Eustathios von Thessalonike

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Eustathios von Thessalonike, Kommentar zur Ilias in der Handschrift (Autograph) Florenz, Biblioteca Medicea Laurenziana, Plut. 59.2, fol. 1r
Eustathios von Thessalonike, Kommentar zur Odyssee in der Handschrift (Autograph) Venedig, Biblioteca Marciana, Gr. 460, fol. 1r

Eustathios von Thessalonike (mittelgriechisch Ευστάθιος Θεσσαλονίκης; * um 1110; † um 1195) war ein bedeutender byzantinischer Gelehrter und Geistlicher.

Eustathios war Diakon an der Hagia Sophia und Rhetoriker. Im hohen Alter wurde er wohl 1178 (nicht, wie teils angegeben, 1174)[1] zum Erzbischof von Thessalonike ernannt, obwohl er ursprünglich Bischof in Myra werden sollte. Durch eine Intrige musste er kurzzeitig nach Konstantinopel fliehen, kehrte aber nach Thessalonike zurück, wo er um 1195 starb.[2]

Eustathios war ein umfassend gebildeter und sehr vielseitig interessierter Gelehrter, der über ein geradezu enzyklopädisches Wissen zu verfügen schien. Er gilt als der herausragendste byzantinische Gelehrte seiner Zeit. Eustathios verfasste zahlreiche Werke, darunter unter anderem eine kritische Schrift zum Mönchtum, Lobreden auf Kaiser und andere Persönlichkeiten, Briefe, theologische Werke sowie Schriften zu antiken Werken.

Sein literarisches Wirken ist für die antike Literatur vor allem wegen der Kommentare zu Pindar, zu Dionysios Periegetes und besonders zur Ilias und Odyssee Homers bedeutsam. In dem umfangreichsten uns erhaltenen Homerkommentar griff er auf alle Bereiche der griechischen Literatur zurück und tradierte damit auch sehr altes, sonst verlorenes Material. Seine Erläuterungen sind zudem aus grammatischer und sprachwissenschaftlicher Sicht interessant.

Eustathios betätigte sich auch als Geschichtsschreiber und verfasste ein erhaltenes Werk, das die normannische Eroberung von Thessalonike im Jahr 1185 schildert.

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommentare zu Ilias und Odyssee

Kommentar zu Pindar

Kommentar zu Dionysios Periegetes

  • R. Stephens: Tēs oikumenēs periēgēsis. Paris 1547
  • Henry Stephens (Hrsg.): Dionysii Orbis descriptio, annotationibus Eustathii. London 1688 (Digitalisat).
  • Gottfried Bernhardy: Dionysius Periegetes Graece et Latine. Weidmann, Leipzig 1828 (Neudruck: Olms, Hildesheim 1974).

Eroberung von Thessalonike

  • Herbert Hunger (Übers.): Die Normannen in Thessalonike. Die Eroberung von Thessalonike durch die Normannen 1185 n. Chr. in der Augenzeugenschilderung des Bischofs Eustathios (= Byzantinische Geschichtsschreiber. Band 3). Graz 1955.
  • Eustazio di Tessalonica: La espugnazione di Tessalonica. Testo critico, introduzione, annotazioni di Stilpon Kyriakidis. Proemio di Bruno Lavagnini, versione italiana di Vincenzo Rotolo (= Istituto Siciliano di Studi Bizantini e Neoellenici, Testi e monumenti. Testi Band 5) Palermo, 1961 (kritischer Text und italienische Übersetzung).
  • John R. Melville-Jones (Hrsg.): Eustathios of Thessaloniki. The Capture of Thessaloniki (= Byzantina Australiensia. Band 8). Canberra 1988 (englische Übersetzung mit Einleitung und Kommentar).

De Emendanda Vita Monachica

  • Karin Metzler: Eustathios von Thessalonike und das Mönchtum: Untersuchungen und Kommentar zur Schrift "De Emendanda Vita Monachica". Walter de Gruyter, Berlin und New York 2006 (Supplementa Byzantina. Texte und Untersuchungen).

Briefe

  • Foteini Kolovou: Die Briefe des Eustathios von Thessalonike. Einleitung, Regesten, Text, Indizes. K. G. Saur, München/Leipzig 2006.

Sonstige Werke

  • Peter Wirth (Hrsg.): Eustathii Thessalonicensis Opera minora. Magnam partem inedita (= Corpus Fontium Historiae Byzantinae. Series Berolinensis, Band 32). Walter de Gruyter, Berlin/New York 2000.
  • Silvia Ronchey, Paolo Cesaretti (Hrsg.): Eustathii Thessalonicensis Exegesis in canonem iambicum pentecostalem (= Supplementa Byzantina. Band 10). Walter de Gruyter, Berlin/New York 2013.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Oxford Dictionary of Byzantium, Band 2 (1991), S. 754.
  2. Für 1195/96: Oxford Dictionary of Byzantium, Band 2 (1991), S. 754. Für 1195/98: Lexikon des Mittelalters. Band 4, Sp. 114.