Floor-fractured crater

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Mondkrater Atlas mit Bruchstrukturen (Clementine-Sonde)

Als Floor-fractured crater (deutsch Bruchbodenkrater, abgekürzt FFC) bezeichnet man in der Astrogeologie eine spezielle Oberflächenstruktur, bei der bei einem Einschlagkrater das Kraterinnere durch von unten aufdringendes Magma verändert wurde, wodurch rillen- und bruchartige Strukturen entstanden.

FFCs auf dem Mond[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die eigentümlichen Strukturen entsprechende Krater auf dem Mond wurden schon früh bemerkt. Ab den 1970er Jahren wurde die Theorie vertreten, dass FFCs durch vulkanische Aktivität modifizierte Einschlagkrater sind. In einem Artikel von 1976 klassifizierte der Geologe Peter H. Schultz die solche Strukturen aufweisenden Krater zunächst in 6 Klassen, untersuchte ihre räumliche Verteilung und Umgebung und erklärte die Entstehung der FFCs in Zusammenhang mit der Entstehung der Maria. Die von Schultz eingeführten Klassen sind:

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Klasse I
Relativ frisch erscheinende Impaktkrater mit terrassierten Wällen, Zentralberg und Ejektadecken, vom Typ her ähnlich Copernicus. Der Zentralberg ist entweder ein Ring einzelner Gipfel, halbmondförmig oder der Gipfel weist einen Einbruch auf. Der Kraterboden ist eben und weist Rillen auf, die radial vom Zentralberg nach außen verlaufen, oder ein System polygonaler Rillen. Beispiele sind Atlas, Einstein A, Schlüter, Cardanius, Petavius, Humboldt und Lavoisier E
Klasse II
Kleinere Krater als Klasse I mit ebenen Hügeln im Inneren, oft als eingesunkene alte Wallstrukturen erkennbar, durchbrochen von radial verlaufenden Rillen oder einer polygonalen Bruchzone umgeben von konzentrischen Rillen. Zentralberge sind seltener und weniger ausgeprägt als in Klasse I, auch zentrale Einsenkungen kommen vor. Der Kraterrand weist eine ausgeprägte Steilstufe auf. Beispiele sind Encke, Davy, Briggs und Vitello.
Klasse III
Krater dieser Klasse weisen eine relativ breite Einsenkung an der Innenseite des Kraterrands auf. Die Einsenkung bildet meist keinen geschlossenen Ring und ist am besten ausgeprägt in Richtung auf ein benachbartes Mare. Innerhalb der Einsenkung ist der Kraterboden flach, die Grenze zwischen der Einsenkung und dem flachen Inneren kann auch als Erhebung ausgeprägt sein wie bei Haldane. Das Innere weist meist polygonale Brüche auf, die am Rand der Einsenkung enden. Weitere Beispiele für diese Klasse sind Gassendi, Posidonius, Doppelmayer, Lavoisier, Runge und Warner.
Klasse IV
Klasse V
Klasse VI

FFCs auf terrestrischen Planeten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inzwischen wurden FFCs nicht nur auf dem Mond, sondern auch auf dem Mars identifiziert. Auf dem Merkur konnten noch keine sicheren Identifizierungen gemacht werden. Auf Venus und Erde sind wegen der intensiven geologischen Umgestaltungen wenig entsprechende Strukturen zu erwarten.[1] Immerhin werden in dem Manicouagan-Krater in Kanada[2] und im Sudbury-Becken in Kanada[3] Strukturen eines FFCs gesehen. Man geht mittlerweile davon aus, dass die Entstehung von FFCs allgemein zur Frühphase terrestrischer Planeten gehört, in der es einerseits zahlreiche aktive magmatische Großprovinzen gibt und andererseits Impakte großer Körper noch häufig sind.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

chronologisch absteigend geordnet

  • J. Korteniemi, M. Aittola, T. Öhman, J. Raitala: Floor-fractured craters on the terrestrial planets – the Martian perspective. 40th ESLAB, First International Conference on Impact Cratering in the Solar System, Proceedings. ESA Special Publication SP-612 2006, S. 193–198, PDF
  • Andrew J. Dombard, Jeffery J. Gillis: Testing the viability of topographic relaxation as a mechanism for the formation of lunar floor-fractured craters. In: Journal of Geophysical Research. Bd. 106 (2001), Ausg. E11, S. 27901–27910, bibcode:2001JGR...10627901D
  • R. W.Wichman, P. H. Schultz: Floor-fractured craters in Mare Smythii and west of Oceanus Procellarum: Implications of Crater Modification by Viscous Relaxation and Igneous Intrusion Models. In: Journal of Geophysical Research Bd. 100 (1995), Ausg. E10, S. 21201–21218, bibcode:1995JGR...10021201W
  • J. L. Hall, S. C. Solomon, J. W. Head: Lunar Floor-Fractured Craters: Evidence for Viscous Relaxation of Crater Topography. In: Lunar And Planetary Science XII (1981), S. 389–391, bibcode:1981LPI....12..389H
  • P. H. Schultz: Floor-fractured lunar craters. In: The Moon. Bd. 15 (1976), S. 241–273, bibcode:1976Moon...15..241S

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Korteniemi, et al.: Floor-fractured craters. 2006, S. 196
  2. D. L. Orphal, P. H. Schultz: An alternative model for the Manicouagan impact structure. In: 9th Lunar and Planetary Science Conference, Houston, Tex., March 13-17, 1978, Proceedings. Bd. 2, S. 2695–2712, bibcode:1978LPSC....9.2695O
  3. R. W. Wichman, P. H. Schultz: Floor-fractured crater models of the Sudbury Structure, Canada - Implications for initial crater size and crater modification. In: Meteoritics Bd. 28 (1993), Nr. 2, S. 222–231, bibcode:1993Metic..28..222W
  4. Korteniemi, et al.: Floor-fractured craters. 2006, S. 193