Flugplatz Damgarten

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Flugplatz Damgarten
Flugplatz Damgarten (Mecklenburg-Vorpommern)
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Kenndaten
Koordinaten
54° 15′ 56″ N, 12° 25′ 58″ OKoordinaten: 54° 15′ 56″ N, 12° 25′ 58″ O
6 m (20 ft.) über MSL
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 28 km nordöstlich von Rostock
Basisdaten
Eröffnung 1936 (geschlossen)
Betreiber Technik Verein Pütnitz e. V.
Start- und Landebahnen
07/25 1325 m × 80 m Beton
07/25 2600 m × 42 m Beton

Der Flugplatz Damgarten (früher: Fliegerhorst Pütnitz) ist ein ehemaliger Militärflugplatz im Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern. Er wurde in den 1930er Jahren von der Luftwaffe der Wehrmacht angelegt und von ihr bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs betrieben. Anschließend wurde er von den sowjetischen Luftstreitkräften übernommen, die ihn bis zu ihrem Abzug aus dem wiedervereinigten Deutschland im Jahr 1994 durch Einheiten der 16. Luftarmee ebenfalls einer militärischen Nutzung unterzogen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nutzung durch die Luftwaffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Flugzeugführerschule Pütnitz an einem Gebäude des Flugplatzes

Die Arbeiten an einem kombinierten Land- und Seefliegerhorst begannen 1935 auf einem Teilbereich des am Ostufer des Ribnitzer Sees gelegenen Gut Pütnitz. Es entstanden unter anderem eine betonierte Startbahn mit 1325 Metern Länge und 80 Metern Breite sowie mehrere Wartungshallen im West- und Nordwestbereich. Im Westteil befand sich die Seeflugstation, die über fünf große Hallen, eine Werfthalle und über zwei „Ablaufbahnen“ für Wasserflugzeuge verfügte, die direkt in den Bodden mündeten. Das Vorkommando der als zukünftiger Nutzer in Warnemünde aufgestellten Fliegerhorstkommandantur (See) Pütnitz verlegte am 1. April 1936 auf den Standort, gleichzeitig verlegte die Flugzeugführerschule (See) von Travemünde-Priwall ebenso nach Pütnitz. Der Schulbetrieb begann unter der Bezeichnung Flugzeugführerschule (See) Pütnitz, jedoch wurde die Einheitenbezeichnung später mehrfach geändert. Des Weiteren waren andere Einheiten wie die Blindflugschule 4, Teile der Fliegerergänzungsgruppe (See) und die 9. Seenotstaffel wenigstens zeitweise in Pütnitz stationiert. Teile des Flugplatzes wurden von den auf der gegenüberliegenden Seite des Saaler Boddens liegenden Bachmann-Werken, die als Reparaturbetrieb der Ernst Heinkel Flugzeugwerke fungierten, für ihren Einflugbetrieb genutzt. Der Transport der Flugzeuge zwischen Werk und Flugplatz erfolgte dabei über den Bodden. Ab 1941 wurden auf dem Platz und im Reparaturbetrieb zunehmend Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge eingesetzt.

In den letzten Kriegstagen wurde Pütnitz kurzzeitig zum Frontflugplatz. Am 28. April 1945 verlegte die III. Gruppe des Jagdgeschwaders Udet dorthin und flog noch an den zwei darauffolgenden Tagen einige Einsätze, bevor sie sich in westlicher Richtung absetzte. Anfang Mai verließ die II. Gruppe des gleichen Verbandes als letzte Einheit den Platz, so dass die sowjetischen Truppen den Fliegerhorst Pütnitz am 2. Mai kampflos einnehmen konnten.

Nutzung durch die sowjetischen Luftstreitkräfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Kriegsende gab es auf dem Platz vorerst keine fliegerischen Aktivitäten. Die sowjetische Besatzungsmacht demontierte 1948 stattdessen im Zuge der Reparationsleistungen die zwei im Nordwesten liegenden großen Flugzeughallen sowie die Werfthalle der Seeflugstation und transportierte sie in die Sowjetunion. Unter Nutzung der Räumlichkeiten wurde im selben Jahr auf dem Gelände der Seestation die sogenannte „Bodden-Werft“ errichtet, die jedoch nur bis 1951 existierte, da die sowjetische Administration beschloss, das Gelände unter Nutzung der schon vorhandenen Infrastruktur wieder seinem ursprünglichen Zweck zuzuführen. Die Werft wurde geräumt und es begann die erste, bis 1952 andauernde Ausbauphase, die im Wesentlichen die Anlage einer zweiten, 2250 Meter langen Startbahn samt neuer Rollwege sowie einiger Flugzeug-Splitterboxen umfasste. Anschließend begann die Stationierung von verschiedenen Einheiten, hauptsächlich von Jagdflugzeugregimentern. Nachdem die beiden Städte Ribnitz und Damgarten 1950 zusammengeschlossen worden waren, wurde die offizielle Bezeichnung des Flugplatzes von Pütnitz zu Damgarten geändert.

Innenansicht einer Halle der ehemaligen Seefliegerstation in heutigem Zustand

In den 1960ern begann eine zweite Ausbau- und Sanierungsphase. Vom März bis September 1961 erfolgte eine Startbahnverlängerung auf 2500 Meter. Von 1968 bis 1970 wurde in Reaktion auf die Erfahrungen des Sechstagekrieges wie auf allen Flugplätzen der 16. Luftarmee der Bau von geschlossenen Flugzeugdeckungen und eines Munitionsbunkers durchgeführt. Zunehmend wurde Pütnitz als Ausgangspunkt für Luftschießübungen, die über der Ostsee stattfanden und an denen auch Truppenteile anderer Warschauer Vertragstaaten teilnahmen, genutzt. So lagen auf dem Flugplatz zwischenzeitlich auch polnische, ungarische und NVA-Jagdflugzeuge. Auch waren deshalb sogenannte Zieldarstellungketten stationiert. Eine letzte Startbahnverlängerung auf 2600 Meter wurde in den 1970ern beschlossen, wie auch der Bau eines weiteren Munitionslagers vom Typ Granit. Ab den 1980ern wurde die alte, noch aus den 1930ern stammende Startbahn bis 1991 nur noch als Vorstartlinie für die stationierten Zieldarsteller genutzt. Eine für Beginn der 1990er geplante Grundsanierung des Platzes wurde durch die politischen Ereignisse verhindert. Nachdem die letzten Flugzeuge im Juni 1994 Pütnitz in Richtung Russland verlassen hatten, wurde der Flugplatz nach der Übergabe von den deutschen Behörden zur Konversionsfläche erklärt und anschließend geschlossen.

Folgende sowjetische Einheiten waren in Damgarten stationiert (ohne Zwischenbelegungen):

Von Bis Einheit Ausrüstung Anmerkungen
Mai 1945 Juni 1945 215. Jagdfliegerdivision (IAD, Stab) k.A.
1951 1953 263. Jagdfliegerdivision, Stab
43. und 899. Jagdfliegerregiment (IAP)
MiG-15
1953 1993 16. Gardejagdfliegerdivision
(16. Gw IAD, Stab)
An-2, An-14, Mi-9
August 1953 September 1953 20. Gardejagdfliegerregiment MiG-15
1953 1956 19. Gardejagdfliegerregiment MiG-15
1954 1994 773. Jagdfliegerregiment MiG-15, MiG-17, Jak-28,
später MiG-21, MiG-23 und MiG-29
Teil der 16. Gw IAD
1977 1990 65. Selbstständige Schleppfliegerstaffel
(65. OBAE)
IL-28
später MiG-23, Su-25 und L-39
Nutzung als
Zieldarstellungskette
1982 1986 74. Selbstständige Schleppfliegerstaffel IL-28 Nutzung als
Zieldarstellungskette

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erhaltenen Hallen der am Ribnitzer See gelegenen Seefliegerstation beherbergen seit 2003 das Technikmuseum Pütnitz. Die östlich davon befindlichen Betriebsflächen werden nicht mehr genutzt.

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am 29. Mai 1958 zwangen zwei MiG-17 des 773. Jagdfliegerregiments eine belgische RF-84F Thunderflash, die nach einem Orientierungsverlust des Piloten Martin Paulus in den Luftraum der DDR eingedrungen war, auf dem Flugplatz Damgarten zur Landung. Leutnant Paulus wurde auf Bitte der belgischen Regierung nach zwei Wochen freigelassen. Das Flugzeug mit dem Kennzeichen H8 N aus dem Bestand der 42. Aufklärungsstaffel wurde anschließend von Angehörigen des JG-1 der NVA zerlegt und Ende Juni auf dem Landweg nach Belgien rücküberführt.[1]
  • Am 31. August 1970 zwangen MiG-21 des 773. IAP eine Cessna 182 (Kennzeichen: D-ELVW), die bei Lübeck die deutsch-deutsche Grenze überflogen hatte, in Damgarten zur Landung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Zapf: Flugplätze der Luftwaffe 1934–1945 – und was davon übrig blieb. Band 5 – Mecklenburg–Vorpommern. VDM, Zweibrücken 2006, ISBN 978-3-86619-011-5, S. 281–314.
  • Stefan Büttner: Rote Plätze. Russische Militärflugplätze Deutschland 1945–1994. Fliegerhorste–Aerodrome–Militärbrachen. AeroLit, Berlin 2007, ISBN 978-3-935525-11-4, S. 72–77.
  • Edwin Sternkiker: Der Flughafen Pütnitz unter Hakenkreuz und Sowjetstern 1935–1994. Redieck & Schade, Rostock 2014, ISBN 978-3-942673-49-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Stieber: Der Fliegeringenieurdienst der DDR-Militärluftfahrt. Media Script, Berlin 2014, ISBN 978-3-9814822-5-6, S. 148/149.