Friedenskirche (Bremen)

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Friedenskirche Bremen
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Die Friedenskirche von 1869/70 dient der Bremer evangelischen Friedensgemeinde in der Östlichen Vorstadt, Humboldtstraße 175.

Die Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Industrialisierung zogen viele junge Menschen vom Land in die Stadt Bremen. Die Initiative zum Bau ging 1863 von der Inneren Mission aus, um dem „christlichen und sittlichen Verfall“ im proletarischen Milieu der Vorstadt und der Vereinsamung und Verelendung in der östlichen Vorstadt entgegenzuwirken.

Die neogotische Friedenskirche wurde deshalb von 1867 bis 1869/70 nach Plänen von Simon Loschen von Johannes Rippe als Backsteinbau auf freiem Feld erbaut. Der Zentralbau der Saalkirche hat einen 45 Meter hohen Turm über der Vierung und zwei niedrigere, achteckige flankierende Fialtürme, sowie einen flachen, eingerückten Chor. Der Vierungsturm wurde 1939 bei Renovierungsarbeiten abgebrochen.

Innen hat die Kirche eine Holzdecke. Das Altargemälde stammt von Pfannenschmidt.[1]

Die Originalglocken von 1872 wurden aus französischen Kanonen gegossen, welche vom Kaiser Wilhelm I. dazu geschenkt wurden.
Das Gemeindehaus und das Pfarrhaus in der Wielandstraße wurden 1893 eingeweiht.[1]

1944 wurde das Gebäude durch Brandbomben schwer beschädigt und das Gemeindehaus zerstört. Der Gottesdienst fand im Wichernhaus statt. Der Wiederaufbau erfolgte 1948/49. Ein neues Gemeindehaus entstand 1968, das 2006/07 um das CaféPax erweitert wurde

Die Friedensgemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1863 setzte die Innere Mission für die Neubaugebiete der Östlichen Vorstadt einen Diakon ein und 1865 einen Stadtmissionar. 1868 wurde Pastor Otto Funcke († 1910) der erste Missionspastor. Der sozial orientierte Pastor diente dieser Kirche bis 1904.

Die Kirchengemeinde wurde am 5. Juni 1872 als unierte Gemeinde konstituiert und von Funcke als Friedenskirche benannt. Die Gemeinde gehört zur Bremischen Evangelischen Kirche.
Kirche und Gemeindehaus dienen für Veranstaltungen und Begegnungen. Die Gemeinde hat eine Kindertagesstätte. Sie organisiert eine Jugend- und Stadtteilarbeit. Im Gemeindehaus befindet sich das Kinderschutzzentrum Bremen und der Deutsche Kinderschutzbund, der Verein Kinder haben Rechte und die Bremer Chorwerkstatt. Die Friedensgemeinde im Vierte gehört zu den Bremer Kirchengemeinden, in denen lesbische und schwule Paare eine Segnungsfeier feiern können.[2] Dagegen weigerte sie sich, dem evangelikalenChristival“ Räume zu Verfügung zu stellen.

Kontroverse um ein Theaterprojekt (2004)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004 wurde in der Friedenskirche das Theaterprojekt Die zehn Gebote des Österreichers Johann Kresnik uraufgeführt. Zuvor gab es heftige Kontroversen, auch in überregionalen Medien, um die künstlerische Freiheit und die Aufführung des skandalumwitterten Stückes in einer Kirche. Kritikpunkte waren eine nackte blonde Eva im Altarraum, ein das Schlumpflied singender Kinderchor mit roten Zipfelmützen, sechs nackte Näherinnen, die Deutschlandfahnen flicken, vor allem aber eine Kopulationsszene zum sechsten Gebot – „Du sollst nicht ehebrechen“.[3] Die Aufführungen wurden von der Bremer Polizei gesichert; es kam zu Protesten von wenigen Demonstranten. Die damalige evangelische Landesbischöfin in Hannover Margot Käßmann hatte sich gegen die Aufführung des Stückes in der Kirche ausgesprochen.

Literatur, Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedenskirche (Bremen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Franz Buchenau, Die freie Hansestadt Bremen und ihr Gebiet, 3. Auflage Bremen 1900, S. 201, archive.org
  2. Segen für lesbische und schwule Paare. Abgerufen am 3. Juli 2016 (PDF; 226,3 kB).
  3. Wolfgang Höbel: Theater: Ach Gottchen – Kresniks Nackte in der Kirche. In: Spiegel Online. 23. Januar 2004, abgerufen am 3. Juli 2016.

Koordinaten: 53° 4′ 26″ N, 8° 50′ 1″ O