesamtzahl von etwa 30 Millionen Muttersprachlern. Daneben gibt es jedoch noch ungefähr vier Millionen Zweitsprachler, die dann zusammengenommen eine Gesamtsprecherzahl des Rumänischen von 34 Millionen auf der Welt ergeben.[6]

Der Sprachcode des Rumänischen ist ro bzw. ron oder rum (nach ISO 639).

Rumänisch in der Welt
  • Amtssprache
  • Verkehrssprache
  • Anerkannte Minderheitensprache
  • Minderheitensprache
Rumänisch in Europa
  • Amtssprache
  • Anerkannte Minderheitensprache
Land Sprecherzahl Erhebung
Rumänien 21.698.181 (Letzte Zählung: 2002) Januar 2006
Moldawien 3.989.171 (Moldauer und Rumänen zusammen, letzte Zählung: 2004) Juli 2005
Serbien (im Osten des Landes) offiziell laut Volkszählung 2002: 74.630 , geschätzt bis zu 600.000 (Walachen und Rumänen zusammen) April 2002
Ukraine (hauptsächlich Transkarpatien oder Nordmaramuresch/historisches Maramuresch, Pokutien, Nordbukowina, Herza-Gebiet, Nordbessarabien, Südbessarabien, ukrainisches Transnistrien) ca. 500.000 (Moldauer und Rumänen zusammen); damit stellen die Rumänen heute etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung der Ukraine. 2001
Russland 147.000 2002
Quellen: Volkszählungen der verschiedenen Staaten

In Serbien wird Rumänisch von 74.630 Personen gesprochen. Nördlich der Donau bezeichnet man diese Sprecher meistens als „Rumänen“, während südlich davon die exonyme Bezeichnung „Walachen“ vorherrscht. (Siehe Hauptartikel Walachen in Serbien). In der Vojvodina ist Rumänisch eine der sechs offiziellen Sprachen der Region. Dort ist sie die Muttersprache von 30.520 Personen.

In Bulgarien wird Rumänisch von ein paar Tausend Personen im Nordwesten des Landes gesprochen (in einigen Dörfern in der Umgebung von Widin).

Die rumänischen Sprachen im balkanoromanischen Sprachraum

Weitere mit dem Rumänischen (Dakorumänisch) verwandte Sprachen, deren Status als eigenständige Schwestersprachen oder als rumänische Dialekte unter den Sprachforschern umstritten ist, werden in weiteren Ländern des Balkans gesprochen (Aromunisch, Istrorumänisch, Meglenorumänisch). Muttersprachliche Rumänen können einfaches Italienisch meist recht gut verstehen, umgekehrt gelingt dies seltener, da das Rumänische ungefähr zehn Prozent slawische Wörter aufgenommen hat. Zudem unterscheidet sich die Lautsprache im Rumänischen von der italienischen Sprache, da es Laute kennt, die es aus dem Slawischen übernommen hat.

Die rumänische Rechtschreibung orientiert sich ähnlich stark wie die italienische an der tatsächlichen Aussprache, wenn man bedenkt, dass das Rumänische ein Sortiment an Sonderzeichen für die aus dem Slawischen kommenden Laute hat, die das Italienische nicht kennt.

Bis 1862 schrieb man Rumänisch in kyrillischer Schrift, die Siebenbürgische Schule entwickelte das bis in die heutige Zeit benutzte lateinische Schriftsystem mit Sonderzeichen. Die Rechtschreibung wurde allerdings zwei großen Reformen unterzogen, die zweite fand 1993 statt. In Transnistrien wird die kyrillische Schrift auch heute noch benutzt, allerdings in einer vom 19. Jahrhundert stark verschiedenen Weise.

Die rumänischen Mundarten

Sprachsituation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rumänische ist die östlichste romanische Sprache. Demzufolge ist es eine indogermanische flektierende Sprache. Es ist aus dem Lateinischen, das in den römischen Provinzen Dakien (Dacia) und Moesien, d. h. nördlich bzw. südlich der Donau, gesprochen wurde, hervorgegangen. Die kurze Zeit der römischen Herrschaft in Dakien von 107 bis 271 n. Chr. genügt nicht, um die Herausbildung des Rumänischen in diesem Raum zu erklären. Es müssen sowohl die stärker romanisierten Gebiete südlich der Donau, die weiterhin unter römischer Herrschaft verblieben waren, als auch die starken wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte der in Dakien verbliebenen Bevölkerung mit dem römisch-byzantinischen Reich in Betracht gezogen werden.

Die Entstehung des Rumänischen wird analog zur Geschichte der anderen romanischen Sprachen im 7. bis 9. Jahrhundert angesetzt. Der während der Balkanfeldzüge des Maurikios 587 getätigte Ausspruch eines römischen Soldaten „Torna Torna, Fratre“ soll der erste überlieferte Satz auf Rumänisch gewesen sein. Die Elemente, die der rumänischen Sprache zugrunde liegen, sind das Lateinische als genetischer Vorläufer und das thrako-dakische Substrat.

Schwestersprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „rumänische Sprache“ kann sich kollektiv auf vier balkanoromanische Sprachen beziehen, die sowohl hauptsächlich nördlich der Donau (Dakorumänisch) als auch in viel geringerem Maße südlich der Donau (Aromunisch oder Mazedorumänisch, Meglenorumänisch und das heute fast ausgestorbene Istrorumänische) gesprochen werden. In der Fachwelt bleibt es weiterhin eine Auslegungssache, ob die vier Idiome eigenständige Schwestersprachen oder Dialekte einer einzigen Sprache darstellen.

Nur das Dakorumänische hat sich zu einer Staatssprache (zum Rumänischen) entwickelt. Das Aromunische ist der wichtigste der drei südlich der Donau gesprochenen Sprachen. Es wird von mehreren Hunderttausend Sprechern als Muttersprache benutzt und hat auch literarische Funktion. Gesprochen wird Aromunisch in Bulgarien, Griechenland, Albanien, Mazedonien und teilweise auch in Rumänien. Meglenorumänisch wird von etwa 10.000 zweisprachigen Personen in Griechenland, Mazedonien, der Türkei und Rumänien gesprochen. Das im Aussterben begriffene Istrorumänisch wird nur noch von ca. 1000 zweisprachigen Personen benutzt.

Sprachkontakt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die rumänische Sprache entstand wahrscheinlich bei der Übernahme des Vulgärlateinischen durch die einheimischen Daker nach der Eroberung durch Trajan (106 n. Chr.). Aufgegebene Sprachen, hier der Daker (Thrako-Dakisch) und Geten werden als Substratsprachen bezeichnet, von denen oftmals mehr oder weniger deutliche Spuren in Grammatik, Aussprache und Wortschatz erhalten bleiben. Als Beispiele werden angeführt: buză ‚Lippe‘, mal ‚Ufer‘, măgar ‚Esel‘, moș ‚Greis‘, rață ‚Ente‘, a se bucura ‚sich freuen‘.

Als Superstrat wird dagegen das Südslawische betrachtet. Sein Einfluss im Rahmen des romanisch-slawischen Bilinguismus des 6. bis 9. Jahrhunderts ist besonders groß im Wortschatz und in der Wortbildung. Hier können folgende Beispiele angeführt werden: boală ‚Krankheit‘, bogat ‚reich‘, boier ‚Bojar, Adliger‘ und brazdă ‚Furche‘. Nicht selten drücken slawische Substantive Begriffe aus, denen Verben lateinischen Ursprungs entsprechen: plug ‚Pflug‘ – a ara ‚pflügen‘, sită ‚Sieb‘ – a cerne ‚sieben‘ usw.

Stilebenen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geht man von den diamesischen Unterschieden aus, kann man die rumänischen Stilschichten einteilen in: a) Schriftsprache, deren wichtigste Form die Literatursprache (limba literară) ist, die wieder in cultă ‚gehoben, formell‘ und populară ‚umgangssprachlich, salopp‘ unterteilt werden kann. Die gehobene Literatursprache (ungefähr „Hochsprache“) weist wiederum funktionelle Varietäten auf; b) Sprechsprache, die in „ländliche“ (rurală) und „städtische“ (citadină) zerfällt.

Rechtschreibung und Aussprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel für die Verwirrung um die Entwicklung der rumänischen Rechtschreibung und Diakritika: Rechts das alte Straßenschild mit der neuen Rechtschreibung des Wortes sfânt ‚heilig‘ und dem Behelfs-Buchstaben Ş, links das neue Schild mit der alten Rechtschreibung „sfînt“ und dem korrekten Buchstaben Ș

Anfangs wurde in der rumänischen Sprache das kyrillische Alphabet benutzt. Ausgehend von den Bestrebungen der Siebenbürgischen Schule wurde dieses 1860 durch ein erweitertes lateinisches Alphabet ersetzt. Dabei entsprechen alle Vokal- und die meisten Konsonantenbuchstaben jeweils genau einem Laut. Die Phonologie leitet sich teils vom Italienischen und teils vom Französischen ab. Heute umfasst das Rumänische Alphabet das Lateinische Alphabet mit fünf Sonderzeichen:

a, ă, â, b, c, d, e, f, g, h, i, î, j, (k), l, m, n, o, p, (q), r, s, ș, t, ț, u, v, (w), x, (y), z

Die in Klammern stehenden Buchstaben kommen nur in Lehnwörtern vor. 1860 enthielt es außerdem noch die Buchstaben ê und û, so dass die Schriftsprache zusätzliche etymologische Information enthalten konnte. Da jedoch die breite Bevölkerung des Lateinischen nicht mächtig war, gab es große Schwierigkeiten mit der korrekten Verwendung von â, ê und î. Daher wurde eine neue Rechtschreibung eingeführt, nach der sämtliche ɨ-Laute durch î geschrieben werden sollten. In den 1990er Jahren wurde dann wieder das â zusätzlich zum î offiziell eingeführt. Nach der neuen Regelung wird am Wortanfang und am Wortende î und in der Wortmitte â geschrieben.

Folgende Tabelle stellt die rumänischen Buchstaben dar, deren Aussprache sich von den deutschen unterscheidet:

Graphem IPA Aussprache im Deutschen
ă ə Ungerundeter halboffener Zentralvokal, annähernd wie das „e“ im dt. Matte, kann leicht gerundet gesprochen werden und somit akustisch einem œ nahekommen.
â ɨ hat in der deutschen Sprache keine Entsprechung (Kann akustisch einem ü wie in „Mütze“ nahekommen.)
c k wie „k“
ce tʃe wie „tsch“ (wie im it.. „Cembalo“)
ci tʃi wie in „Chinchilla“
che ce palatalisiertes „k“ (wie im it. „barchetta“)
chi ci palatalisiertes „k“ (wie im it. „Chianti“)
e e stets ein geschlossenes „e“, wie in dt. „Teer“
g g wie „g“
ge dʒe wie stimmhaftes „dsch“ (wie it. „Angelo“ oder im en. „gentleman“)
gi dʒi wie stimmhaftes „dsch“ (wie im it. „Gigolo“)
ghe ge wie „g“
ghi gi wie „g“
h ç ~ x je nach Position zwischen "ch" in "ich" und "Bach"
i i, ʲ wie "i"; unbetont am Ende eines Wortes nicht silbisch und fast unhörbar (palatalisiert)
î ɨ genau wie â, die Unterschiede in der Schreibweise sind sprachhistorisch bedingt
j ʒ stimmhaftes „sch“ wie in „Journalist“, „Garage“
r r das r wird gerollt
s s stimmloses „s“ (wie „ss“ in dt. „Gasse“)
ș ʃ wie dt. „sch“ in „Asche“
ț ts wie dt. „z“ in „Zunge“
v v wie dt. „w“ in „Wohnung“
y i wie „i“ (nur in Fremdwörtern)
z z stimmhaftes „s“ (wie in „Suppe“, wie „z“ in englisch „zero“)

Phonologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vokale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rumänische besitzt 7 Monophthonge.

Monophthonge des Rumänischen
  vorne zentral hinten
geschlossen i ɨ u
mittel e ə o
offen   a  

Gleitlaute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rumänische besitzt vier Gleitlaute.

Halbvokale/Halbkonsonanten des Rumänischen
  vorne hinten
geschlossen
offen

Diese vier Gleitlauten bilden insgesamt 22 Diphthonge und 11 Triphthonge:

  • 13 fallende Diphthonge : [ai̯], [au̯], [ei̯], [eu̯], [ii̯], [iu̯], [oi̯], [ui̯], [əi̯], [əu̯], [ɨi̯] und [ɨu̯].
  • 9 steigende Diphthonge: [e̯a], [e̯o], [i̯a], [i̯e], [i̯o], [i̯u], [o̯a], [u̯a] und [u̯ə].
  • 11 Triphthonge: [e̯ai̯], [e̯au̯], [i̯ai̯], [i̯au̯], [i̯ei̯], [i̯eu̯], [i̯oi̯], [i̯ou̯], [o̯ai̯], [e̯o̯a] und [i̯o̯a].

Mit diesem Lautinventar lässt sich das Rumänische als eine sehr diphthong- und triphthongreiche Sprache charakterisieren.

Konsonanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rumänische hat 20 Konsonanten.

Konsonanten des Rumänischen
  bilabial labio-
dental
alveolar post-
alveolar
velar glottal
Plosive p b   t d   k g  
Frikative   f v s z ʃ ʒ   h
Affrikaten     ts    
Nasale m   n      
Vibranten     r      
Laterale     l      

Quelle: Sarlin, Mika 2(2014): Romanian Grammar. Helsinki: Books on Demand: 16–22

Grammatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Rumänische Grammatik

Das Rumänische ist diejenige romanische Sprache, bei der die Nominalflexion am meisten ausgebildet ist bzw. sich am wenigsten zurückentwickelt hat (und in dieser Hinsicht noch eng an das Lateinische angelehnt ist). Es hat als einzige romanische Sprache eine Deklination mit den Kasus Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Vokativ. Allerdings ist innerhalb der Romanistik umstritten, ob die Kasusflexion eine direkte Fortführung der lateinischen Verhältnisse ist oder ob sie eine Neubildung darstellt. Die späte schriftliche Überlieferung des Rumänischen (erst seit dem 16. Jh.) trägt zu dieser Unsicherheit bei. So ähneln Formen wie casă (,Haus', Nominativ/ Akkusativ), casei (Genitiv/ Dativ) zwar dem spätlateinischen Typ casa (Nominativ), casae (Genitiv/ Dativ), casa (Akkusativ), allerdings weisen nur die Feminina diese Deklination auf, die restlichen Nomina zeigen keine Kasusflexion. Diese wird nur durch den Artikel wiedergegeben: trenul (der Zug, wörtlich Zug-der: Nominativ/ Akkusativ Singular), trenului (Genitiv/ Dativ Singular), trenurile (Nominativ/ Akkusativ Plural), trenurilor (Genitiv/ Dativ Plural). Derweil existiert im Rumänischen dennoch eine reine Substantivflexion: Während etwa der Fall eines deutschen Nomens häufig nur mit Hilfe des Artikels bestimmt werden kann (Beispiel: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ jeweils Katze im Singular und Katzen im Plural), haben im Rumänischen die Substantive eine eigene deklinierte Form, ähnlich wie im Lateinischen.

Das Rumänische besitzt zudem eine recht ausgeprägte Verb-Konjugation, die dem Lateinischen und Italienischen ähnelt. Es ist darüber hinaus die einzige heute gesprochene romanische Sprache, die das Neutrum behalten hat (auch hier ist umstritten, ob es eine direkte Fortführung der lat. Verhältnisse ist oder ob es sich um eine Neubildung handelt).

Wortschatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Rumänisch hat, wie es für Sprachen mit vielen Nachbarsprachen üblich ist, aus allen Himmelsrichtungen und aus allen lexikalischen Bereichen Wörter entlehnt. Der Wortschatz gestaltet sich nach Herkunft wie folgt:

Verschiedenen anderen Untersuchungen zufolge sind im allgemeinen Sprachgebrauch mehr als 60 %, meistens sogar mehr als 80 % der Wörter aus dem Lateinischen ererbt. Weniger als 10 % sind demnach slawischen Ursprungs.[8]

Erbgut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die rumänische Sprache entwickelte sich aus dem Vulgärlatein und weist dementsprechend viele Wörter lateinischen Ursprungs auf. Zurzeit wird die Wortähnlichkeit mit Italienisch auf 77 %, mit Französisch auf 75 %, mit Katalanisch auf 73 %, mit Portugiesisch und Rätoromanisch auf 72 %, sowie mit der spanischen Sprache auf 71 % geschätzt.[9]

Um einen Vergleich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der modernen romanischen Sprachen zu ermöglichen, folgt der Satz „Sie schließt immer das Fenster vor dem Essen/bevor sie isst.“ in der jeweiligen Sprache sowie im Lateinischen.

Ea semper fenestram claudit antequam cenet. (vulgärlateinisch)
Fenestra clausa femina cenat. (klassisches Latein)
Ea închide întotdeauna fereastra înainte de a cina. (rumänisch)
Lei chiude sempre la finestra prima di cenare. (italienisch)
Elle ferme toujours la fenêtre avant le dîner. (französisch)
Ella sempre tanca la finestra abans de sopar. (katalanisch)
Ella siempre cierra la ventana antes de cenar. (spanisch)
Ela sempre fecha a janela antes de jantar. (portugiesisch)
Jê e siere simpri il barcon prime di cenâ. (friaulisch)

Einige gemeinromanische Wortstämme sind im Rumänischen nicht belegt:

Latein Italienisch Französisch Katalanisch Spanisch Portugiesisch Rumänisch Deutsch
causa cosa chose cosa cosa coisa cauza Grund
res rien ‚nichts‘ res ren lucru Sache
gaudium gioia joie goig (Verb: gaudir) gozo gozo bucurie[10] Freude
laborare lavorare labourer llaurar labrar laborar a lucra arbeiten
sapere sapere savoir saber saber saber a ști wissen

Lehngut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisch bedingt weist Rumänisch, besonders das vorheriger Jahrhunderte, mehrere Entlehnungen aus anderen Sprachen auf.

Gemeinsamer rumänisch-albanischer Wortschatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interessanterweise teilen das Rumänische und das Albanische eine angeblich sehr alte Schicht von Wörtern, von denen einige für Fernweidewirtschaft typisch sind. Dabei handelt es sich nicht notwendigerweise um Entlehnungen aus dem Albanischen, sondern womöglich um Wörter, die das Rumänische aus einer Vorstufe des Albanischen entlehnt hat, die jedoch nicht sicher identifiziert werden kann. Beispiele:

  • alb. bredh ~ rum. brad ,Tanne‘
  • alb. buzë ~ rum. buzǎ ,Lippe‘
  • alb. cjap ~ rum. țap ,Geißbock‘
  • alb. dhallë ~ rum. zară ,Buttermilch‘
  • alb. mëz ~ rum. mânz ,Fohlen‘
  • alb. modhullë ~ rum. mazǎre ,Erbse‘
  • alb. vjedhullë ~ rum. viezure ,Dachs‘

Slawismen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor allem die südslawischen Sprachen und speziell die mittelbulgarische Sprache haben viele Wörter ins Rumänische entlehnt. Besonders aus dem Gebiet der Religion zeigt sich dieser Einfluss durch die gemeinsame orthodoxe Religion, aber auch auf dem Gebiet der Familie und der Liebe. Man darf darum für das Mittelalter von einer starken Vermischung von Sprechern des Rumänischen und Slawischen durch Eheschließung ausgehen:

  • altkirchenslawisch:
    • ältestes:
      • aksl. blato (vgl. skr. blȁto, bulg. bláto) → rum. baltă ‚Pfütze, Teich‘; aksl. dlato → rum. daltă ‚Meißel‘; aksl. metla (vgl. skr. mètla, bulg. metlá) → rum. mătură ‚Besen‘; aksl. *stěnъka (vgl. tschech. stěnka) → rum. stâncă ‚Fels(en)‘; aksl. sŭto (vgl. bulg. sto, skr. stȏ) → rum. sută ‚Hundert‘
    • späteres:
      • askl. *mogyla ‚Grabhügel‘ (vgl. skr. mògila ‚Grab‘) → arum. moghilămovilă ‚Hügel‘; aksl. *mȏldŭ ‚jung‘ → *moldika ‚Bäumchen‘ (vgl. skr. mladić, bulg. mladok) → rum. dial. molidf, molitf, stand. molid ‚Fichte‘; aksl. pola → rum. poală ‚Schoß‘; aksl. rana (vgl. bulg. rana, skr. rȁna) → rum. rană ‚Wunde, Verletzung‘; aksl. skǫpŭ (vgl. skr. skȕp, bulg. skǎp) → rum. scump ‚teuer‘; aksl. sŭdravĭnŭ → rum. zdravăn ‚stark, kräftig‘; aksl. *sŭgrŭčiti sę (vgl. tschech. skrciti) → rum. zgârci (neben sgârci) ‚hocken, kauern‘; aksl. tŭrgŭ (vgl. bulg. tǎrg, skr. tȑg) → rum. târg ‚Markt, Handelsort‘.
  • südslawisch:
    • skr./bulg. baba → rum. babă ,alte Frau‘; skr. glȍg, bulg. glog ‚Weißdorn‘ → rum. ghioagă ‚Keule; Klotz aus Weißdorn‘; skr. ìzvor, bulg. izvor → rum. izvor ‚Quelle‘; skr. kȍpile, bulg. kópele ,uneheliches Kind‘ → rum. copil ,Kind‘
  • bulgarisch:
    • bulg. gorun → rum. gorunTraubeneiche‘; mbulg. hvruljam, zahvurljam (vgl. bulg. hvărljam (хвърлям), maz. frli (фрли)) → rum. azvârli (neben zvârli) ‚schleudern, (aus)werfen, schnellen‘; bulg. kopája ‚aushöhlen‘ → arum. copaci → rum. copac ,Baum‘ (vgl. alb. kopaç ,Baumstumpf‘); bulg. melčev, melčov → arum. melciu → rum. melc ,Schnecke‘; bulg. močilo ‚Pfütze, Sumpf‘ → rum. mocirlă ‚Moor‘
  • serbokroatisch:
    • skr. lȁtica ‚Blütenblatt‘ → rum. altiţă ‚rote Wollstickerei über die Schulter‘; skr. lèšina ‚Aas, Tierkadaver‘ → rum. leșina ‚in Ohnmacht fallen‘; skr. vȁtra ‚Feuer‘ → rum. vatră ‚Zuhause, Kamin‘
  • ukrainisch:
    • ukr. bort ‚Bohrung‘, bortyly ‚bohren‘ → rum. bortă ‚Bohrung‘, bort(el)i ‚bohren‘; ukr. taraš ‚Säule, Pfahl‘ → rum. țăruș ‚Zeltpflock‘; ukr. žyvec ‚Fischlaich‘ → rum. juvete ‚Fischbrut, kleine Fische‘
  • polnisch:
    • pol. dolow → rum. dulău ‚Dogge‘; pol. pawež → rum. pavăză ‚Schild‘; pol. szoldra → rum. Plur. șolduri → Sg. șold ‚Hüfte‘.
  • bolnav ,krank‘
  • ceas ,Uhr‘
  • clǎdi ,bauen‘
  • corenie ,Ursprung, Familie‘
  • curvǎ ,Hure‘
  • drag ,lieb‘, dragoste ‚Liebe‘
  • gol ,nackt‘
  • iubi ‚lieben‘
  • jale ,Traurigkeit‘
  • măgar ‚Esel‘
  • nevoie ‚Bedürfnis‘
  • cinste ‚Ehrlichkeit, Ehre‘
  • rudǎ ,Verwandte/r‘
  • tată ,Vater‘
  • zid ,Wand‘

Gräzismen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Einfluss des Byzantinischen Reichs (nach dem 6. Jh.) im Frühmittelalter wurden auch mittelgriechische Wörter ins Rumänische übernommen:

  • kárabos (κάραβος) ‚Krebs; Langhornbock‘ → caraban ‚Nashornkäfer‘
  • lípō (λείπω; Fut. lípsō, λείψω) ,verlassen‘ → lipsi ,fehlen‘
  • makári (μακάρι) ,oh Glücklicher‘ → măcar ,wenigstens‘
  • spätmgriech. ófelos (όφελος) → folos ,Nutzen‘
  • fríkē (φρίκη) → frică ‚Furcht‘
  • frühmgriech. prósɸatos (πρόσφατος) → proaspăt ,frisch‘
  • sklábos (σκλάβος) ‚Sklawe‘ → şchiau ‚Bulgare; bulgarisch‘

Durch Vermittlung des Südslawischen (vgl. Altkirchenslawisch, Bulgarisch, Serbokroatisch) wurden weitere Byzantinismen entlehnt:

  • gr. drómos → aksl. drumŭ → rum. drum ,Weg‘
  • gr. efthinós (εὐθηνός) ,erfolgreich‘ → serbokroat. ieftin, bulg. evtin (евтин) → rum. ieftin, (früher) eftin ,billig‘
  • gr. myrízomai → aksl. mirosati → rum. mirosi ,riechen‘

Aus Neuzeit, vor allem während der Herrschaft der Phanarioten, wurde neugriechische Wörter entlehnt:

  • bufos (μποῦϕος) ‚Uhu, Trottel‘ → bufă (neben buhă) ‚Eule; wirres Kopfhaar; Kinderspiel‘
  • buzunára (μπουζουνάρα) → buzunar ,Hosen-/Jackentasche‘
  • fasóli (φασόλι) → fasole ‚Bohne‘
  • kuk(k)uvághia (κουκουβάγια) → cucuvea (neben cucuvaie, cucuveică, cucumea(gă)) ‚Steinkauz
  • orfanós (ορφανός) → orfan ‚Waisenkind‘ (gegenüber arom. oarfãn aus Vulgärlatein)

Ungarismen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zahl der Lehnwörter aus der Nachbarsprache Ungarisch ist regional sehr verschieden hoch: In Siebenbürgen gibt es viele umgangssprachliche Wörter, die nicht in die rumänische Hochsprache Eingang gefunden haben. Zu den ungarischen Lehnwörtern im allgemeinen Wortschatz gehören:

  • ung. bunda → rum. bundă ,Pelzmantel‘
  • ung. dial. döböny ,zylindrisches, hölzernes Geschirr aus einem Stücke, mit Deckel, zum Honig u. dgl.‘ → rum. sieben. ghiob ,Holzgefäß‘
  • ung. fogadni → rum. făgădui ,versprechen‘
  • ung. gazda → rum. gazdă ,Wirt, Hausherr‘
  • ung. gond → rum. gând ,Gedanke‘
  • ung. kocsi → rum. cocie ,Kutsche‘
  • ung. költeni → rum. cheltui ,Geld ausgeben‘
  • ung. marha → rum. marfǎ ,Ware‘
  • ung. menteni → rum. mântui ,retten, bewahren‘
  • ung. oltvány → rum. altoi ,Bäume veredeln‘
  • ung. szoba → rum. sobǎ ,Zimmer, Ofen‘ (das ungarische Wort ist seinerseits aus dt. Stube entlehnt)
  • ung. város → rum. oraș ,Stadt‘

Lehnwörter aus dem Deutschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kartoffel → cartof
  • Halbe (Bier) → halbă
  • Schraube → șurub
  • Schublehre → șubler
  • Henker → hingher ,Hundefänger‘,
  • österr. schlampat ‚schlampig‘ → șlampăt
  • Schmirgel → șmirghel
  • Schalter → șaltăr (mundartlich)
  • Schiene → șină
  • Bohrmaschine → bormașină
  • Spritzer → șpriț
  • servus (Gruß) → servus (siebenbürgisch)
  • Abziehbild → abțibild
  • Seegras → zegras
  • österr. Speis ‚Speisekammer‘ → șpais (mundartlich)
  • Schinken → șuncă
  • Schindel → șindrilă
  • Schnitzel → șnițel
  • Zitze → țâță
  • Tischläufer → tișlaifer (mundartlich)
  • Turm → turn
  • Zuckerbäckerin → țucărpecărița (mundartlich)
  • Rucksack → rucsac
  • Plattfuß → platfus
  • Gläserei → glăjărie (siebenbürgisch)
  • Bügeleisen → biglais (mdrtl. in Banat)
  • Brief → brif (mdrtl. in der Bukowina)
  • Leber → lebăr ,Leberwurst‘
  • Kellner → chelner
  • Krenwürstchen → crenvurști
  • Kremschnitte → cremșnit
  • Kloster → cloașter (mittelalterliche Bezeichnung für katholische Klöster)
  • Streif → ștraif
  • steif (adj.) → ștaif (Zusatz zum Versteifen: Kragen, Schild[mütze], ...)
  • Strudel → ștrudel (nur im gastronomischen Sinn!)
  • Stanitzel → ștanițăl
  • Pantoffel → pantof ,Schuh‘

Turzismen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rumänische kennt mehrere Schichten von Entlehnungen aus den Turksprachen, z. B.[11]

  • Westtürkisch
    • Petschenegisch und Kumanisch:
      • rum. beci ‚Kellar‘ (kum. beči ‚Befestigung‘), coman ‚Teufel; Monster‘ (kum. Koman), oină ‚rumänisches Ballspiel‘ (vgl. türk. oyun ‚Spiel‘, arom. oină ‚Kartenspiel‘), toi ‚Höhepunkt, Gipfel‘ (kum. toy), vielleicht auch capcană ‚Falle‘ (vgl. türk. kapkan).[11]
    • Tatarisch:
      • rum. arcan ‚Lasso‘, ceaun ‚Kessel‘ (tat. ca(h)un), mold. gigăt ‚mutig, kühn‘, han ‚tatarischer Fürst‘, mârzac ‚tatarischer Adlige, Edelmann‘ (tat. mïrza), oba ‚tatarisches Häuschen‘.[11]
  • Türkei-Türkisch
    • Osmanische Türkisch
      • Umgangssprachliches oder mundartliches:
        • mdrtl. dövlek (ggü stand. devlek) → rum. dovleac ‚Mut, Tapferkeit‘; umgang. farfuri (ggü st. fağfuri) → rum. farfurie ‚Porzellanteller‘; umgang. tuç (ggü st. tunc) → tuci ‚Messing‘ usw.[11]
      • Veraltendes:
        • ağami (ntürk. acemi) → rum. ageamiu ‚Anfänger, Neuling‘; hergele (ntürk. Sinn ‚(Deck-, Zug-)Hengst‘) → rum. herghelie ‚Gestüt, Stall‘; kerhana (ntürk. Sinn ‚Hurenhaus‘) → rum. cherhana ‚Fabrik‘ usw.[11]
      • Neben großteils veraltetem Militärwortschatz stehen z. B. folgende Wörter mit gleichlautende neutürkische Entsprechungen:
        • türk. baş → rum. baci ‚Schafhirt‘; türk. çoban → rum. cioban ‚Hirte‘; çorapciorap ‚Socken‘; çorbaciorbă ‚Suppe‘; dolapdulap ‚Schrank‘; fıstıkfistic ‚Pistazie‘; kahvecafea ‚Kaffee‘; köftechiftea ‚Fleischkloß‘; kutucutie ‚Schachtel‘; pabuçpapuc ‚Hausschuhe‘ usw.

Wortschatz unklarer Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie in jeder Sprache gibt es auch im Rumänischen Wörter, deren Herkunft sich weder aus dem lateinischen Erbgut noch aus dem Kontakt mit späteren Sprachen erklären lässt. Möglicherweise handelt es sich bei solchen Wörtern um Substrat aus älteren Sprachen, die auf dem Gebiet des heutigen Rumänien vor der lateinischen Kolonisierung gesprochen wurden, wie Dakisch. Da diese Sprachen jedoch kaum belegt sind, ist eine Zuordnung dieser Wörter zu einer bestimmten Sprache nur selten möglich. Beispiele für solche Wörter im Rumänischen sind:

  • băiat ,Knabe‘
  • gașcă ,Clique‘
  • hoț ,Dieb‘
  • strugure ,Weintraube‘

Interne Sprachgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als ältestes Dokument in rumänischer Sprache gilt Neacșus Brief aus dem Jahr 1521.

Das Altrumänische weist bereits die meisten Züge des Neurumänischen auf. Hier eine kleine Übersicht der Charakteristika:

Syntax

  • Wortstellung: Subjekt-Verb-Objekt
  • enklitischer Artikel: ajutoriul „die Hilfe“
  • proklitischer Artikel bei Eigennamen: luna lu Mai „der Monat Mai“
  • das Auxiliar beim Perfekt ist stets a avea: am scris „ich habe geschrieben“

Morphologie

  • der Plural der meisten Maskulina (und mancher Feminina) lautet auf -i, jener der meisten Feminina (und mancher Neutra) auf -e, Neutra bilden den Plural auf -uri.
  • Existenz eines Relativpronomens für den Genitiv und Dativ Plural: care < lat. QUALEM
  • neben dem enklitischen Artikel -ul existiert ein enklitischer Artikel -lu, z. B. fiulu „der Sohn“.
  • regelmäßige Steigerung von bine „gut“
  • Genitivbildung durch Flexion (casǎ domnului) oder Präposition möglich (casǎ de domnu)
  • Die vier Verbklassen des Lateinischen sind erhalten geblieben: I. CANTARE > cânta, II. HABERE > avea, III. MERGERE > merge, IV. VENIRE > veni, wobei nur noch Klasse I und IV produktiv sind.
  • Der Infinitivschwund ist bereits vollzogen, der Konjunktiv wird in der Regel mit + Indikativformen gebildet.

Wortschatz

  • Schon im ältesten erhaltenen rumänischen Text gibt es über 90 % Wörter lateinischen Ursprungs.
Lautsystem

Aufgrund der zu den anderen romanischen Sprachen isolierten Lage finden sich in der rumänischen Sprache mehrere besondere Lautentwicklungen. Es gibt auch einige Gemeinsamkeiten, wie zum Beispiel mit der italienischen Sprache [kl] > [kj] (Lat. clarus > Rum. chiar, Ital. chiaro = berühmt, tatsächlich) und mit der dalmatinischen Sprache, z. B. [gn] > [mn] (Lat. cognatus > Rum. cumnat, Dalm. comnut = Schwager).

Einige der beachtenswerten Verschiebungen:

  • Diphthongierung von e und o
    Lat. cera > Rum. ceară (Wachs)
    Lat. sol > Rum. soare (Sonne)
  • Jotazismus [e] → [ie] am Wortanfang
    Lat. herba > Rum. iarbă (Gras, Kraut)
  • Velare [k], [g] → Labiale [p], [b], [m] vor alveolaren Konsonanten:
    Lat. octo > Rum. opt (acht)
    Lat. quattuor > Rum. patru (vier)
    Lat. lingua > Rum. limbă (Zunge, Sprache)
    Lat. signum > Rum. semn (Zeichen)
    Lat. coxa > Rum. coapsă (Oberschenkel, Schenkel)
  • Rhotazismus [l] → [r] zwischen Vokalen
    Lat. caelum > Rum. cer (Himmel)
    Lat. sol > Rum. soare (Sonne)
    Lat. salem > Rum. sare (Salz)
  • Alveolare [d] und [t] palatalisiert zu [dz]/[z] und [ts], wenn vor kurzem [e] oder langem [i]
    Lat. deus > Rum. zeu (Gott)
    Lat. tenere > Rum. ține (halten)
    Lat. habetis > Rum. aveți (ihr habt)

Mundartliche Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Morphologie

  • der maskuline Artikel im Singular ist -u (das vulgärlateinische Akkusativsuffix): porcu (das Schwein) vs. rum. (Standard) porcul
  • vereinfachte Flexion: diese limitiert sich meist nur auf Feminina, während überwiegend auf Präpositionen statt auf Flexive zurückgegriffen wird.
  • Im Dativ wird statt lu auch la ohne Rücksicht auf das Genus gebraucht.
  • Was die Pluralbildung betrifft, so kam es hier ohne Rücksicht auf das Genus zum Wandel -a > -e > -i.
  • doppelte Markierung bei der Komparation: tare foarte bine statt foarte bine oder tare bine.
  • Verben: im Perfekt wird fost oft nur [fos] oder [foz] gesprochen, es überwiegt das zusammengesetzte Perfekt. Einige starke Perfektformen werden anstelle von schwachen verwendet: văst statt văzut (gesehen), vint statt venit (gekommen), aust statt auzit (gehört).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Bochmann, Heinrich Stiehler: Einführung in die rumänische Sprach- und Literaturgeschichte. Romanistischer Verlag, Bonn 2010.
  • Ioana Chițoran: The Phonology of Romanian. A Constraint-Based Approach. Mouton de Gruyter, Berlin / New York 2001; Neudruck 2013.
  • Wolfgang Dahmen: „Externe Sprachgeschichte des Rumänischen“. In: Gerhard Ernst u.a. (Hrsg.): Romanische Sprachgeschichte. Ein internationales Handbuch zur Geschichte der romanischen Sprachen. 1. Teilband. De Gruyter, Berlin/New York 2003. S. 727-746.
  • Gabriela Panã Dindelegan (Hrsg.): The Grammar of Romanian. Universitätsverlag Oxford, Oxford 2013.
  • Gabriela Panã Dindelegan u.a. (Hrsgg.): Diachronic Variation in Romanian. Cambridge Scholars Publishing, Newcastle upon Tyne 2015.
  • Günter Holtus / Michael Metzeltin / Christian Schmitt (Hrsgg.): Lexikon der Romanistischen Linguistik. 12 Bände. Niemeyer, Tübingen 1988–2005; Band III: Die einzelnen romanischen Sprachen und Sprachgebiete von der Renaissance bis zur Gegenwart. Rumänisch, Dalmatisch / Istroromanisch, Friaulisch, Ladinisch, Bündnerromanisch, 1989.
    • Michael Metzeltin, Otto Winkelmann: „Rumänisch: Lexikologie und Semantik“. S. 81-101.
  • Maria Iliescu / Victoria Popovici: Rumänische Grammatik. Buske, Hamburg 2013, ISBN 978-3-87548-490-8.
  • Thede Kahl (Hrsg.): Das Rumänische und seine Nachbarn. Frank und Timme, Berlin 2009, Forum: Rumänien, Band 2, ISBN 978-3-86596-195-2.
  • Michael Metzeltin: Gramatică explicativă a limbilor romanice. Sintaxă și semantică. Editură Unversității Alexandru Ioan Cuza, Jassy 2011.
  • Andreas Liviu de Papp: Anleitung zur Erlernung der romanischen Sprache. Teschen 1852, Lehrbuch der rumänischen Sprache für Deutschsprachige unter Berücksichtigung der lateinischen Etymologie rumänischer Wörter von 1852 (PDF)
  • Klaus-Henning Schroeder: Einführung in das Studium des Rumänischen. Schmidt, Berlin 1967.

zum Altrumänischen:

  • Lorenzo Renzi: Nuova introduzione alla Filologia romanza. il Mulino, Bologna 1994, S. 411–420.
  • Ina Arapi: Der Gebrauch von Infinitiv und Konjunktiv im Altalbanischen mit Ausblick auf das Rumänische. Hamburg 2010, ISBN 978-3-8300-4572-4.

zur Dialektologie:

  • Gerhard Ernst u.a. (Hrsg.): Romanische Sprachgeschichte. Ein internationales Handbuch zur Geschichte der romanischen Sprachen. 3. Teilband. De Gruyter, Berlin/New York 2009.
    • Stelian Dumistrăcel / Doina Hreapcă: „Histoire des dialectes dans la Romania: Romania du Sud-Est“. S. 2459-2477.
    • Larisa Schippel: „Geschichte von regionalen Varietäten und Stadtsprachen in der Romania: Südostromania“. S. 2532-2540.
    • Rodica Zafiu: „Les variétés diastratiques et diaphasiques des langues romanes du point de vue historique: roumain“. S. 2319-2333.
  • Josef Popovici: Rumaenische Dialekte [sic!]. Halle an der Saale 1904, Nachdruck: La Vergine, USA, 2011.
  • Rudolf Windisch: „Rumänisch: Varietätslinguistik des Rumänischen“. In: Günter Holtus / Michael Metzeltin / Christian Schmitt (Hrsgg.): Lexikon der Romanistischen Linguistik. 3. Band: Die einzelnen romanischen Sprachen und Sprachgebiete von der Renaissance bis zur Gegenwart. Rumänisch, Dalmatisch / Istroromanisch, Friaulisch, Ladinisch, Bündnerromanisch. Niemeyer, Tübingen 1989. S. 464-480.

zum Lehngut und Sprachkontakt:

  • Vasile Arvinte: Die deutschen Entlehnungen in den rumänischen Mundarten. Ins Deutsche übertragen von Siegfried Bronsert. Akademie-Verlag, Berlin 1971.
  • Wolfgang Dahmen: „Sprachkontakte: Griechisch und Rumänisch“. In: Gerhard Ernst u.a. (Hrsg.): Romanische Sprachgeschichte. Ein internationales Handbuch zur Geschichte der romanischen Sprachen. 2. Teilband. De Gruyter, Berlin/New York 2006. S. 1611-1617.
  • Jouko Lindstedt: „Balkan Slavic and Balkan Romance from Congruence to Convergence“. In: Juliane Besters-Dilger, Cynthia Dermarkar, Stefan Pfänder u. Achim Rabus (Hrsgg.): Congruence in Contact-Induced Language Change. Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2014.
  • Sorin Paliga: „The Earliest Slavic Borrowings in Romanian“. In: Romanoslavica, Band XLVI, Nr. 4. Editura Universității din București, Bukarest 2010.
  • Peter R. Petrucci: Slavic Features in the History of Rumanian. Lincom Europa, München 1999.
  • Lajos Tamás: Etymologisch-historisches Wörterbuch der ungarischen Elemente im Rumänischen. Mouton, Budapest 1967.
  • Heinz F. Wendt: Die türkischen Elemente im Rumänischen. Akademie-Verlag, Berlin 1960.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Rumänisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Kategorie:Rumänisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Rumänische Sprache – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Rumänische Aussprache – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Rumänische Wörterbücher – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. UNHCR – Ethnic Hungarian Minorities in Central and Eastern Europe
  2. ec.europa.eu (PDF)
  3. Angaben zur Zusammensetzung der ukrainischen Bevölkerung 2001 (Memento vom 1. November 2004 im Internet Archive)
  4. Romanian BBC.com
  5. Uniunea Latină. Abgerufen am 9. Januar 2013 (rumänisch).
  6. Petit Futé: Roumanie. Editions/Ausgabe 2004–2005, ISBN 2-7469-1132-9, S. 37.
  7. Spezielle Aspekte dieses lexikalischen Erbes behandelt: Kamil Stachowski: The volume of Ottoman lexical influence on Romanian. In: Gabriel Altmann, Radek Čech, Ján Mačutek, Ludmila Uhlířová (Hrsg.): Empirical Approaches to Text and Language Analysis dedicated to Luděk Hřebíček on the occasion of his 80th birthday. RAM-Verlag, Lüdenscheid 2014, Seite 207–228. ISBN 978-3-942303-24-8.
  8. Klaus-Henning Schroeder: Einführung in das Studium des Rumänischen. Schmidt, Berlin 1967, S. 43–44
  9. Ethnologue, Romanian
  10. Nominalbildung zu a se bucura ‚sich freuen‘; vorromanisches nach Manfred Trummer: „Südosteuropäische Sprachen und Romanisch“. In: Günter Holtus, Michael Metzeltin u. Christian Schmitt (Hrsgg.): Lexikon der Romanistischen Linguistik (LRL). Band 7: Kontakt, Migration und Kunstsprachen. Kontrastivität, Klassifikation und Typologie. Max Niemeyer, Tübingen 1998. S. 164 books.google.de
  11. a b c d e Emil Suciu: „Contacts linguistiques : turc et roumain“. In: Gerhard Ernst (Hrsg.): Romanische Sprachgeschichte. Ein internationales Handbuch zur Geschichte der romanischen Sprachen. 2. Teilband. De Gruyter, Berlin 2006. S. 1673-6.