Flugkolbenmotor

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Figure 1 aus US Patent US67659
Briefmarke der Deutschen Bundespost (1964): 100 Jahre deutscher Verbrennungsmotor

Ein Flugkolbenmotor oder atmosphärischer Motor von Otto und Langen ist ein Motor, bei dem der Kolben über eine Zahnstange und nicht über einen Kurbeltrieb seine Energie weitergibt. In dem stehenden, oben offenen Einzylindermotor fliegt der Kolben nach Einleitung und Zündung des Gas-Luftgemisches nach oben. Vom Antrieb ist die Zahnstange durch einen Freilauf während der Aufwärtsbewegung entkoppelt. Auf diese Weise wird die zerstörerische Wirkung der durch die explosionsartige Verbrennung hervorgerufenen Stöße auf den Antriebsmechanismus umgangen. Erst beim Zurückgehen des Kolbens – ausgelöst durch den höheren Druck der umgebenden Luft (Atmosphäre) im Verhältnis zum im Brennraum rasch abkühlenden Verbrennungsgas, zum geringen Teil auch durch sein Eigengewicht – ist die Kolbenstange durch den jetzt geschlossenen Freilauf mit der Antriebswelle verbunden, und die gewünschte Drehbewegung wird erzeugt. Dadurch, dass die Leistungsabgabe von der Abkühlung der Verbrennungsgase abhängt, ist die Zündfrequenz begrenzt und die Leistung im Vergleich zum Viertaktmotor vergleichbarer Größe erheblich geringer. Das Gas-Luft-Gemisch muss in den Brennraum eingeleitet werden, es findet kein Ansaugvorgang statt, ebenso keine Vorverdichtung. Dafür findet aber bei jedem Kolbenhub eine Verbrennung und damit Leistungsabgabe statt.

Entwickelt wurde der Motor, wie der Name auch andeutet, von Nikolaus Otto und Eugen Langen in der von beiden 1864 gegründeten Firma N. A. Otto & Cie.

Auf der Weltausstellung Paris 1867 wurde der Motor erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Diese neue Motorenentwicklung hatte ein Drittel des Kraftstoffverbrauchs der bis dahin bekannten Motoren von Étienne Lenoir. Sie wurde mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Bis zur Markteinführung des Otto-Viertaktmotors im Jahr 1876 wurden beinahe 5000 Otto-Langen-Flugkolbenmotoren von der Deutz AG und deren Lizenznehmern gebaut.

Der Flugkolbenmotor ist wegen seiner fehlenden Kurbelwelle eine technische Besonderheit innerhalb der Kolbenmaschinen.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Goldbeck: Kraft für die Welt, 1864-1964 Klöckner-Humboldt-Deutz AG, 1964, Econ-Verlag Düsseldorf, keine ISBN