Botanischer Garten

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Ein botanischer Garten ist eine ausgedehnte gärtnerische Anlage, in der fremdländische und einheimische Pflanzenarten nach systematischen, pflanzengeographischen, ökologischen, pflanzensoziologischen oder wirtschaftlichen Gesichtspunkten geordnet gezeigt werden. Botanische Gärten können staatlich, städtisch, privat oder aber den botanischen Instituten von Universitäten angeschlossen sein. Botanische Gärten an Universitäten dienen vorrangig wissenschaftlichen Zwecken. Weltweit existieren fast 1800 botanische Gärten. 400 davon befinden sich in Europa und ca. 90 in Deutschland. Die meisten botanischen Gärten betreiben Gewächshäuser zur Anzucht und Präsentation von Pflanzen. Wichtiger Bestandteil botanischer Gärten von heute sind häufig auch ökologisch und botanisch interessante Lebensräume mit den für sie typischen Pflanzengesellschaften

Ein auf Bäume und Sträucher beschränkter botanischer Garten wird Arboretum genannt. Ein Arboretum kann auch Teil eines botanischen Gartens sein. Andere typische Bestandteile sind Alpinum und Tropenhäuser.

Temperate House in Royal Botanic Gardens (Kew) in London
Botanischer Garten Padua Historisches Gewächshaus
Botanischer Garten München/ Schmuckhof im Frühjahr
Eingangsbereich Botanischer Garten in Santa Cruz (Kalifornien)


Geschichte[Bearbeiten]

Der erste und älteste botanische Garten der Welt, der sich noch immer an seinem ursprünglichen Ort in Italien befindet, ist der Botanische Garten von Padua, italienisch Orto Botanico di Padova. Er wurde 1545 gegründet und gehört zur Universität Padua. Weitere frühe botanische Gärten wurden 1544 im italienischen Pisa von Luca Ghini sowie in Florenz (1545) und Bologna (1568) gegründet. Ein halbes Jahrhundert zuvor entstand der erste auf Gehölze ausgerichtete botanische Garten, das Arboretum von Trsteno nahe Dubrovnik. Es ist seit dem Jahr 1492 nachgewiesen.

Erste botanische Gärten wurden in Deutschland in Leipzig (1580) und in Jena (1586) gegründet. Danach kamen die botanischen Gärten in Heidelberg (1593), in Gießen (1609) sowie in Freiburg (1620). Sie waren meist noch integriert in die medizinische Fakultät als Hortus Medicus. Der Botanische Garten Kiel war der erste deutsche botanische Garten im engeren Sinne. Er wurde 1669 von Johann Daniel Major an der Universität Kiel eingerichtet. Der erste botanische Garten in Portugal wurde 1772 durch den Grafen von Pombal an der Universität Coimbra eingerichtet.[1]

Funktionen[Bearbeiten]

"Science and pleasure" hieß der Leitspruch des botanischen Garten in Kew bei London (England), am Beginn der Entstehungsgeschichte der großen botanischen Gärten in Europa und Amerika. Es war der Zweiklang von Wissenschaft und Vergnügen, der bis heute weltweit die Philosophie der botanischen Gärten prägt.[2]

Kräutergärten[Bearbeiten]

Ursprünglich beherbergten die botanischen Gärten weitgehend Heilkräuter und waren wesentliche Grundlage für die phytomedizinischen Forschung und Lehre. Vorbild waren die klösterlichen Kräutergärten. Die ersten botanischen Gärten wie der in Padua ähnelten auch in ihrer Form und Struktur den Klöstergärten. Zumeist waren die Pflanzen in den Beeten nach den in ihnen enthaltenen phytomedizinischen Wirkstoffen gruppiert. Nach wie vor bieten botanische Gärten Anschauungsmaterial für das Studium der Medizin, der Phytomedizin und der Botanik insgesamt.

Pflanzensystematik[Bearbeiten]

Später mit der Erforschung der Natur und Vegetation in weit entfernten Gegenden der Erde wie Südamerika und Ostasien legten sich die botanischen Gärten umfangreiche Pflanzensammlungen aus aller Welt zu. Einige botanische Gärten erlangten hohes Ansehen wegen ihrer herausragenden Pflanzensammlungen und der an den angeschlossenen Instituten durchgeführten Forschungen. Dazu zählen der botanische Garten in Kew bei London (England), der Missouri Botanical Garden in St. Louis (USA), der New York Botanical Garden (USA) und der Botanische Garten Berlin-Dahlem.

Naturschutz[Bearbeiten]

Die zumeist botanischen Universitätsinstituten angegliederten botanischen Gärten sahen und sehen es als ihre Aufgabe, durch Erhaltungskulturen aktiv zur Erhaltung biologischer Vielfalt (Biodiversität) und genetischer Ressourcen beizutragen. Auf diese Weise dienen sie dem Erhalt der Artenvielfalt. Zum einen geschieht dies dadurch, dass die Gärten Pflanzen kultivieren, die in ihrer Existenz als gefährdet eingestuft sind oder in ihrer ursprünglichen Heimat ausgestorben sind.[3] Ein Beispiel ist der Toromiro (Sophora toromiro), eine Pflanzenart aus der Gattung der Schnurbäume, die einzige einheimische Baumart der Osterinsel. Der berühmte norwegische Forschungsreisende Thor Heyerdahl sah den letzten Toromiro Ende der 50er Jahre und sammelte einige Früchte. Seitdem galt diese Art als ausgestorben. 1988 entdeckten Botaniker der Universität Bonn in ihrem botanischen Garten ein Exemplar des Toromiro. Die Nachricht von dieser Entdeckung schlug hohe Wellen. Später stellte sich heraus, dass der Toromiro auch noch in anderen Botanischen Gärten überlebt hat. Im Rahmen eines Arterhaltungsprojekts wurden 1995 160 Toromiros aus den Botanischen Gärten in Göteborg und Bonn auf die Osterinsel gebracht. Einige überlebten und wachsen inzwischen wieder in ihrer ursprünglichen Heimat.

Saatgutaustausch[Bearbeiten]

Um relativ einfach und kostengünstig an Pflanzen zu kommen, hat sich zwischen den Botanischen Gärten ein kostenfreier Samentausch etabliert. Die botanischen Gärten erstellen meist jährlich einen Katalog ihres Samenangebots, den Index Seminum und tauschen die Indices Seminum untereinander aus. Dies ist die wichtigste Quelle für den Erhalt und Ausbau ihrer Pflanzensammlungen.[4] Die Weitergabe von Pflanzenmaterial erfolgt ausschließlich zu nicht-kommerzieller Nutzung in Forschung, Bildungsarbeit oder Naturschutz. An diesem Samenaustausch sind zur Zeit weltweit über 700 Botanische Gärten beteiligt. Der älteste Katalog stammt aus dem Jahre 1591 aus dem Botanischen Garten Padua. In Deutschland stammt der älteste erhaltene Index Seminum aus dem Jahr 1831. Er liegt in der Bibliothek des Botanischen Gartens in Berlin-Dahlem.

Öffentliches Grün[Bearbeiten]

Schließlich dienen botanische Gärten mit ihren parkähnlichen Anlagen der Erholung. Dies ist besonders der Fall in den weitläufigen Arboreten. Weltweit eins der größten ist der Botanische Garten Rombergpark in Dortmund.[5] Er ist 65 ha groß.

Vorkommen[Bearbeiten]

Die größten botanischen Gärten der Welt sind

Botanische Gärten befinden sich auf allen Kontinenten, außer in der Antarktis.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • F. Ebel, F. Kümmel, Ch. Müller-Uri: Bibliographie der Botanischen Gärten Europas – Supplement 2/1. Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle 1996, ISBN 3-86010-137-4.
  • Herbert Reisigl: Blumenparadiese und Botanische Gärten der Erde. Pinguin, Innsbruck 1980.
  • Johannes Reinke: Der älteste botanische Garten Kiels; urkundliche Darstellung der Begründung eines Universitäts-Instituts im siebzehnten Jahrhundert. Kiel 1912 (Volltext)
  • Loki Schmidt: Die Botanischen Gärten in Deutschland. Hoffmann & Campe, Hamburg 1997, ISBN 3-455-11120-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Botanischer Garten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Helena Attlee, The gardens of Portugal, London, Frances Lincoln 2007, 25
  2. Kew: gardens for science and pleasure, edited by F. Nigel Hepper, in New Scientist 7. Okt. 1982, abgerufen am 27. Januar 2016
  3. Naturschutz in botanischen Gärten, Deutsches Artenschutzportal, abgerufen am 27. Januar 2016
  4. Index Seminum des Botanischen Gartens der Universität Mainz, abgerufen am 27. Januar 2016
  5. Homepage des Botanischen Gartens Rombergpark, abgerufen am 27. Januar 2016