Feierabendhaus Knapsack

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Feierabendhaus im Chemiepark Knapsack

Das Feierabendhaus Knapsack ist ein Veranstaltungsgebäude im Industriestandort Chemiepark Knapsack im nordrheinischen Hürth-Knapsack. Es wurde 1957 von dem Kölner Architekten Karl Hell erbaut. Seit 1988 steht das Gebäude unter Denkmalschutz, 1996 erfolgte die Einstufung als erhaltenswertes Kulturgut durch das Land Nordrhein-Westfalen. Nach dem hohen und hellen Foyer betritt man den 700 m² großen Saal mit einer Bühne von 140 m², darin befinden sich bis zu 1.000 Sitzplätze für die Zuschauer.[1]

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baumodell: Dorton Arena in Raleigh
Feierabendhaus im Abendlicht
Einfahrt Knapsack 1969; Feierabendhaus und Phosphorfackeln.
Blick über das Feierabendhaus auf das Werk Knapsack der Hoechst AG, 1960er-Jahre

Das Feierabendhaus wurde 1957 zum 50-jährigen Bestehen des Chemiestandorts Knapsack im Auftrag der 1951 gegründeten Knapsack-Griesheim Aktiengesellschaft gebaut und aus den Gewinnen der damals sehr gut laufenden Phosphorbetriebe finanziert. Für die Errichtung wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, den der Kölner Architekt Karl Hell (1908–1999) für sich entscheiden konnte. Die Planungen für den Bau begannen 1955, das Gebäude sollte im Bereich der Zufahrten zu den Werksanlagen und des Verwaltungsgebäudes erbaut werden. Obwohl die werkseigene Bauabteilung den Entwurf wegen der gewagten Baukonstruktion erst ablehnte, setze sich der Architekt durch und konnte das Feierabendhaus in der von ihm gewünschten Weise bauen lassen.

Hell entwickelte eine Konstruktion aus zwei paraboloiden Randbögen, die ein Hängedach stützen. Das Gebäude braucht daher keine weiteren Innen- und Außenstützen. Das Dach besteht aus einem Netz mit vorgespannten Stahlkabeln,[2] in das Stahlbetonfertigteile eingehängt und die Fugen mit Leichtbeton verfüllt wurden.[3] Die gitterförmige Fassade der Außenwand wurde großzügig mit Glasflächen ausgefacht, wodurch das Gebäude einen sehr fragilen und leichten Eindruck macht. Als Vorbild diente dem Architekten eine Mehrzweckhalle, die Dorton Arena. Sie wurde 1951/52 in Raleigh, North Carolina, nach dem Entwurf von Maciej Nowicki gebaut.

Das Feierabendhaus Knapsack galt schon zur Zeit seiner Entstehung als herausragendes Beispiel für die Architektur der 1950er Jahre [4] und wurde 1988 unter Denkmalschutz gestellt. Darüber hinaus wurde es 1996 durch das Land Nordrhein-Westfalen als erhaltenswertes Kulturgut eingestuft. Aufgrund seines markanten Erscheinungsbildes wurde das Feierabendhaus Vorbild des Logos des Chemieparks Knapsack. Im Jahr 2004 wurde das Gebäude renoviert.

Bautyp[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Architekten und Bauingenieure übernahmen weitgehend das Modell der hyperbolischen Paraboloidschale der Dorton Arena (Sattelfläche), welche die Zugkraft der Hängebögen in den Erdboden führt, sodass von einem Bautyp gesprochen werden kann. Der Baustoff der Bedachung variiert zwischen Betonschale und Stahldecke. Dasselbe Konstruktionsprinzip findet sich unter anderem bei folgenden Gebäuden:

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Feierabendhaus dient vor allem als Veranstaltungsgebäude für Konzerte, Kongresse und Tagungen sowie für Ausstellungen und Fachmessen. Es besitzt zu diesem Zweck einen großen Saal mit einer geräumigen Bühne sowie diverse Nebenräume. Ausstellungen können im Foyer des Gebäudes installiert werden.

Außerdem ist das Feierabendhaus ein beliebter Drehort für Musikvideos, Fernsehserien und Spielfilme, so zum Beispiel für das Jugend-Drama „Für den unbekannten Hund“ oder das viel diskutierte ARD-Doku-DramaContergan“. Ebenso ist das Feierabendhaus zu sehen in der filmischen Adaption „Anleitung zum Unglücklichsein“ sowie als „Popstars-Akademie“ in der 11. Staffel der Castingshow Popstars.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neßeler, Helmut: Das Feierabendhaus – Perle der Architektur in Knapsack. In: InfraServ GmbH & Co. Knapsack KG (Hrsg.): 100 Jahre Chemiestandort Knapsack. 2007.
  • Kongresse, Kultur, Kulinarisches: ... tagen, feiern und genießen. Feierabendhaus Knapsack. Hürth 2005, Broschüre.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Feierabendhaus Knapsack – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auf ganz großem Parkett. In: feierabendhaus-knapsack.de, aufgerufen am 11. Juni 2016.
  2. Bild: Das Netz der Stahlkabel als sattelförmige Dachfläche. In: gkkg1935.de, aufgerufen am 11. Juni 2016.
  3. Bild: Vorgefertigte Betonsegmente werden in das Hängedach eingehängt. In: gkkg1935.de, aufgerufen am 11. Juni 2016.
  4. Wirtschaftswunder. 50er-Jahre-Feierabendhaus in Köln renoviert. In: BauNetz, 14. Januar 2004.
  5. Bâtiment J, auditoire Paul-Émile Janson et salle Van Buren. In: irismonument.be, aufgerufen am 11. Juni 2016.
  6. Bildergalerie: Športová hala Pasienky v Bratislave fotoalbum. In: asb.sk; Luftbild. In: ba.foxy.sk; Sport Hall Pasienky. In: bratislavaguide.com (englisch).
  7. Koichiro Ishikawa: Zimný štadión (Ice Stadium). In: University of Fukui, Aloss – Album of Spatial Structures, aufgerufen am 11. Juni 2016.
       Bildergalerie: Sedlová plocha (hyperbolický paraboloid). In: mdg.vsb.cz, aufgerufen am 11. Juni 2016.
  8. Koichiro Ishikawa: Sporthal Beverwijk. In: University of Fukui, Aloss – Album of Spatial Structures, aufgerufen am 11. Juni 2016.

Koordinaten: 50° 51′ 33″ N, 6° 51′ 4″ O