Fedajin

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Der arabische Ausdruck Fedajin (von arabisch الفدائي al-fidāʾī ‚der sich Opfernde‘, Plural الفدائيون al-fidāʾiyyūn bzw. الفدائيين al-fidāʾiyyīn) bezeichnet grundsätzlich Angehörige religiöser oder politischer Gruppierungen, die bereit sind, ihr Leben füreinander oder ihre Sache zu opfern.[1]

Das Wort wurde in seiner ursprünglichen Form von den Assassinen geprägt, welche bei ihren Mordanschlägen den eigenen Tod meist billigend in Kauf nahmen.

Nahost nach 1948[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende des ersten israelisch-arabischen Krieges 1948/49 waren viele arabische Einwohner Palästinas in die Nachbarländer geflohen. Schätzungen ihrer Zahl belaufen sich auf rund 750.000 bis 800.000.[2][3][4][5] Zumeist wurden Zivilisten von arabischen Truppen aufgefordert, ihre Wohnorte zu verlassen; eine Minderheit wurde von israelischen Truppen vertrieben. Die Mehrheit flüchtete aus Angst vor dem Krieg.[6] Die arabischen Flüchtlinge lebten in Flüchtlingslagern in Jordanien, Syrien, dem Libanon und Ägypten. Es fanden sich kleine Gruppen zusammen, die sich unter den Flüchtlingen in den Lagern versteckten und terroristische Anschläge jenseits der Grenze Israels verübten. Ägypten bildete diese „Fedajin“ aus und bewaffnete sie. Erst ab 1953 schlug Israel mit Vergeltungsakten zurück. 1956 waren die Fedajin in der Suezkrise für Israel ein Grund, um die Sinai-Halbinsel zu besetzen und ihre Stützpunkte in Ägypten auszuschalten.[7]

11 Jahre später, nach dem Sechstagekrieg 1967, begannen die Fedajin, Israel auch außerhalb des Nahen Ostens zu bekämpfen. Die palästinensischen Terroristen wurden von vielen linken Gruppen im Westen als Vorkämpfer der internationalen Weltrevolution angesehen und entsprechend idealisiert. Die große Zahl freiwilliger Kämpfer wurde schon bald nicht nur für Israel, sondern auch für die arabischen Nationalstaaten eine Bedrohung, in denen sich die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) niederließ. Während des Schwarzen Septembers 1970 wurde die PLO aus Jordanien vertrieben, worauf viele der Fedajin in den Libanon gingen. Dort beeinflussten sie das labile Kräftegleichgewicht des multiethnischen Landes und wurden teils als maßgeblicher Faktor beim Ausbruch des libanesischen Bürgerkriegs gesehen.[8]

Irak[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daneben nannte auch Saddam Hussein seine Leibgarden Fedajin (siehe auch: Saddam-Fedajin).

Iran[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fedajin-e Islam, eine iranische Organisation, waren seit ihrer Gründung im Jahre 1948 durch Ayatollah Abol-Ghasem Kashani in verschiedene Attentate verwickelt, so z. B. gegen Premierminister Ali Razmara und Premierminister Hossein Ala. Während der islamischen Revolution wurde diese „inoffizielle“ Organisation zeitweise von Ayatollah Sadegh Khalkali geführt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Encyclopaedia of Islam. New Edition s.v. FIDĀʾĪ
  2. Benny Morris: 1948 – A History of the First Arab-Israeli War. New Haven 2008, S. 407–415, S. 77, S. 159 f.
  3. Rashid Khalidi: The Palestinians and 1948: the underlying causes of failure. In: Eugene L. Rodan, Avi Shlaim (Hrsg.): The War for Palestine. Cambridge 20072, S. 12 ff.
  4. Nadine Picaudou: The Historiography of the 1948 Wars. In: Jacques Semelin: Online Encyclopedia of Mass Violence. 2008, S. 2–14.
  5. Bruce Hoffman: Terrorismus – der unerklärte Krieg: neue Gefahren politischer Gewalt. Frankfurt 2006, ISBN 3-10-033010-2, S. 113.
  6. Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited, 2. Auflage, Cambridge 2004, S. 89 f.
  7. Bruce Hoffman: Terrorismus – der unerklärte Krieg: neue Gefahren politischer Gewalt. Frankfurt 2006, ISBN 3-10-033010-2, S. 113 ff.
  8. Sabine Damir-Geilsdorf (2004): Krieg im Namen des Islam? Aushandlungen und Transformationen religiöser Konzepte am Beispiel der islamischen „Märtyreraktionen“ im Palästinakonflikt.