Fürstlicher Park Inzigkofen

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Der Fürstliche Park Inzigkofen, auch Fürstliche Anlagen Inzigkofen genannt, ist ein Landschaftsgarten aus der Romantik mit kulturhistorisch bedeutsamer Gartenarchitektur. Der Park wurde 1811 bis 1829 in der heute baden-württembergischen Gemeinde Inzigkofen, westlich der hohenzollerischen Kreisstadt Sigmaringen, zu beiden Seiten der Donau angelegt.[1] Veranlasst hatte dies Fürstin Amalie Zephyrine, die auch „Prinzessin von Paris“ und „Retterin des Hauses Hohenzollern“ genannt wurde. Das 25 Hektar große Parkgelände ist im Besitz des Fürstenhauses Hohenzollern und wird seit Jahren in ehrenamtlicher Arbeit durch die Mitglieder der Ortsgruppe Inzigkofen des Schwäbischen Albvereins betreut.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amalienfelsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Amalienfelsen unterhalb des Parks

Der 28,6 Meter über dem Wasserspiegel der Donau aufragende Felsen erinnert mit den großen Eisenlettern „Andenken an Amalie Zephyrine 1841“ sowie dem Allianzwappen der Fürstenhäuser Hohenzollern-Sigmaringen und Salm-Kyrburg an die Schöpferin des Inzigkofer Landschaftsparks, die Sigmaringer Fürstin Amalie Zephyrine (1760–1841), eine geborene Prinzessin von Salm-Kyrburg, und ihren Ehemann Fürst Anton Aloys von Hohenzollern-Sigmaringen (1762–1831). Mit der romantischen Felspartie verbindet sich die Sage, dass sich Amalie Zephyrine von hier auf einem Schimmel aus Liebeskummer in die Fluten der Donau gestürzt habe. Tatsächlich starb sie am 17. Oktober 1841 im für damalige Zeiten hohen Alter von 81 Jahren in dem für sie nach dem Wegzug aus Inzigkofen errichteten „Schlössle“ am Leopoldsplatz Sigmaringen.[2]

Panoramablick und Lindenallee auf dem Amalienfelsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An den steil über die Donau aufragenden Amalienfelsen schließt sich ein etwa zwei Hektar großer sanft nach Südosten abfallender Höhenzug an. Der Zugang zu dieser Anhöhe ist wahlweise über einen in weitem Bogen verlaufenden, moderat ansteigenden Spaziergang längs des Südhangs oder aber auch durch eine steile Felspartie auf der Südwestseite möglich. Besondere Attraktionen auf der Anhöhe sind die herrliche, über den gesamten vorderen Park und zur Eremitage reichende Panoramablick von der steilen Hangkante des Amalienfelsens hoch über der Donau und zum anderen die langgezogene Lindenallee auf der Kuppe des Höhenzugs, die beim Abstieg den Blick exakt auf den Turm der Wallfahrtskirche St. Peter und Paul in Laiz frei gibt. Im Gegensatz zur heutigen Verbuschung stand die Lindenallee ursprünglich gänzlich frei, und nur die steileren Hangpartien waren mit Gehölzgruppen bepflanzt.[2]

Denkmal für Fürst Friedrich III. von Salm-Kyrburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das auf einem 4,5 Meter hohen Jurakalk-Felsen am östlichen Rande der fürstlichen Anlagen errichtete schlichte Sandstein-Denkmal erinnert an den Lieblingsbruder von Fürstin Amalie Zephyrine, Fürst Friedrich III. von Salm-Kyrburg (1745–1794), der in der Französischen Revolution am 23. Juli 1794 in Paris guillotiniert wurde. Amalie Zephyrine hielt ihm über seinen Tod hinaus die Treue und errichtete zunächst in Paris und sodann in den 1820er Jahren im Inzigkofer Park sehr persönliche Stätten des Gedenkens und der Trauer. Vom mit Ziersträuchern und Bäumen bepflanzten und mit einer Ruhebank ausgestatteten Denkmalhügel eröffnet sich der Blick auf die Kirche von Laiz und das Schloss Sigmaringen. Das Denkmal wurde nach seinem Abgang nach älteren Beschreibungen und Zeitzeugenerinnerungen 1998 rekonstruiert.[2]

Bootslände und Donausteg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kolorierte Postkarte aus dem Jahr 1905 zeigt den Amalienfelsen mit Inschrift und Wappen und die jenseits der Donau gelegene Eremitage mit der Meinradskapelle.

Die Donau ist der zentrale Bezugspunkt der Inzigkofer Anlagen, die sich zu beiden Seiten des Flusses erstrecken. Markiert durch eine hoch aufragende Schiffssäule und Ruhebänke bestand zwischen Süd- und Nordufer an der hier besonders breiten Flusspartie im 19. Jahrhundert eine durch ein Seil gesicherte Fährverbindung, die zusammen mit auf Bild- und Fotomotiven häufig wiedergegebenen Booten die besondere Attraktion des Übersetzens bot. 1940 errichtete eine in Inzigkofen einquartierte Pioniereinheit der Wehrmacht einen hölzernen Steg über die Donau, der bis zu seiner Zerstörung durch ein Hochwasser 1953 von den Parkbesuchern viel begangen wurde. Holzpfähle im Donauwasser erinnern bis heute an diese verloren gegangene Verbindung zwischen den beiden Ufern des Parks.[2]

Hängebrücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Firma aus der Schweiz errichtete 2019 eine neue Hängebrücke für Fußgänger über die Donau.[3]

Aussichtspunkt zu Felsen und Donauauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Anstieg von der Bootslände entlang des Steilhangs auf der rechten Donauseite bis zur Teufelsbrücke und darüber hinaus bis auf die Hochebene führt über aufwendig errichtete und zu unterhaltende Wanderwege mit einer Vielzahl von Stufen, durch mit Geländer gesicherte Felspartien, über kühne Treppenkonstruktionen sowie auf Stützmauern ruhenden Wegstücken, wobei als Baumaterial in früheren Zeiten Kalktuff, heutzutage dagegen mitunter Beton verwendet wird. Immer wieder bieten sich unvermittelt herrliche Ausblicke auf die Eremitage, die tief unten vorbeiströmende Donau, auf den Nickhof, auf die Wiesen und Auen entlang des Flusses, auf die umgebenden Felsformationen im Durchbruchstal der Donau. Bänke laden zum Verweilen, zum Ausruhen nach dem schweißtreibenden Anstieg, zum Genießen der abwechslungsreichen Aussicht ein.[2]

Teufelsbrücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Teufelsbrücke“ über die „Höll“-Schlucht

Eine der markantesten Sehenswürdigkeiten in den Fürstlichen Anlagen ist die Teufelsbrücke, die eine Länge von 21,5 Metern eine wildromantische Schlucht, die 19,5 Meter tiefe „Höll“, überquert. Die bei der Erweiterung des Parks nach Westen 1843 konstruierte Holzbrücke wurde 1895 durch eine elegant geschwungene Betonkonstruktion mit auf- und absteigenden Treppen ersetzt. Die Brücke, deren Benennung wohl auf die Schweiz-Begeisterung der Romantik zurückgeht und von der echten Teufelsbrücke beim Gotthardpass abgeleitet ist, wird alsbald mit einer Sage ausgeschmückt, wonach der Baumeister den ihm bei der Brückenkonstruktion hilfreichen Teufel bei der Einforderung des „Lohns“ zu überlisten vermochte. Nach dem Passieren der Brücke verlässt man die Schlucht durch einen vier Meter langen, künstlichen Felstunnel. Die unterhalb der Brücke liegende „Höll“ war in den frühen Tagen durch eine abenteuerliche Treppen- und Steganlage, die „Himmelsleiter“, begehbar.[2]

Känzele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein besonders schöner Panoramablick bietet sich vom „Känzele“, dem Scheitel eines imposanten Felsvorsprungs in schwindelnder Höhe über der Donau, die hier träge mäandrierend durch ein weites, liebliches Wiesental, die Degernau, fließt. Bei Hochwasser, zumal nach der Schneeschmelze im Frühjahr, verwandelt sich die Talaue in eine Seenlandschaft. Der Ausblick reicht weit über die Degernau hinweg auf bewaldete Hänge und Anhöhen bis zur Ruine Gebrochen Gutenstein, dem kegelförmigen, mit Buchen bestandenen Tiergärtle und ganz am Horizont bis zum Lenzenfelsen (790 m ü. NN) auf halber Strecke nach Beuron. Die Westausrichtung des mit Geländern abgesicherten Aussichtsfelsens lässt zumal den Sonnenuntergang zu einem besonderen Erlebnis werden und bietet damit eine romantische Naturbegegnung wie sie in den Landschaftsgärten des 18. und 19. Jahrhunderts vielfach befördert wurde.[2]

Grotten und Felsentor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die prähistorische „Nebelhöhle“ im Steilufer zur Donau

Der romantischen Partie des Parks sind die Inzigkofer Grotten, die Felsüberhänge und ein gewaltiges Felsentor zuzurechnen, die der Wanderer auf einem Treppenweg beim steilen Abstieg vom Känzele erreicht. Besonders imposant ist die Nebelhöhle, eine mehr als fünf Meter hohe und über zehn Meter tiefe Felsengrotte, die während der Nutzung Inzigkofens als Sommersitz durch Erbprinz Karl Anton und seine junge Familie in den 1840er Jahren mit Tischen und Holzbänken möbliert und mit altertümlichen hölzernen Waffen entlang den Felswänden ausstaffiert war. Zum Abschluss von Jagden wurde hier die Strecke, das erlegte Wild, aufgereiht und „verblasen“. Die malerischen Felsformationen sind Auswaschungen von Massenkalken, die aus Schwammriffen im tropisch-warmen Weißjurameer vor ca. 150 Millionen Jahren organisch entstanden sind. Die Auswaschungen und die gesamte Tallandschaft wurden dabei von der Schmeie ausgeformt, deren Bett die Donau nach der Risseiszeit hier übernommen hat.[2]

Felsdach Inzigkofen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei archäologischen Untersuchungen im unterhalb des Nickhofs gelegenen Felsdach Inzigkofen 1938 durch Eduard Peters und 1965 durch Wolfgang Taute konnte eine ca. ein Meter mächtige Fundschicht entdeckt und teilweise ausgegraben werden. Es fanden sich typisch mittelsteinzeitliche (ca. 8000–5500 v. Chr.) Artefakte wie Hirschgeweihharpunen und Steingeräte (Mikrolithen). Die Jungsteinzeit (ca. 5500–2000 v. Chr.) und die Bronzezeit (ca. 2000–800 v. Chr.) konnten durch Funde von Tierknochen, Fischresten, Geweih- und Steinartefakten belegt werden. Es fanden sich sogar einzelne Knochen und Zähne menschlichen Ursprungs. Mächtige Brandschichten weisen auf das Vorhandensein von Lagerfeuern hin. Das Felsdach war kein ganzjährig genutzter Wohnplatz, sondern ein saisonal aufgesuchter Lagerplatz für die Jagd und den Fischfang im Donautal.[2]

Meinradskapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine herrschaftliche Gründung ist die auf dem höchsten Punkt der Eremitage im Fürstlichen Park stehende Kapelle St. Meinrad. Sie stammt aus dem Jahr 1840 und ist mit einer Kreuzigungsgruppe, das heißt vier Gemälden aus Öl auf Kupfer, ausgestattet. 1947 wurde die alte Kapelle durch ein Feuer zerstört und 1948 wieder aufgebaut. Seit dieser Zeit gibt es dort ein Gedenken an die Schlacht von Stalingrad mit großen Gedenkfeiern in den 1960er Jahren.[4] Bei Ausschreitungen, die sich im Zusammenhang mit dem für den 12. April 1987 geplanten Landesparteitag der NPD in Sigmaringen ereigneten, wurde dieser aus seiner Verankerung gerissen.[5]

Ausblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teile siehe dazu u. a. [1] scheinen seit 2008 nicht mehr aktuell zu sein.
Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

2008 entwickelte die Diplom-Forstwirtin Anna Katharina Glaum[6] konkrete Vorschläge für die Weiterentwicklung des Parks im Ausgleich der Interessen von Denkmalpflege[7], Naturschutz und Forstwirtschaft. Ihr besonderes Augenmerk gilt der Wiederherstellung einer Donauquerung, die den Fluss zur Nahtstelle des Parks und die „Eremitage“ zu einem zentralen Bestandteil des Landschaftsgartens machen könnte.[8]

Einen Holzsteg, 1940 von einer Pioniereinheit oberhalb des Amalienfelsens gebaut, riss am 27. Juni 1953 ein Hochwasser weg. Ein neuer Steg oder eine Brücke würde vor allem das linke Donauufer gegenüber dem Amalienfelsen besser an den Gesamtpark anbinden. Hier steht unter anderem die Eremitage und das frühere „Fürstenhäusle“, die heutige Meinradskapelle. Dieser Teil des Parks ist heute verwildert. Eine bessere Bewertung bekam der Park rechts der Donau mit dem Amalienfelsen und seiner Allee, der Steinwiese, der Teufelsbrücke und im hinteren Park mit dem Aussichtspunkt Känzele und den Grotten. Diese 1841 von Amalies Enkel Erbprinz Karl Anton veranlasste Erweiterung und der Erwerb des Nickhofes brachte dem Park eine Vergrößerung mit weiteren Naturschönheiten. Hier sollten Sichtachsen geschaffen werden, um von der gegenüberliegenden Donauseite freien Blick bis zum Schloss Sigmaringen zu bekommen.[9] Die Möglichkeit der Eintragung in das Denkmalbuch ist denkbar.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartmann Reim: Beim Teehaus von Amalie Zephyrine – Archäologische Ausgrabungen im Fürstlichen Park in Inzigkofen, Kreis Sigmaringen. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 36. Jg. 2007, Heft 1, S. 42–47 (PDF)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fürstlicher Park Inzigkofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zum Inzigkofer Park. In: Wanderbar …die schönsten Routen. Erlebnis Kreis Sigmaringen. Landratsamt Sigmaringen, Druckerei Schönebeck, Meßkirch 2004. S. 11–13.
  2. a b c d e f g h i Hinweistafeln Fürstliche Anlagen Inzigkofen von der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern, Gemeinde Inzigkofen, Naturpark Obere Donau und Schwäbischer Albverein
  3. Hängebrücke
  4. Meinradkapelle
  5. Otto H.Becker: Hohenzollerische Heimat. Vierteljahresblätter für Schule und Haus. Hrsg.: Verein für Geschichte, Kultur- und Landeskunde in Hohenzollern in Verbindung mit der hohenzollerischen Lehrerschaft. Nr. 2. Inzigkofen 1998, S. 61.
  6. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der Universität Freiburg hatte sie sich mit Vergangenheit und Gegenwart des fürstlichen Parks beschäftigt
  7. Die Möglichkeit der Eintragung in das Denkmalbuch wurde erörtert.
  8. Konzept für Fürsten-Park. Vortrag von Forstwirtin. In: Südkurier vom 6. November 2008
  9. Winfried Köpfer (wik): Inzigkofer Park. Neue Struktur schafft Juwel der Gartenkunst. In: Schwäbische Zeitung vom 11. November 2008
  10. Winfried Köpfer (wik): Konzept für die Zukunft des fürstlichen Parks. 30 Interessierte bei Vortrag der Diplom-Forstwirtin Anna Katharina Glaum - Erste Maßnahme wäre eine Querung über die Donau. In: Südkurier vom 13. November 2008

Koordinaten: 48° 4′ 35,5″ N, 9° 10′ 43,4″ O