Flötenkrähenstar

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Flötenkrähenstar
Magpie.jpg

Flötenkrähenstar (Gymnorhina tibicen)

Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Schwalbenstarverwandte (Artamidae)
Unterfamilie: Würgerkrähen (Cracticinae)
Gattung: Gymnorhina
Art: Flötenkrähenstar
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Gymnorhina
G. R. Gray, 1840
Wissenschaftlicher Name der Art
Gymnorhina tibicen
(Latham, 1802)

Der Flötenkrähenstar (Gymnorhina tibicen), früher als Flötenvogel bezeichnet, ist eine in Australien häufige Singvogelart aus der Familie der Schwalbenstarverwandten (Artamidae). Die Art ist die einzige der Gattung Gymnorhina. Wegen seines schwarz-weißen Gefieders wird er in Anlehnung an die Elster (Pica pica) im Englischen Australian Magpie genannt.[1] Trotz des ähnlichen Aussehens sind Flötenkrähenstare jedoch nur entfernt mit den zu den Rabenvögeln gehörenden Elstern verwandt.[2] Weltweit bekannt wurde der Vogel durch Medienberichte über seine Angriffe auf Menschen. Sein Ruf erinnert an eine Flötenmelodie, daher der deutsche Name.

Der Flötenkrähenstar erreicht eine Körperlänge von rund 40 cm und hat ein grau-schwarzes Gefieder, das regional variieren kann (vier Unterarten). Die Füße sind schwarz, die Augen rotbraun.

Verbreitungsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flötenkrähenstar ist in ganz Australien und Tasmanien verbreitet. Er kommt auch in Neuseeland vor, wo er um 1860 vom Menschen eingeführt wurde. Obwohl er dort als invasive Spezies gilt und gelegentlich zu lokalen Problemen führt,[3] ist seine Ausbreitung aktuell nicht mit einer erheblichen Verdrängung heimischer Tierarten verbunden.[4]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flötenkrähenstar benötigt hohe Bäume (z. B. Eukalyptuswälder) als Nist- und Rastplatz sowie offene Flächen für die Nahrungssuche. Er ernährt sich äußerst vielseitig sowohl von pflanzlichen als auch von tierischen Quellen, hauptsächlich von Insekten und Kleingetier, auch Aas.

Flötenkrähenstare leben gesellig, gerne auch in der Nähe menschlicher Siedlungen. Neben revierbesitzenden Gruppen gibt es vagabundierende Gruppen ohne Revier. Treffen Gruppen aufeinander, kann es zu heftigen Kämpfen kommen. Der Flötenvogel brütet auf frei stehenden hohen Bäumen und zieht meist nur ein Junges groß. Für den Nestbau benutzt er neben Zweigen auch Haushaltsmaterialien (genau wie die sprichwörtlich „diebische“ Elster).

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Immaturer Flötenkrähenstar

Flötenkrähenstare können sehr zahm werden. Sie besitzen die Fähigkeit, Stimmen zu imitieren. Internationale Bekanntheit erlangte der Flötenkrähenstar durch Medienberichte über seine Attacken auf Menschen. Während der Brutsaison von August bis Oktober greift er in der Nähe seines Nestes vermeintliche Eindringlinge rücksichtslos an (swooping). Dies kann zu leichten Verletzungen führen, die Unaufmerksamkeiten können allerdings auch zu schweren Unfällen bis hin zu tödlichem Ausgang führen.[5][6] In bestimmten Gegenden müssen Kinder und Radfahrer während dieser Zeit Schutzhelme tragen, da der Flötenkrähenstar bevorzugt von hinten und ohne Vorwarnung die Kopfregion attackiert. Ob Blickkontakt mit den Vögeln sie einschüchtert oder einen Angriff wahrscheinlicher macht, ist umstritten; die Umweltbehörden von South Australia und New South Wales, zwei australische Bundesstaaten, geben zu dem Thema z. B. unterschiedliche Empfehlungen.[7][8] Oft empfohlene Taktiken zur Verwirrung der Vögel sind das Tragen einer Sonnenbrille auf dem Hinterkopf oder das Anbringen von Kabelbindern auf den Fahrradhelm,[9] wobei die Wirksamkeit dieser Strategien fragwürdig ist.[10]

Wappentier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flötenkrähenstar befindet sich auf der Flagge und dem Wappen des australischen Bundesstaats Südaustralien.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

International bekannt wurde ab 2015 ein junger Flötenkrähenstar, der als krankes Vogelküken in die australische Familie Bloom in Newport Beach (nördlich von Sydney) aufgenommen wurde und der Krankenschwester Sam Bloom, die nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist, wieder neuen Lebensmut gab. Über Social Media verbreiteten sich die Fotos und Berichte über den „Penguin“ getauften Vogel, der intensiv am Familienleben teilnahm, schnell weit über Australien hinaus. Das bereits 2016 auf Englisch veröffentlichte Buch mit dem Titel Penguin Bloom[11] erschien im Februar 2017 auch auf Deutsch.[12]

Der deutsche Komponist Gerhard von Keußler, der von 1932 bis 1935 in Australien lebte, legte seiner 1935 vollendeten Sinfonischen Fantasie Australia (Uraufführung: Berlin 1939) den Ruf des Flötenvogels als Leitmotiv zugrunde.[13]

Eine Bilderauswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Angaben in diesem Artikel stammen aus dem zugehörigen Wikipedia-Artikel in Englisch sowie den unten aufgeführten Weblinks
  2. Leo Joseph: It's beloved, but Australia's magpie is an international bird of mystery | Leo Joseph. In: The Guardian. 12. Dezember 2017, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 21. Oktober 2020]).
  3. Site led pest animals | Greater Wellington Regional Council. Abgerufen am 23. Oktober 2020.
  4. Australian magpie | New Zealand Birds Online. Abgerufen am 23. Oktober 2020.
  5. Boy killed trying to avoid magpie auf brisbanetimes.com.au, abgerufen am 17. September 2019.
  6. Cyclist dies while fleeing swooping magpie in Woonona auf abc.net.au, abgerufen am 17. September 2019.
  7. Everything you need to know about magpie swooping season. South Australia Department for Environment and Water, abgerufen am 19. Oktober 2020 (englisch).
  8. What can I do about aggressive birds swooping? NSW Department of Planning, Industry and Environment, abgerufen am 19. Oktober 2020 (englisch).
  9. Brett McNamara and Hannah Sparks: Magpie map: Find out where birds are swooping in the Yass Valley. 9. September 2019, abgerufen am 19. Oktober 2020 (englisch).
  10. Bill Bateman: Cable ties probably won't stop magpie attacks – here are a few things to try instead. Abgerufen am 19. Oktober 2020 (englisch).
  11. Penguin Bloom auf worldcat.org, abgerufen am 3. März 2017.
  12. Cameron Bloom, Bradley Trevor Greive: Penguin Bloom. Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete. Knaus, München 2017, ISBN 978-3-8135-0761-4.
  13. Manuel Krönung: Die Oratorien des Gerhard von Keußler (1874-1949). Musik mit "Ethos", Mainz 2010, S. 158.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Flötenvogel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien