Flugzeugabsturz in Trudering

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Flugzeugabsturz in Trudering
Piper PA-31T Cheyenne II HRC Racing Team, GRQ Groningen (Eelde), Netherlands PP1119702232.jpg

Eine Piper PA-31T Cheyenne II in Groningen

Unfall-Zusammenfassung
Unfallart Strömungsabriss
Ort München-Trudering, Deutschland
Datum 11. August 1987
Todesopfer 3
Überlebende 0
Todesopfer am Boden 6
Verletzte am Boden 30
Luftfahrzeug
Luftfahrzeugtyp Piper PA-31T Cheyenne II
Betreiber Lechmetall Landsberg
Kennzeichen D-ILRA
Abflughafen Landsberg
Zielflughafen München-Riem
Passagiere 2
Besatzung 1
Listen von Flugunfällen

Bei einem Flugzeugabsturz in Trudering (München) kamen am 11. August 1987 neun Menschen ums Leben.

Hergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Pilot der Piper PA-31T Cheyenne II, ein Berufspilot und auf der Cheyenne sehr erfahren, war auf einem Checkflug zur Verlängerung seines ATPL mit einem Prüfer und einer Sekretärin des Luftamtes Südbayern unterwegs. Die Maschine mit der Kennung D-ILRA war das Werksflugzeug einer bayerischen Metallbaufirma. Beim Landeanflug kurz vor der Bahn 07R in Riem griff der Prüfer überraschend ein und zog – so stellte später die Flugunfalluntersuchungsstelle beim LBA fest – "ohne Ankündigung in einer völlig unpassenden Situation" in 60 Metern über Grund den Leistungshebel des rechten Triebwerks auf Leerlauf zurück.[1] Der Pilot sollte zeigen, dass er die Maschine auch bei Ausfall eines Triebwerkes landen kann. Wegen des starken Drehmoments des verbliebenen linken Triebwerks drehte die Maschine um die Längsachse nach rechts und unten und schlug auf der Wasserburger Landstraße auf. Das Flugzeug rutschte über die Straßenkreuzung, verfehlte knapp eine Tankstelle und streifte einen Linienbus der Linie 192. Dessen Fahrer verlor die Kontrolle und fuhr in ein McDonald’s-Restaurant. Ein Feuer brach aus, das den Bus als auch das Restaurant erfasste. Die drei Insassen des Flugzeugs waren sofort tot. Am Boden starben drei weitere Menschen. In den folgenden Wochen starben drei der insgesamt 30 Verletzten. Das Restaurant wurde zerstört und an gleicher Stelle wieder aufgabaut.

Kritik und Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Unfall führte zu einer Reform des Prüfungswesens bei den bayerischen Luftämtern. Der Flug war ein Checkflug, der zur Verlängerung des Berufspilotenscheins ATPL und der Musterberechtigung halbjährlich durchgeführt werden muss. Bis dato nahmen in Bayern Angestellte und Beamte der jeweiligen Luftämter diese anspruchsvollen Prüfungen ab. Sie hatten zwar die theoretisch nötigen Lizenzen und Musterberechtigungen, aber nicht im Ansatz die praktische Erfahrung ihrer Prüflinge und schon gar nicht dere tiefreichenden theoretischen und praktischen Kenntnisse auf den jeweiligen Flugzeugmustern. Kritik aus Pilotenkreisen an diesem bayerischen Verfahren war bis dato ungehört verhallt.[2]

Nach dem Unfall übernahmen auch die bayerischen Luftämter die in allen anderen Bundesländern angewendeten Verfahren. Dort übertragen die Luftämter die Prüfungen an Experten als Gutachter. Chefpiloten, Flottenchefs, Check-Kapitäne (bei Airlines), Ausbildungsleiter oder Fluglehrer mit Einweisungsberechtigung nehmen von Schleswig-Holstein bis Baden-Württemberg diese Prüfungen ab – Experten, die mit den Mustern der jeweiligen Prüflinge extrem gut vertraut sind, weil sie sie beruflich fliegen. Nach dem Unfall von Trudering werden auch in Bayern derartige Checks – im Simulator oder im Fluggerät – von aktiven Berufspiloten und nicht von Behördenmitarbeitern durchgeführt.[3]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bericht Flugunfalluntersuchungsstelle beim Luftfahrt-Bundesamt
  2. Bayerns Behörden in der Kritik, Flugrevue 10/87ff
  3. Unfallakte, Fliegermagazin 7/88

Koordinaten: 48° 7′ 10″ N, 11° 40′ 36,5″ O