Franziska Kessel

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Franziska Kessel
Gedenkveranstaltung in Frankfurt
Zeitungsausschnitt, FR, 1. August 1945

Franziska Kessel (* 6. Januar 1906 in Köln; † 23. April 1934 in Mainz) war eine deutsche Politikerin (KPD) und Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Besuch der Volks- und Fortbildungsschule in Köln machte Kessel eine Lehre als Verkäuferin und arbeitete später in diesem Beruf. Von 1920 bis 1928 war sie Mitglied im Zentralverband der Angestellten (ZdA), ab 1928 Mitglied des Gesamtverbandes der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs. 1921 schloss sie sich der Sozialistischen Arbeiter-Jugend an, die sie jedoch 1923 wieder verließ, da sie die reformistische Politik dieser Organisation nicht mehr mittragen wollte. 1925/26 war sie Mitglied des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes, 1928 wurde sie schließlich Mitglied der KPD. Wegen ihrer kommunistischen Betätigung wurde sie im Sommer 1930 vom Reichsgericht zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Nach ihrer Entlassung wurde Kessel Leiterin der Frauenabteilung bei der KPD-Bezirksleitung Hessen-Frankfurt. Zeitweilig arbeitete Kessel als Dienst- und Kindermädchen im Haushalt der Politikerin Erika Buchmann und deren Ehemann Albert Buchmann, des KPD-Reichstagsabgeordneten.[1]

Von Juli 1932 bis März 1933 war Franziska Kessel Abgeordnete für die KPD im Reichstag.

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 arbeitete sie im Untergrund weiter. Kessel fuhr als Instrukteur durch den Bezirk Hessen-Frankfurt und suchte dabei eine Vielzahl von Ortsgruppen der KPD auf, um diese auf die Kampfbedingungen in der Illegalität vorzubereiten. Zudem sammelte sie dabei Augenzeugenberichte über den Nazi-Terror gegen die deutsche Arbeiterbewegung. Dieses Material diente der Vorbereitung des Antifaschistischen Arbeiterkongresses Europas, der im Juni 1933 im Pariser Pleyel-Saal stattfand.

Am 4. April 1933 wurde sie verhaftet und am 17. November desselben Jahres durch das Oberlandesgericht Darmstadt wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. In der Anklageschrift wurde Kessel beschuldigt, sie habe illegale Verbindungen zwischen Kommunisten hergestellt und Flugblätter staatsfeindlichen Inhalts verteilt. Während der Haft erblindete sie, ob aufgrund der Folter oder der allgemeinen entsetzlichen Haftbedingungen ist unklar.[2] Kessel starb unter ungeklärten Umständen in der Zuchthausabteilung des Landgerichtsgefängnisses Mainz in der Diether-von-Isenburg-Straße. Laut einem Bericht von Cäcilie Barbara Schaeffer, einer zur gleichen Zeit ebenfalls in Mainz inhaftierten früheren Landtagsabgeordneten der KPD, beging Kessel Suizid.[3]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafeln am Reichstag

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Luise Kraushaar (Hrsg.): Deutsche Widerstandskämpfer 1933–1945. Biographien und Briefe. Band 1. Dietz, Berlin 1970, S. 488f.
  • Hermann Weber, Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. 2., überarbeitete und stark erweiterte Auflage. Dietz, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02130-6 (online [abgerufen am 23. Januar 2012]).
  • Johannes Chwalek: „Vorläufig bin ich noch in Einzelhaft“ – Franziska Kessel (1906–1934). In: Mainzer Geschichtsblätter, hg. vom Verein für Sozialgeschichte Mainz e. V., Heft 15 (2014), S. 123–146.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Chwalek: „Vorläufig bin ich noch in Einzelhaft“ – Franziska Kessel (1906–1934), in: Mainzer Geschichtsblätter 15 (2014), S. 123–146, hier S. 129.
  2. Johannes Chwalek: „Vorläufig bin ich noch in Einzelhaft“ – Franziska Kessel (1906–1934), in: Mainzer Geschichtsblätter 15 (2014), S. 123–146, hier S. 142.
  3. Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933−1945. Droste-Verlag, Düsseldorf 1991, ISBN 3-7700-5162-9, S. 326f.