Steinkreuz

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Steinkreuz von Kvitsøy, Norwegen
Steinkreuz in Weißig bei Dresden

Steinkreuz ist die Bezeichnung für ein Kreuz aus Stein. Steinkreuze gibt es in verschiedenen Formen in allen Teilen der Welt. Häufige Arten sind Flurkreuze in Europa, Steinkreuze auf Friedhöfen, Gedenkkreuze sowie Altarkreuze in Kirchen. Die Kreuze können aus Sandstein, Granit, Kalkstein oder anderen Steinarten hergestellt worden sein. Sie wurden meist aus einem Block gehauen.

Steinerne Flurkreuze[Bearbeiten]

Regionale Formen[Bearbeiten]

In Form eines Keltenkreuzes, bis 6,7 Meter hoch, meist aus Sandstein oder Granit, seit 8. Jahrhundert, in Irland, Schottland, Wales, Isle of Man

In Form eines kleinen Keltenkreuzes mit einem langen Schaft, bis 5,5 Meter hoch, meist aus Sandstein, in England und Schottland

  • Skandinavisches Flurkreuz

Meist in Form eines lateinischen Kreuzes, bis 3,7 Meter hoch, meist aus Granit oder Basalt, in Norwegen, Schweden

  • Mitteleuropäisches Flurkreuz

In Form eines lateinischen oder byzantinischen Kreuzes, meist 80 bis 120 Zentimeter hoch und 40 bis 60 Zentimeter breit, meist aus Granit, in Deutschland, Österreich, Schweiz, Tschechien, Polen

Eine vergrößerte Variante des Steinkreuzes mit Elementen eines Bildstockes

Mitteleuropäische steinerne Flurkreuze[Bearbeiten]

Bei den meisten steinernen Flurkreuzen ist der Anlass ihrer Aufstellung unbekannt. Um einige ranken sich Sagen und Legenden.

Sühnekreuze und Gedenkkreuze[Bearbeiten]

Hauptartikel: Sühnekreuz

Ein häufiger Grund waren Gedenkkreuze für Personen, die durch Mord, Totschlag oder Unfall plötzlich gestorben waren. Die Vorübergehenden sollten ein Fürbittgebet für deren Seelenheil sprechen, da die Verstorbenen keine Sterbesakramente mehr erhalten konnten. Das Kreuz wurde vom Täter oder seinen Angehörigen errichtet. Es sind oberpfälzische und sächsische Sühneverträge erhalten geblieben, in denen ausdrücklich die Setzung eines Sühnekreuzes vereinbart wurde.

Wetterkreuze[Bearbeiten]

Hauptartikel: Wetterkreuz

Wetter- oder Hagelkreuze wurden möglicherweise zum Schutz vor Unwettern aufgestellt. Diese Interpretation ist aber unsicher, es gibt keine eindeutigen schriftlichen Belege dafür. Möglicherweise leitete sich die Bezeichnung auch von einer mundartlichen Bezeichnung für Sühnekreuze ab (wetten > erinnern).

Hussitenkreuze, Schwedenkreuze, Franzosenkreuze[Bearbeiten]

Im Volksmund haben die Steinkreuze regional zahlreiche Bezeichnungen, die auf historische tragische Ereignisse zurückgehen. Entlang des Böhmerwaldes gibt es „Hussitenkreuze“, in der nördlichen Oberpfalz sind es die „Schwedenkreuze“. In mehreren Sagen ist die Rede davon, dass unter diesen Denkmälern Schweden begraben liegen. Im Westen spricht man auch von „Franzosenkreuzen“.[1] Die meisten dieser Kreuze entstanden jedoch schon lange vor diesen Ereignissen, es dürfte sich um spätere Umdeutungen, oder überlagertes Gedenken an Massaker und Schlachten in der Nähe dieser Kreuze, oder bei diesen bestattete Opfer handeln. Bei einigen der Kreuze könnte es sich auch um frühe „Pestkreuze“ handeln.[2][3]

Grenzzeichen und Orientierungspunkte[Bearbeiten]

Möglicherweise wurden einige als Grenzzeichen, Richtungsweiser (Wegekreuz) oder Freisteine errichtet. Die Begrenzung der „zweimal gebrochenen Weid“ des Klosters Seligental wurde durch Steinkreuze mit dem Symbol einer Schäferschippe im Kopfteil angezeigt.[4]

Gerichts- und Schwurkreuze[Bearbeiten]

Einige der alten Kreuze könnten auf alte Formen der Gerichtsbarkeit zurückgehen, etwa als Schwurkreuze, an denen Verträge besiegelt wurden.

Gedenkkreuze über die Errichtung von mittelalterlichen Verkehrswegen[Bearbeiten]

In Zittau wurde im Jahre 1392 schriftlich bezeugt, dass als Dank für eine mildtätige Stiftung eines Kuttenberger Bürgers zur Ausbesserung einer gebirgsüberschreitenden Fernstraße nach Gabel ein Kreuz errichtet wurde. Bei Nowgorod ist ein Kreuz aus dem 12. Jahrhundert erhalten, das an den Bau eines Kanals erinnert.

Steinerne Flurkreuze in Deutschland[Bearbeiten]

Steinkreuz in der Oberpfalz

Diese Kleindenkmäler befinden sich entlang von alten Straßen und Wegkreuzungen, an Bäumen und Waldrändern, auf Anhöhen oder auf Gemeinde- und alten Herrschaftsgrenzen. Besonders häufig sind sie in der Oberpfalz und in Mitteldeutschland zu finden, wobei die Basaltkreuze fast ausschließlich in der Eifel vorkommen. Leider sind viele dieser steinernen Zeugen einer vergangenen Zeit durch Unachtsamkeit, Unwissenheit oder mutwillige Zerstörung verschwunden. Wie Rainer H. Schmeissner in seiner 1977 erschienenen Monografie Steinkreuze in der Oberpfalz schreibt, gibt es heute noch über 300 von ihnen allein in der Oberpfalz. 400 Exemplare waren es hier noch um die Jahrhundertwende, das sind fast doppelt so viele wie in Nieder- und Oberbayern zusammen.

Die vom Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden zwischen 1977 und 1980 herausgegebenen Inventare beinhalten für Sachsen einen Bestand von 436 Steinkreuzen und Kreuzsteinen.

Der höchste Bestand in Baden-Württemberg findet sich im Main-Tauber-Kreis. Bedingt durch die Naturlandschaft des Kreises – in der die landwirtschaftliche Struktur gewahrt blieb, ohne dass es zu einer Verdichtung von Siedlung und Industrie kam – wurden hier 1968 noch weit über 100 Kreuze gezählt.[3] In Bonfeld im Kreis Heilbronn ist im Bonfelder Schlosspark ein Sühnekreuz aus dem 16. Jahrhundert bewahrt worden, das an der ehemaligen Fernverbindung Wimpfen–Eppingen stand.[5]

Zustand[Bearbeiten]

Oft sind diese grob behauenen Kreuze schon in einem stark verwitterten Zustand. An manchen ist eine Zeichnung eingeritzt, nur selten haben sie aber eine Inschrift.

Außer durch Verwitterung, mutwillige oder fahrlässige Beschädigung rühren Schäden an Steinkreuzen auch vom Volksglauben her. Ein alter Steinzauber besagt, dass ein von einem Steinkreuz abgeschlagenes und in fließendes Wasser geworfenes Steinstück Zauberei und Unglück abwende[6], außerdem wurde durch Abschaben an Steinkreuzen sogenanntes Steinkreuzmehl gewonnen, dem man auch magische Kraft beimaß.[7]

Pestkreuz auf einem Pestfriedhof nahe Leiberg
Steinkreuz im sächsischen Kleinwolmsdorf bei Dresden (Einritzung Schwert)

Besondere Steinkreuze[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Müller-Veltin: Mittelrheinische Steinkreuze aus Basaltlava. 2., überarb. und erw. Aufl., Köln: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz 2001 ISBN 3-88094-570-5
  • Störzner, Bernhard Friedrich: Was die Heimat erzählt, Verlag Arwed Strauch, Leipzig, 1904 (Digitalisat der SLUB Dresden)
  • Kuhfahl, Gustav: Die alten Steinkreuze in Sachsen. Dresden 1928 und 1936 (Digitalisat)
  • Köber, Heinz: Die alten Steinkreuze und Sühnesteine Thüringens. Erfurt 1960
  • Ost, Gerhard: Alte Steinkreuze in den Kreisen Jena, Stadtroda und Eisenberg. Jena 1962
  • Deubler, Heinz, Künstler, Richard und Ost, Gerhard: Steinerne Flurdenkmale in Ostthüringen (Bezirk Gera). Gera o. J. (1977)
  • Müller/Quietzsch: Steinkreuze und Kreuzsteine in Sachsen I Inv. Bez. Dresden. Berlin 1977
  • Wendt, Hans-J.: Steinkreuze und Kreuzsteine in Sachsen II Inv. Bez. Karl-Marx-Stadt. Berlin 1979
  • Quietzsch, Harald: Steinkreuze und Kreuzsteine in Sachsen III Inv. Bez. Leipzig. Berlin 1980
  • Neuber, Dietrich und Wetzel, Günter: Steinkreuze und Kreuzsteine. Inventar Bezirk Cottbus. Cottbus 1980.. = Geschichte und Gegenwart des Bezirkes Cottbus (Niederlausitzer Studien), Sonderheft
  • Schmeissner, Rainer H.: Steinkreuze in der Oberpfalz. Regensburg 1977
  • Torke, Horst: Alte Steinkreuze zwischen Dresden, Pirna und Sächsischer Schweiz. Pirna 1983
  • Störzner, Frank: Steinkreuze in Thüringen. Katalog Bezirk Erfurt. Weimar 1984. = Weimarer Monographien zur Ur- und Frühgeschichte 10
  • Bedal, Karl: Rätselhaftes, versunken, vergessen, unsichtbar. Doch genau vermessen. Hof 1986
  • Müller/Baumann: Kreuzsteine und Steinkreuze in Niedersachsen, Bremen und Hamburg. Hameln 1988
  • Störzner, Frank: Steinkreuze in Thüringen. Katalog Bezirke Gera–Suhl. Weimar 1988. = Weimarer Monographien zur Ur- und Frühgeschichte 21
  • Torke, Horst: Steinerne Zeugen der Geschichte im Landkreis Sächsische Schweiz. Pirna 1998 ISBN 3-932460-09-X
  • … und erschlugen sich um ein Stücklein Brot. Sühnekreuze in den Landkreisen Schwäbisch Hall und Hohenlohe. eine Fotodokumentation von Eva Maria Kraiss; Marion Reuter; Bernhard Losch. Künzelsau 2000. ISBN 3-934350-31-3
  • Walter Saal: Steinkreuze und Kreuzsteine im Bezirk Halle. Landesmuseum f. Vorgeschichte, Halle 1989; ISBN 3-910010-01-6.
  • Heinrich Riebeling: Steinkreuze und Kreuzsteine in Hessen Werner Noltemeyer Verlag, Dossenheim/Heidelberg 1977; ISBN 3-88172-005-7
  • Ada Paul: Steinkreuze und Kreuzsteine in Österreich, Horn 1975
  • Ada Paul: Steinkreuze und Kreuzsteine in Österreich (Nachtrag), Regensburg 1988

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stone crosses – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma
 Wiktionary: Mordstein – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Mordkreuz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Mordsäule – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Schwedenkreuz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Sühnestein – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Sühnekreuz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Wetterkreuz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. In der Schlacht von Rotensol vom 6.–9. Juli 1790 wurden die Reichstruppen von Erzherzog Karl von Österreich von französischen Truppen unter General Moreau vernichtend geschlagen. Das Dorf Rotensol mit damals 150 Einwohnern wurde völlig zerstört. Ein Soldaten-Massengrab, gekennzeichnet durch ein kleines Steinkreuz und eine Gedenktafel, erinnert an dieses Ereignis., siehe Amalie Heck: Schicksalswege Badischer Geschichte. Oberrheinische Straßen, regionale Verkehrswege und Verteidigungslinien in ihrer Bedeutung für die landesgeschichtliche Entwicklung. Badenia Verlag, Karlsruhe 1996. ISBN 3-7617-0331-7. S. 79.
  2. Bernhard Losch schreibt: „Die volkstümliche Überlieferung geht […] unbefangen und unkompliziert mit [den] Kreuzen um.“
  3. a b Bernhard Losch: Steinkreuze in Baden- Württemberg. Kommissionsverlag Konrad Theiss, Stuttgart 1981, ISBN 978-3806207545.
  4. Von diesen Steinkreuzen standen in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts noch sechs Exemplare. Das letzte dieser Kreuze wurde vor dem Untergang gerettet, indem es bei der St. Sebastian Kirche in Seckach im Neckar-Odenwald-Kreis aufgestellt wurde. So Gebhard Schmitt: Die alten Steinkreuze auf Seckacher Gemarkung. Nur noch ein Exemplar erinnert an ehemalige Weidgrenze. In: Unser Land. Heimatkalender für Neckartal, Odenwald, Bauland und Kraichgau. 2015. Verlag Rhein-Neckar-Zeitung GmbH, Heidelberg 2014. ISBN 978-3-936866-57-5. S. 171–174.
  5. Hans-Heinz Hartmann: Historische Wegenetze, vergessene Kulturdenkmale unserer Heimat. In: Unser Land. Heimatkalender für Neckartal, Odenwald, Bauland und Kraichgau. 2015. Verlag Rhein-Neckar-Zeitung GmbH, Heidelberg 2014. ISBN 978-3-936866-57-5. S. 103–106.
  6. Hans-Heinz Hartmann: Zeugen mittelalterlichen Brauchtums in: Schwaben & Franken, heimatgeschichtliche Beilage der Heilbronner Stimme 42. Jg., Nr. 4, Juni 1996
  7. J. Rünemann: Rillen und Näpfchen auf sakralen Denkmalen. In: Mitteilungsblatt der internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie Nr. 29, 1977