Florilegium

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Titelseite des Florilegiums von Emanuel Sweerts (1647)

Florilegium (Plural florilegia, aus lateinisch flos, "Blume" und legere, "zugrunde-legen", "sammeln", für „Blütenlese“ oder „Sammlung von Blumen“, griechisch ἀνθολογία, "anthologia", -> "Anthologie") bezeichnet:

Sammlung von Textstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Loci communes, seu potius Florilegium rerum et materiarum selectarum: praecipue? (1598, Joseph Lang (Philologe), ca. 1570-1615)
Florilegium, sive anthologia latina: ex variis authoribus decerpta (Irland, 1712)

Diese literarische Form war im Mittelalter und der frühen Neuzeit gebräuchlich. Sie umfasste Auszüge aus Schriften antiker und mittelalterlicher Autoren, meist Versdichtern (aber auch Prosaisten) oder Zusammenstellungen von Sprüchen, auch Bibelzitaten, und hatte oft enzyklopädischen Charakter.

Verwendet wurden sie im Unterricht und in der Schriftstellerei. In der Regel wurden aus einer Anzahl von Dichtern der Reihe nach die dem Exzerptor zusagenden Verse herausgeschrieben. Oft wurden die vielfach textlich veränderten Exzerpte alphabetisch oder systematisch geordnet. Die Florilegien gaben Auskunft über Vorhandensein und Beliebtheit der Autoren. Andererseits wurde durch die Anwendung der Florilegien bei wenig belesenen Schriftstellern größere Literaturkenntnis vorgetäuscht.

Häufige Abschriften mit Verkürzungen, Veränderungen und Zusätzen erschweren allerdings die philologische Forschung.

Botanische Kataloge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Botanische Florilegia behandeln Blumen und sind im Ursprung mittelalterliche Bücher. Sie dienen eher der kunstvollen ornamentalen Darstellung als der medizinischen Verwendung oder anderweitig nützlichem Gebrauch bestimmter Pflanzen oder Kräuter.[2]

Die Entstehung der botanischen Illustration als eigenes Kunstgenre entspringt dem 15. Jahrhundert, wo Bücher über Kräuter mit Illustrationen von Blumen gedruckt wurden, welche die kulinarischen und medizinischen Verwendungen von Pflanzen beschreiben. Sie ist eng mit der Entstehung des Buchdrucks überhaupt verbunden. Als sich die Drucktechniken entwickelten und im 16. Jahrhundert neue Pflanzen u. A. aus der osmanischen Türkei nach Europa kamen, beauftragten wohlhabende Personen und botanische Gärten Kunstschaffende, die Schönheit dieser Exoten in Florilegia festzuhalten.

Ihre Blütezeit hatten die kunstvollen Druckwerke im 17. Jahrhundert, als sie seltene und exotische Pflanzen zeigten. Moderne Florilegien versuchen, Pflanzen von bestimmten Gärten oder Orten zu dokumentieren und zu präsentieren, die heute als gefährdet gelten.

Florilegia zählen aufgrund des zu ihrer Herstellung erforderlichen Aufwands zu den aufwändigsten und teuersten Büchern.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Benjamin Bühler, Stefan Rieger: Das Wuchern der Pflanzen: Ein Florilegium des Wissens. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2009
  • Gilbert Heß: Formen der Validierung in frühneuzeitlichen Florilegien. In: Eule oder Nachtigall? Tendenzen und Perspektiven kulturwissenschaftlicher Werteforschung, hrsg. von Marie Luisa Allemeyer u. a., Wallstein, Göttingen 2007, S. 73–103
    • Florilegien. Genese, Wirkungsweisen und Transformationen frühneuzeitlicher Kompilationsliteratur. In: Wissensspeicher der Frühen Neuzeit: Formen und Funktionen, hrsg. von Frank Grunert und Anette Syndikus, Walter de Gruyter, Berlin 2015, S. 97–138
    • Konstanz und Beweglichkeit in frühneuzeitlichen Florilegien und Enzyklopädien[3]
  • Hanne Kolind Poulsen: Das Grüne Florilegium[4]
  • Philipp Otto Roelli: Asketische Schriften des Mönchs Markos (s. XIII)[5]
  • Loris Sturlese: Philosophische Florilegien im mittelalterlichen Deutschland. In: Ders., Homo divinus: philosophische Projekte in Deutschland zwischen Meister Eckhart und Heinrich Seuse, Kohlhammer, Stuttgart 2007, 155–168, ISBN 978-3-17019790-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mein Schloss, meine Kutsche – meine Blumen. In: Städel Blog. 14. Dezember 2017 (staedelmuseum.de [abgerufen am 17. Juni 2018]).
  2. Benjamin D. Jackson, 1900: A Glossary of Botanical Terms. London: Duckworth & Co. p. 102
  3. fb-frueheneuzeit.uni-muenchen.de (PDF; 67 kB, 23. Juni 2018)
  4. [1] (PDF; 2,6 MB, Prestel, München u. a., 23. Juni 2018)
  5. zora.uzh.ch/ (PDF, 5,6 MB, Einleitung, Erstedition und Übersetzung eines Florilegiums und dreier Sermones. Universität Zürich, Kunst-Fakultät, 2009, MB, 23. Juni 2018)