Flurdenkmal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Flurkreuz im Allgäu
Steinkreuz in der Oberpfalz
Bildstock am Tanner Moor
Grenzstein mit Wappen des Fürstenhauses Fürstenberg (1767)

Ein Flurdenkmal ist ein Denkmal, das sich außerhalb von Wohnsiedlungen befindet und kein Naturdenkmal ist. Hierzu zählen in erster Linie Flurkreuze, Kleinkapellen, Bildstöcke, Grenzsteine oder auch Dolmen oder prähistorische Grab- oder Befestigungsanlagen.

Typologie der Flurdenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lückenhaft In diesem Artikel fehlen folgende wichtige Informationen:
Der Begriff Flurdenkmal wird hier ausschließlich auf nach einer einzigen Quelle beschriebene bestimmte Art von Steinen eingeschränkt, andere Arten von Flurdenkmal wie z.B. die in der Einleitung genannten Wegkreuze, Flurkapellen oder Bildstöcke oder auch Grenzsteine und -marchen kommen im Artikel gar nicht mehr vor. --bjs Diskussionsseite 15:36, 13. Sep. 2016 (CEST)
Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst.

Eine Typologie der Flur- bzw. Kleindenkmale wurde durch die Arbeitsgemeinschaft Denkmalforschung (AGD) vorgenommen[1]:

  1. formal, d. h. nach der äußeren Form
  2. nach dem Anlass der Errichtung
    • Sühnesteine: „Wie die Bezeichnungen Sühnestein oder Sühnekreuz bereits andeuten, handelte es sich hierbei um Objekte, die nach einem offiziellen Urteilsspruch zur Sühne eines Verbrechens errichtet wurden. Als Typus wurden hierzu sowohl Scheibenkreuze als auch Kreuzstelen bzw. Kreuzsteine ausgewählt.“[5]
    • Unfallsteine: „Der plötzliche Tod konnte den Zeitgenossen aber auch aufgrund eines Unfalls ereilen, wie einige Steinkreuze oder Kreuzsteine im Untersuchungsgebiet bezeugen. Ein Unglücksfall mit tödlichem Ausgang war zu jeder Zeit möglich. Einige Inschriften oder auch Reliefs überliefern auch die Todesursache der Unfallopfer – aber sie benennen nicht den jeweiligen Auftraggeber.“[6]
    • Mordopfer-Steine: „Doch auch Mordopfer, deren Täter unbekannt blieben, konnten ein Erinnerungsmal erhalten: Nicht immer wurde der Täter eines Mordes überführt und bestraft. Die Gefahr des Reisens im Mittelalter wird anhand einiger Kreuzsteinen deutlich ...“[7]
    • Erinnerungsmalen für verdiente Bürger: „Einige Kreuzsteine wurden für Bürger aufgestellt, die im Kampf um ihre Stadt den plötzlichen Tod starben: Als Auftraggeber für diese Monumente kann der Stadtrat angenommen werden. – Die Form der letztgenannten Kreuzsteine mit Aufsatz erinnert an ‚Mehrteilige Epitaphe’. – Die Mitglieder des Stadtrates, welche im Kampf für die Stadt ihr Leben ließen, waren sicherlich jedermann bekannt. Der Zeitgenosse wurde an ihnen zu einem Gebet für die Seelen aufgerufen. Das Gedächtnis an jene Personen wurde durch die Male in der Erinnerung der Stadtbevölkerung und auch nachfolgender Generationen bewahrt: in diesen steinernen Zeugnissen für so genannte ‚verdiente Bürger’ finden sich frühe Beispiele für städtische Denkmale.“[8]
    • Steinkreuze und Kreuzsteine wurden auch als kollektive Gedenksteine für Massenbegräbnisse gesetzt.[8]

Forschungen und Forschungsgemeinschaften zum Thema „Flurdenkmal“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1960er Jahren werden Kreuzsteine und Steinkreuze sowie ihnen formal verwandte Monumente als Flurdenkmäler unter den Kleindenkmälern, zu welchen zum Teil auch Grabmäler, wie Stelen gerechnet werden, von der Deutschen Steinkreuzforschung erforscht. Diese setzt sich wie folgt zusammen:

  • Die Arbeitsgemeinschaft Denkmalforschung (AGD) in Niedersachsen stellte sich zur Aufgabe, für Aufnahme, Erhalt, Pflege und Klärung der sozialen Zusammenhänge, die zur Errichtung und Aufstellung der Klein- und Flurdenkmale führten, zu sorgen. Ihr Sitz ist in Trebur und ihre Schriftenreihe Das Kleindenkmal (Materialsammlung: Steinkreuze und Kreuzsteine, Jagd- und Forstdenkmale). Hierin wird die alte und neuere Literatur zum Forschungsgebiet veröffentlicht. In regelmäßig stattfindenden Tagungen werden alle zwei Jahre die neuesten Forschungsergebnisse diskutiert.
  • Die ältere Forschungsgemeinschaft Deutsche Steinkreuzforschung (gegründet 1932) nimmt die gleichen Aufgaben wie die AGD wahr. Zusätzlich werden Bildstöcke und historische Grenzzeichen erfasst, d.h. Denkmäler, die vor allem rechts- und religionsgeschichtlich interessant sind. Hierbei handelt es sich ursprünglich um eine Bürgerinitiative, die sich mit den Flurdenkmalen im fränkischen und oberpfälzischen Raum beschäftigt.
  • Die AFO (Arbeitskreis für Flur- und Kleindenkmalforschung in der Oberpfalz e. V.) nimmt die gleichen Aufgaben wie die AGD e. V. für den Bereich Oberpfalz war. Seit 1978 erscheint jedes Jahr ein Band der Reihe Beiträge zur Flur- und Kleindenkmalforschung in der Oberpfalz (BFO).
  • Seit 1982 regelmäßige Tagungen „Ostbayerische Jahrestagung der Flur- und Kleindenkmalforscher“.
  • Ferner hat sich der Arbeitskreis Internationale Steinkreuzforschung (ISF) gebildet, in welchem Gruppen von Wissenschaftlern, Hobby- und Laienforschern die vergleichbare Aufnahmen wahrnehmen und diese in der Schriftenreihe Steinkreuzforschung dokumentieren.
  • Schließlich sei noch die Archäologische und Volkskundliche Arbeitsgemeinschaft Dieburg e. V. (AVA ... Dieburg e. V.) genannt. Hierbei handelt es sich um einen Verein für Stadt- und Heimatgeschichtsforschung, der 1970 von Bürgern gegründet wurde. Sie unterstützen mit ihrem Verein die lokale Bodendenkmalpflege, und die Aufgaben dieser Arbeitsgemeinschaft sind mit denen der AGD vergleichbar. Sie gibt zwei Schriftenreihen heraus.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Heiligen- und Bilderverehrung sind bestimmte Arten von Flurdenkmäler wie z.B. Wegkreuze, Bildstöcke und Flurkapellen in katholischen Gegenden wesentlich weiter verbreitet als in protestantischen. Solche Flurdenkmäler sind also in Norddeutschland weniger verbreitet als in Süddeutschland, Österreich und Südtirol.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Karl Azzola: Zur Nomenklatur der steinernen Flurdenkmäler und frühen Grabsteinformen. In: Das Steinkreuz 21, 1965, Nr. 2, S. 14–16
  • Friedrich K. Azzola: Zur Ikonographie des Kreuzes auf Kleindenkmälern des Hoch und Spätmittelalters im deutschen Sprachraum. In: H. Zimmermann (Hrsg.): Deutsche Inschriften. Fachtagung für mittelalterliche und neuzeitliche Epigraphik, Worms 1996, Mainz 1987, S. 9–41, (on Cross-Slabs)
  • Heinz Köber: Die alten Steinkreuze und Sühnesteine Thüringens. In: Beiträge zur Geschichte 5, Erfurt 1960
  • Werner Müller, Günther E. H. Baumann: Kreuzsteine und Steinkreuze in Niedersachsen, Bremen und Hamburg. Vorhandene und verlorengegangene Rechtsdenkmale und Memorialsteine. (= Forschungen der Denkmalpflege in Niedersachsen 5), Hannover 1988
  • Helga Wäß: Form und Wahrnehmung mitteldeutscher Gedächtnisskulptur im 14. Jahrhundert. Tenea, Bristol u. a. 2006, ISBN 3-86504-159-0
    • Band 1 Ein Beitrag zu mittelalterlichen Grabmonumenten, Epitaphen und Kuriosa in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Nord-Hessen, Ost-Westfalen und Südniedersachsen.
    • Band 2 Katalog ausgewählter Objekte vom Hohen Mittelalter bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts – nach Orten aufgeführte Bildbeispiele, erfasst an die 1000 Monumente, darunter auch Flur- und Kleindenkmale, teils mit Abbildung

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helga Wäß: Flur- und Kleindenkmale. In: Form und Wahrnehmung … Band 1 S. 223 ff
  2. ausführlich unterschieden in: Wäß 2006, S. 224 ff.
  3. ausführlich differenziert in: Wäß 2006, S. 227 ff.
  4. Karl Bedal: Rätselhaftes – Frankenpost Verlag, Hof 1986
  5. Wäß 2006, Bd. 1, S. 425 ff.
  6. Wäß 2006, Bd. 1, S. 428 ff.
  7. Wäß 2006, Bd. 1, S. 430
  8. a b Wäß 2006, Bd. 1, S. 431