Friedenskaiser

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Der Friedenskaiser war nach im Mittelalter verbreiteter eschatologischer Erwartung eine messianische Herrschergestalt aus der Reihe der fränkischen Könige, deren Erscheinen das Ende der Welt vorbereiten werde. Die Wurzeln dieser Vorstellung gehen bis auf die altrömische Prophezeiung der Herrschaft Saturns (aurea aetas) und den hellenistisch-jüdischen Messianismus zurück. Bezeugt ist sie u. a. im Antichrist des Adso von Montier-en-Der (10. Jahrhundert) und in der Apokalypse des Pseudo-Methodius (auf lateinisch erstmals im 8. Jahrhundert). Ernst Bernheim zufolge erklärt sich diese Untergangserwartung mit der Verlagerung der endzeitlichen Verheißungen in die Gegenwart, die Gut und Böse, Friedenskaiser wie Antichrist zu diesseitiger Historie werden lässt und als ersehntes Gegenbild zur Wirklichkeit gleich einem Deus ex machina das Volk erlösend auftritt.

Das konkrete christlich-apokalyptische Szenario sah vor, dass der Friedenskaiser das Heilige Römische Reich – in der Nachfolge und als Träger der dignitas des Römischen Reichs – über die ganze Welt ausdehnen und die Heiden bekehren werde, bevor er seine Herrschaftsinsignien am Ölberg in Jerusalem niederlegen werde und nach seinem Verzicht und dem damit einhergehenden Ende des Reichs die Schreckensherrschaft des Antichristen begänne, die mit dem Weltgericht Gottes ende.

Unter den Herrschern, deren Wiederkunft als Friedenskaiser erwartet wurden, waren Friedrich II., später sein Großvater Friedrich I. (genannt Barbarossa) und Karl der Große. Bei den inhaltlich, zeitlich und lokal unterschiedlich entstandenen Sagen über die Wiederkunft der drei Herrscher schlug sich das literarisch-mythologische Motiv der Bergentrückung nieder, welches als Entrückungsmotiv vor allem im germanischen/deutschen Sprachraum zu finden ist. Bei Otto von Freising[1] finden sich Anhaltspunkte, dass der Kaisername Friedrich wegen seiner Bedeutung den Glauben nährte, der letzte Kaiser erscheine in Gestalt eines der Namensträger. Im späten Mittelalter änderte sich diese Vorstellung; der Friedenskaiser würde nun nach verbreiteter Auffassung „aus dem Volk“ stammen. Hochstapler wie Dietrich Holzschuh, der elsässische Einsiedler Heinrich (beide 1285) und andere „falsche Friedriche“, die für sich reklamierten, sie seien der zurückgekehrte Kaiser, machten sich dies zu Nutze.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hannes Möhring: Der Weltkaiser der Endzeit. Entstehung, Wandel und Wirkung einer tausendjährigen Weissagung (= Mittelalter-Forschungen. Band 3). Thorbecke, Stuttgart 2000, ISBN 3-7995-4254-X.
  • Tilman Struve: Friedenskaiser. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 4, Artemis & Winkler, München/Zürich 1989, ISBN 3-7608-8904-2, Sp. 921–923.
  • Tilman Struve: Die falschen Friedriche und die Friedenssehnsucht des Volkes im späten Mittelalter. In: Fälschungen im Mittelalter. Internationaler Kongress der Monumenta Germaniae Historica, München, 16.–19. September 1986, Teil 1: Kongreßdaten und Festvorträge. (= MGH-Schriften. Band 33). Hahn, Hannover 1988, ISBN 3-7752-5156-1, S. 317–337.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Monumenta Germaniae Historica, Scriptores rerum Germanicarum. Chron. 2 17–22