Esels-Wolfsmilch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Euphorbia esula)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Esels-Wolfsmilch
Esels-Wolfsmilch (Euphorbia esula), Illustration

Esels-Wolfsmilch (Euphorbia esula), Illustration

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)
Gattung: Wolfsmilch (Euphorbia)
Art: Esels-Wolfsmilch
Wissenschaftlicher Name
Euphorbia esula
L.

Die Esels-Wolfsmilch oder Scharfe Wolfsmilch (Euphorbia esula) ist eine Pflanzenart in der Gattung Wolfsmilch (Euphorbia).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laubblattoberseite, die Spaltöffnungen treten gehäuft im Bereich des Hauptnervs auf.
Euphorbia esula - kibe piimalill.jpg
Frucht und mondsichelförmige Nektardrüsen

Euphorbia esula ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 80 cm erreicht. Sie ist ein Hemikryptophyt und breitet sich über Wurzelsprosse aus. Die Wurzeln reichen tief. Die Stängel sind aufrecht oder aufsteigend.

Die wechselständigen, schmal lanzettlichen Laubblätter sind über der Mitte meist am breitesten und sind zum Grund hin verschmälert. Die Breite beträgt 3 bis 5 (selten 8) mm, die Länge 30 bis 60 mm. Nebenblätter fehlen stets.

Die Endscheindolde ist vielstrahlig. Die Hochblätter sind frei und nicht verwachsen, ihre Farbe ist grün oder gelblich. Die Nektardrüsen sind mondsichelförmig oder zweihörnig. Blütezeit ist Juni bis August. Die Bestäubung erfolgt durch Zweiflügler (Diptera).

Die Kapselfrucht ist fein punktiert und rau. Die Samen sind glatt.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 60 oder 64; bei der Unterart subsp. tommasiniana auch 2n = 20.[1]

Esels-Wolfsmilch (Euphorbia esula)

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Esels-Wolfsmilch ist in Eurasien beheimatet. Sie ist ein submeridionales bis boreales, kontinentales Florenelement. In Mitteleuropa kommt sie zerstreut vor, in den Alpen fehlt sie. In Ost-Österreich ist sie häufig, sonst zerstreut bis selten. In Südtirol nimmt sie stark zu, in Liechtenstein fehlt sie. In der Schweiz ist sie nur aus einem kleinen Gebiet in Graubünden bekannt.[2] In Dänemark ist sie ein Neophyt.

In Nordamerika wurde sie im 19. Jahrhundert eingeführt und wird in manchen Gebieten als invasive Art eingestuft.[3]

Sie wächst in Wiesen, Weiden, auf Äckern, in Gebüschen, an Ufern und auf Ruderalstellen. Sie bevorzugt frische bis mäßig trockene, nährstoffreiche, mehr oder weniger kalkhaltige Böden. Sie steigt bis in die montane Höhenstufe. Sie gedeiht in Gesellschaften der Verbände Agropyro-Rumicion, Mesobromion oder der Ordnung Onopordetalia, kommt aber auch in Gesellschaften der Klasse Trifolio-Geranietea vor.[1]

Unterarten und Varietäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Untereinheiten (Varietäten, Unterarten und ihre Hybride) werden anerkannt:[4]

  • Euphorbia esula var. cyparissioides Boiss.: Sie kommt von der Ukraine und dem europäischen Russland bis zum nordöstlichen China vor.[4]
  • Euphorbia esula subsp. esula: Sie kommt in den gemäßigten Zonen Eurasiens und auf den Azoren vor.[5]
  • Euphorbia esula subsp. maglicensis (Rohlena) Hayek: Sie kommt in Montenegro vor.[4]

Nicht mehr hierher gehören:[4]

  • Schein-Ruten-Wolfsmilch (Euphorbia esula nothosubsp. pseudovirgata (Schur) Govaerts; Syn.: Euphorbia pseudovirgata (Schur) Soó): Sie wurde (2020) von R. Govaerts als Synonym von Euphorbia virgata Waldst. & Kit. angesehen.[5]
  • Ruten-Wolfsmilch (Euphorbia esula subsp. tommasiniana (Bertol.) Kuzmanov):[5] Nach R. Govaerts (2020) wird sie auch als eigene Art angesehen: Euphorbia tommasiniana Bertol. Diese kommt nur im nordöstlichen Italien vor.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie alle Euphorbien besitzt die Esels-Wolfsmilch (lateinisch früher, wie auch andere Wolfsmilcharten, als Esula bezeichnet[6]) einen giftigen Milchsaft, im Volksmund „Hexenmilch“ genannt. Neben den in der Familie weit verbreiteten Ingenolestern besitzt sie auch Jatrophan-Derivate vom Typ des Esulon A.[7]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9.
  • Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Begründet von Werner Rothmaler. 13. Auflage. Band 2: Gefäßpflanzen. Volk und Wissen, Berlin 1987, ISBN 3-06-012539-2.
  • Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-ROM, Version 1.1. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01327-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 639.
  2. Euphorbia esula. In: Info Flora (Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora). abgerufen am 22. Dezember 2012.
  3. National Park Service, abgerufen am 16. Juni 2008.
  4. a b c d Rafaël Govaerts (Hrsg.): Euphorbia esula. In: World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) – The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew, abgerufen am 3. Dezember 2015.
  5. a b c Rafaël Govaerts (Hrsg.): Euphorbia esula. In: World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) – The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew, abgerufen am 20. April 2020.
  6. Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 142.
  7. Artportrait auf www.giftpflanzen.com, abgerufen am 16. Juni 2008.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Esels-Wolfsmilch (Euphorbia esula) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien