Frauenwahlrecht in Finnland

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Das Frauenwahlrecht in Finnland wurde am 1. Juni 1906 durch eine Landtagsverordnung eingeführt. Damit war Finnland das erste Land in Europa, in dem Frauen wählen durften.

Finnland stand zu dieser Zeit unter Herrschaft des Russischen Reichs, besaß dennoch weitgehende Autonomie. Es hatte einen Vierständelandtag, in dem Adel, Kirche, Bürger und Freibauern vertreten waren. Außerdem verfügte Finnland über ein eigenes Grundgesetz. Das Wahlrecht für den Landtag besaßen rund 15 Prozent der männlichen Bevölkerung.[1]

Proteste und Generalstreik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Jahr 1905 war von Demonstrationen und Unruhen durchzogen. Hier eine Demonstration vor dem Rathaus in Jakobstad im Herbst 1905.

Im Jahr 1899 erließ Zar Nikolaus II. das Februarmanifest, womit die finnische Autonomie im Russischen Reich aufgehoben wurde. In Finnland kam es zu zahlreichen Protesten, denn die finnische Bevölkerung wollte ihre weitgehende Unabhängigkeit zurückgewinnen. Zur gleichen Zeit erhielt auch die Arbeiterbewegung, in der auch Frauen eine wichtige Rolle einnahmen, viel Zuspruch und forderten soziale Ungleichheit zu bekämpfen. Das Wahlrecht für alle war eines der zentralen Themen ihres Kampfes. Ende Oktober 1905 kam es zu einem Generalstreik.

Der russische Zar beschloss den Forderungen nachzugeben, um weitere Eskalationen zu vermeiden. Mit dem erlassenen Novembermanifest stellte der Zar die finnische Autonomie wieder her und reformierte den Vierständelandtag. Am 20. Juli 1906 bestätigte der Zar die neue Landtagsverordnung. Das Ständesystem wurde durch ein Einkammer-Parlament ersetzt, das in allgemeinen und gleichen Wahlen bestimmt wurde. Alle finnischen Staatsbürger ab 24 Jahren waren nun wahlberechtigt, unabhängig von ihrem Geschlecht und ihrem gesellschaftlichen Stand.

Mit der Parlamentsreform erlangten Frauen zum ersten Mal in Europa das Recht zu wählen und sich selbst zur Wahl zu stellen. In Neuseeland hatten Frauen bereits 1893 das aktive Wahlrecht erhalten. In Australien wurde das aktive und passive Wahlrecht für Frauen 1902 eingeführt.[2]

Parlamentswahlen in Finnland 1907[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 1907 fanden die ersten Wahlen für das neue finnische Parlament statt. Die Zahl der Wahlberechtigten hatte sich nach der Parlamentsreform verzehnfacht. Neben Frauen durften nun auch erstmals 85 Prozent der männlichen Bevölkerung wählen, deren Stände bis dato nicht im Ständeparlament vertreten gewesen waren. Die Wahl hatte eine Beteiligung von 70,7 Prozent. 62 Kandidatinnen stellten sich zur Wahl, 19 von ihnen zogen in das Parlament ein.

Die meisten Frauen gehörten der Sozialdemokratischen Partei an, die mit 80 Sitzen im Parlament auch die meisten Stimmen erhielt. Unter ihnen auch Miina Sillanpää, die anschließend rund 40 Jahre im finnischen Parlament saß und 1926 als Sozialministerin die erste Frau in einem finnischen Ministeramt war.[3]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Finnland das Frauenwahlrecht eingeführt hatte, folgten Norwegen im Jahr 1913, Dänemark und Island 1915, Estland 1917 sowie Lettland und Deutschland 1918. In Großbritannien erhielten Frauen 1928 das Wahlrecht, in Frankreich 1944. Als letztes europäisches Land führte Liechtenstein 1984 das Frauenwahlrecht ein.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/231260/1906-frauenwahlrecht-finnland-18-07-2016
  2. http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/231260/1906-frauenwahlrecht-finnland-18-07-2016
  3. http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/231260/1906-frauenwahlrecht-finnland-18-07-2016
  4. http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/231260/1906-frauenwahlrecht-finnland-18-07-2016