Frieda Claudy

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
"Der einsame Baum." Ca. 400 Jahre alte Eiche an der Goldkaute oberhalb von Saßmannshausen.

Frieda Claudy (* 7. Januar 1880 in Berleburg; † 23. August 1946 ebenda) war eine deutsche Heimatschriftstellerin und Gemeindeschwester der evangelischen Kirchengemeinde in Berleburg.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dichterin mit dem ursprünglichen Vornamen Elfriede wurde am 7. Januar 1880 als zweite von drei Töchtern des fürstlichen Hofjägers Friedrich Claudi (1845–1882) und seiner Ehefrau Christiane geb. Dickel (1852–1924) geboren.[1] Sie wuchs als Halbwaise auf, nachdem ihr Vater im Alter von 36 Jahren an der Schwindsucht verstarb.[2] In einer nach der Beerdigung veröffentlichten Danksagung im Wittgensteiner Kreisblatt erschien erstmals ihr Familienname mit Y, den die Familie fortan verwandte.[3] Das älteste Gedicht von Frieda Claudy mit dem Titel Pfingstgruß veröffentlichte sie im Alter von 23 Jahren in der Zeitung ihrer Heimatstadt.[4] Hiernach folgte eine Vielzahl von Gedichten zu offiziellen Anlässen (z. B. Einweihung der Turnhalle[5], Einzug des Fürsten Richard zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg nach seiner Heirat[6], Eröffnung der Bahnstrecke Raumland-Berleburg[7], Einweihung der Kleinkinderschule[8] usw.), die auch die Lyrikerin bekannter machten. Claudys Berufstätigkeit als Krankenschwester begann im Kriegsjahr 1914. Nach einem Kursus für Kranken- und Verwundetenpflege arbeitete sie als Rot-Kreuz-Helferin in einem Lazarett, das im Schloss Berleburg eingerichtet worden war. Später ließ sie sich in der Wochen- und Säuglingspflege ausbilden und legte in der Universitätsklinik Gießen ihr Examen ab.[9] Nach Abschluss ihrer Ausbildung war Frieda Claudy von 1923 bis Ende 1927 im damaligen Kreis Wittgenstein in mehreren privilegierten Haushalten (z. B. Hüttenbesitzer Freiherr von Wittgenstein, Amtmann Dr. Schulenburg, Landrat Erich Kretschmar) als Kinder- und Säuglingsschwester tätig. Weitere Stationen ihres beruflichen Wirkens waren Bochum, Witten und Krefeld. 1934 bewarb sich Claudy erfolgreich um die Stelle der Gemeindeschwester in Berleburg und wurde dort am 26. Mai 1934 eingestellt; eine Funktion, die sie bis zu ihrem Tode ausübte.

Frieda Claudy starb am 23. August 1946 im Alter von 66 Jahren im Krankenhaus Berleburg.[10][11] Sie hat durch ihr lebenslanges Schaffen die lokale Literatur bereichert. Ihre Naturverbundenheit, Ihre Heimatliebe und ihre Sehnsucht kommen in nahezu jedem ihrer Gedichte zum Ausdruck, die meist hoffnungsvoll enden.[12] Waren bisher 63 Gedichte bibliografisch erfasst[13], so konnten bei aktuellen Recherchen inzwischen mehr als 150 Werke von Frieda Claudy belegt werden.[14]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zur Jahreswende, Wittgensteiner Kreisblatt, 2. Januar 1904.
  • Zum Totenfest, Wittgensteiner Kreisblatt, 23. November 1907, S. 1.
  • Der einsame Baum, Wittgensteiner Kreisblatt, 11. Januar 1924.
  • Letzter Gruß unserm geliebten Fürsten Richard zu Sayn=Wittgenstein=Berleburg, von den Getreuen seines Landes Wittgenstein, Wittgensteiner Kreisblatt vom 11. Mai 1925.
  • Heimat, Das schöne Wittgenstein (DschW) 1938, Nr. 6, S. 45.
  • Weihnachten in der Stadt, DschW. 1938, Nr. 12, S. 92.
  • Die alte Bank, DschW. 1939, Nr. 8, S. 61.
  • Winterzauber, DschW. 1939, Nr. 12, S. 92.
  • Einführungsprolog für das neue Heimatbuch, in: DschW, H. 1, Jg. 1927, Verlag Ernst Schmidt, Laasphe 1927, S. 11.
  • Heimkehr, in: Fritz Vitt (Hg), Wittgensteiner Heimatbuch, Laasphe 1938, S. 189.
  • Herbsttag in der Heimat, in: Fritz Krämer (Hg) im Auftrag des Arbeitsausschusses Heimatbuch, Wittgensteiner Heimatbuch, Band II, Balve 1965, S. 455.
  • Noch einmal…, in: G. Hippenstiel, Werner Wied (Hg), Wittgenstein III, Bad Laasphe 1984, S. 326.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Kringe und VHS Siegen-Wittgenstein: Natur- und Heimatgedichte – Frieda Claudy (1880–1946), Druckerei Benner, Bad Berleburg 1992, 138 S.
  • Klaus Homrighausen, Helmut Peter, Hans Petry: Kapitel Persönlichkeiten in: Bad Berleburg. Ein Streifzug in Bildern durch 120 Jahre Stadtgeschichte, Gemeinschaftsverein Bad Berleburg e.V., Bad Berleburg 2008.
  • Dieter Bald: Eine fast vergessene Wittgensteiner Dichterin: Frieda Claudy (1880–1946) in: Wittgenstein, Blätter des Wittgensteiner Heimatvereins e.V., Jg. 108, Bd. 84, H. 3, S. 122–138.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Elfriede/ der siebte Januar/ früh, ein Uhr/ Vater: Friedrich Claudi [sic!], fürstlicher Hofjäger/ Mutter: Christiane geb. Dickel/ getauft: 1. April 1880. Ev. Kirche Berleburg (Stadt), Taufregister Nr. 10/1880.
  2. Ev. Kirche Berleburg (Stadt), Sterberegister Nr. 16/1882.
  3. Danksagung für Hofjäger Claudy, Wittgensteiner Kreisblatt vom 15. April 1882.
  4. Frieda Claudy: "Pfingstgruß", Wittgensteiner Kreisblatt, 30. Mai 1903.
  5. Bericht zur Einweihung der Turnhalle am 30. April 1905, Wittgensteiner Kreisblatt vom 3. Mai 1905; CLAUDY: Prolog zur Turnhallen=Einweihung am 30. April 1905, WKB vom 6. Mai 1905.
  6. Claudy: Dem Fürstenpaar, in: Heinz Strickhausen, Berleburg. Eine Kleinstadt nach der Jahrhundertwende, Teil I. Die gute alte Zeit? Bad Berleburg 2011, S. 99.
  7. Claudy: Fest=Gruß zur Betriebs-Eröffnung der Bahnstrecke Raumland-Berleburg am 1. Oktober 1910, WKB vom 1. Oktober 1910, S. 1. Vgl. Heinz Strickhausen, ebenda S. 200.
  8. Claudy: Zur Einweihung der Kleinkinderschule; entsprechender Bericht im WKB vom 9. November 1910.
  9. Archiv der Kirchengemeinde Berleburg, Bestellsignatur 231 (u. a. Bewerbung der Schwester Frieda Claudy (Krefeld) auf eine Gemeindeschwesterstelle in Berleburg, 1933).
  10. Sterbefallanzeige, Standesamt Berleburg, Nr. 106/1946, 24. August 1946.
  11. Ev. Kirche Berleburg (Stadt), Sterberegister, Nr. 33/1946.
  12. Klaus Homrighausen, Helmut Peter, Hans Petry: Kapitel Persönlichkeiten in: Bad Berleburg. Ein Streifzug in Bildern durch 120 Jahre Stadtgeschichte, Gemeinschaftsverein Bad Berleburg e.V., Bad Berleburg 2008, S. 171.
  13. Andreas Krüger: Bibliographie Wittgenstein, Blätter des Wittgensteiner Heimatvereins e.V., Beiheft 3, Fünfte Auflage, Bad Laasphe 2019, S. 410–413.
  14. Dieter Bald: Eine fast vergessene Wittgensteiner Dichterin: Frieda Claudy (1880–1946) in: Wittgenstein, Blätter des Wittgensteiner Heimatvereins e.V., Jg. 108, Bd. 84, H. 3, S. 134.