Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe

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Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe
(FNR)
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Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 1993
Sitz Gülzow (Landkreis Rostock)
Zweck Forschungsförderung im Bereich nachwachsender Rohstoffe
Vorsitz Eva Ursula Müller
Geschäftsführung Andreas Schütte
Beschäftigte 114 (Juni 2020)[1]
Website www.fnr.de
Sitz der FNR in Gülzow

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) wurde 1993 auf Initiative der Bundesregierung mit der Maßgabe ins Leben gerufen, Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprojekte im Bereich nachwachsender Rohstoffe (abgekürzt Nawaro oder NR) zu fördern. Als Projektträger untersteht sie dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Grundlage für die Förderung ist das im Mai 2015 veröffentlichte Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“ des Ministeriums.

Zur Umsetzung des Programms stehen aus dem Bundeshaushalt 2021 knapp 90 Mio. Euro zur Verfügung. Weitere 30 Mio. Euro verwaltet die FNR in 2021 für Forschung und Entwicklung aus dem „Waldklimafonds“.[2] Der Waldklimafonds ist Programmbestandteil des Sondervermögens Energie- und Klimafonds (EKF) und wurde unter gemeinsamer Federführung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und des BMEL errichtet.[3] Für klimawirksame Maßnahmen zum Schutz von Moorböden sowie zur Minderung des Einsatzes von Torf stellt das BMEL aus dem EKF in 2021 weitere 55 Mio. € zur Verfügung. Die FNR ist als Projektträger des BMEL beauftragt, die Förderung entsprechender Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, aber auch von Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Torfersatz im Hobby- und Friedhofsgartenbau sowie zum Moorbodenschutz zu betreuen.[2] Bis Ende 2021 ist die Fachagentur außerdem für die Auszahlung der Nachhaltigkeitsprämie Wald zuständig. Die Bundesregierung stellt im Rahmen des Konjunktur- und Zukunftspakets, das zur Stärkung der durch die Corona-Krise schwer getroffenen Wirtschaft dienen soll, 500 Millionen Euro für den Erhalt und die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder in Form dieser flächenwirksamen Prämie zur Verfügung.[4]

Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“ gibt die Rahmenbedingungen zur Förderung von Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsvorhaben zu nachwachsenden Rohstoffen durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vor. Es orientiert sich an den Zielen und Leitgedanken der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie und der Politikstrategie Bioökonomie sowie an weiteren Strategien und Programmen wie dem Energieforschungsprogramm, der Waldstrategie 2020 und der Forschungsstrategie Bioökonomie 2030 sowie dem Deutschen Ressourceneffizienzprogramm.

Das Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“ soll die Weiterentwicklung der nachhaltigen Bioökonomie unterstützen und neue Chancen und Perspektiven für den Industriestandort Deutschland und für die Entwicklung der ländlichen Räume eröffnen. Es unterstützt zum einen die Entwicklung innovativer, international wettbewerbsfähiger biobasierter Produkte sowie Verfahren und Technologien zu deren Herstellung und zum anderen die Entwicklung von Konzepten, die auf die Verbesserung der Nachhaltigkeit der biobasierten Wirtschaft ausgerichtet sind und die gesellschaftlichen Erwartungen berücksichtigen.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die FNR ist ein eingetragener Verein mit dem laut Satzung vorgesehenen Zweck, einen wirksamen und kontinuierlichen Beitrag für die Entwicklung und den Einsatz nachwachsender Rohstoffe insbesondere unter Berücksichtigung von Nutzungskonkurrenzen, direkten und indirekten Flächeneffekten, Biomassekonversionen sowie von partiellen und übergreifenden Nachhaltigkeitskonzepten zu leisten.

Die Organe der FNR sind:

  • die Mitgliederversammlung, bestehend aus bis zu 7 stimmberechtigten Mitgliedern, die dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) oder dessen Geschäftsbereich angehören, sowie Fördermitglieder, die die Arbeit der FNR beratend unterstützen,
  • der Vorstand,
  • der fachliche Beirat und der Vorstand des fachlichen Beirats, die ebenfalls beratend tätig sind, sowie
  • die zur Geschäftsführung bestellte Person.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Förderung von Forschung und Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptaufgabe der FNR ist die Unterstützung der angewandten Forschung und Entwicklung im Bereich der nachhaltigen Erzeugung und Nutzung nachwachsender Ressourcen. Ziel ist es, vielversprechende Verfahren und Produkte zur Marktreife weiterzuentwickeln. Pro Jahr betreut die FNR mehrere hundert laufende Vorhaben.

Information und Öffentlichkeitsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die FNR ist erste Anlaufstelle für das Thema nachwachsende Rohstoffe. Neben der Fachinformation spielt die Aufklärung und Beratung der Öffentlichkeit eine wichtige Rolle. Dazu betreut die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe eine Reihe von Themenportalen, die über die Nutzung nachwachsender Rohstoffe informieren. Zusätzlich steht in der Mediathek der FNR eine Vielzahl an Informationsmaterial zu nachwachsenden Rohstoffen bereit. Regelmäßige Veranstaltungen sowie die Beteiligung an Fach- und Verbrauchermessen runden das Tätigkeitsspektrum ab.

EU und Internationales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusätzlich zur Beteiligung an EU geförderten Projekten engagiert sich die FNR in europäischen und internationalen Gremien und Arbeitsgruppen, um gemeinsame Strategien für eine nachhaltige Nutzung von Biomasse unter Einsatz innovativer und effizienter Technologien zu erarbeiten.

Bedeutung nachwachsender Rohstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die fossilen Ressourcen wie Kohle, Erdöl und Erdgas werden weltweit immer knapper. In dieser Situation ist Deutschland wie viele andere Industrieländer zunehmend auf alternative Rohstoffquellen angewiesen. Nachwachsende Rohstoffe, das heißt land- und forstwirtschaftliche Rohstoffe pflanzlichen und tierischen Ursprungs, die stofflich oder energetisch genutzt werden, leisten hier einen wichtigen Beitrag. Sie können nicht nur zur Versorgungssicherheit, sondern auch zum Klimaschutz beitragen.

Wirtschaftsfaktor nachwachsende Rohstoffe

Der Anbau und die lokale und regionale Nutzung nachwachsender Rohstoffe fördern Wachstum, Wertschöpfung und neue Arbeitsplätze, vor allem im ländlichen Raum. Sie ermöglichen wirtschaftliche und gesellschaftliche Teilhabe und führen so zu einer Steigerung der Lebensqualität für die Menschen vor Ort. Auch im industriellen Bereich, etwa in der chemischen Industrie, werden nachwachsende Rohstoffe zunehmend eingesetzt und tragen auch hier zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen bei.

Kompetenz- und Informationszentrum Wald und Holz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kompetenz- und Informationszentrum Wald und Holz (KIWUH) ist eine Organisationseinheit innerhalb der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe. Es arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und bündelt Aktivitäten rund um die Bereiche Wald und Holz. Hauptaufgaben des Zentrums sind die Unterstützung von Forschung und Entwicklung zu den Themenbereichen Wald und Holz, die Aufbereitung und Bereitstellung von Fachinformationen aus aktuellen Forschungsergebnissen sowie Bereitstellung von Bürger- und Verbraucherinformationen.[5][6]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit einem einzigartigen Pilotprojekt konnte die FNR gemeinsam mit dem Wikimedia Deutschland und dem nova-Institut von 2007 bis 2010 das erste staatlich geförderte Projekt innerhalb der Wikipedia zum Aufbau des Themenbereich Nachwachsende Rohstoffe durchführen.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (Hrsg.): Informationen zur Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe Flyer, 12. Aufl. 2019 online
  • Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (Hrsg.): Nachwachsende Rohstoffe – Natürliche Alternativen Broschüre, 1. Aufl. 2018 online
  • Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (Hrsg.): 20 Jahre Nachwachsende Rohstoffe online zum 20-jährigen Bestehen, 2013.
  • Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (Hrsg.): Tolle Ideen – Nachwachsende Rohstoffe auf dem Weg zum Markt Broschüre, 1. Aufl. 2011 online

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Jahresbericht der FNR 2019/2020" S. 12
  2. a b FNR-Projektförderung. Abgerufen am 20. Januar 2021.
  3. Jahresbericht 2018/2019 Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. 2019, S. 15, 30 (fnr.de).
  4. Nachaltigkeitsprämie Wald – Hintergrund – Kritische Waldsituation. Abgerufen am 10. Januar 2021.
  5. Kompetenz- und Informationszentrum Wald und Holz (KIWUH). In: https://www.fnr.de/. Abgerufen am 7. Oktober 2019.
  6. Kompetenzzentrum für Wald und Holz: BMEL stärkt die ländlichen Räume. In: https://www.bmel.de/. 7. Juni 2018, abgerufen am 7. Oktober 2019.
  7. FNR: Abschlussbericht (PDF; 830 kB) für das Projekt „Nachwachsende Rohstoffe im Wikipedia-Online-Lexikon“