Friederike Migneco

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Friederike Maria Cayetana Migneco[1] (* 22. Februar 1963 in Luxemburg) ist eine deutsch-italienische Lyrikerin und Essay-Autorin.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Migneco verbrachte ihre Jugend in Italien, wo sie das altsprachliche Gymnasium Liceo Spedalieri in Catania besuchte, und in Luxemburg, wo sie alte Sprachen an der Europäischen Schule erlernte. Sie schloss in Rom an der Universität La Sapienza 1988 ihre Studien der vergleichenden Religionsgeschichte und der Orientalistik mit einer Arbeit zum Bild Japans Im Deutschland des Dritten Reiches ab. Von 1983 bis 1985 absolvierte sie einen Studiengang der Geschichte und Kulturen des Mittleren und Fernen Ostens am I.S.M.E.O. (Italienisches Institut für den Mittleren und Fernen Osten), dessen Gründer Giuseppe Tucci war. Zu den Hochschullehrern von Migneco gehörten Persönlichkeiten wie der Althistoriker Santo Mazzarino und der Tucci-Nachfolger und Vipassana-Lehrer Corrado Pensa. 1989 arbeitete sie im italienischen Parlament für den Abgeordneten Vito Napoli als dessen Beraterin für die Öffentlichkeitsarbeit, und in den folgenden Jahren als freie Übersetzerin in Sizilien. Migneco hat „längere Zeit in Japan gelebt und intensive Begegnungen mit den religiösen Traditionen des Orients gehabt.“[3] Sie wohnt heute in ihrem Geburtsland, wo sie Leiterin der Stadtbibliothek Düdelingen ist, und nahm im April 2001 die luxemburgische Staatsbürgerschaft an.[4]

Lyrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friederike Migneco veröffentlichte 2011 die Sammlung von Liebesgedichten ich bin aus dir gemacht unter dem Namen Cayetana Caruso. Wie die Literaturkritikerin Elise Schmit schreibt, würde es in diesem Fall bei der Wahl des Pseudonyms nicht um „spielerische Selbstverleugnung“ gehen. „Es geht vielmehr darum, dass mit der Textproduktion gleichzeitig ein ‚Ich’, das sich diesen Namen gibt, ‚gemacht’, also hervorgebracht wird. ‚Cayetana Caruso’ ist daher streng genommen kein Pseudonym, denn der Name dient nicht der Täuschung: Sein Sinn ist nicht, zu verhüllen, sondern sichtbar werden zu lassen. Er ist, wenn man so will, die äußerste Hülle einer Autoridentität, die sich erst durch den Prozess des lyrischen Schreibens konstituiert.“[5] Paul Taylor schrieb über Mignecos Lyrik: „Der Untertitel der Sammlung lautet liebesgedichte, und von Liebe handeln in der Tat die meisten von Carusos Gedichten. Gleichwohl bleibt offen, ob es sich hierbei um die Liebe einer Frau zu einem Mann oder um die Liebe einer Seele zu ihrem Schöpfer handelt. Diese Fragen stellen sich dem Leser unwillkürlich, werden aber nicht eindeutig beantwortet, und es sind sowohl das Geheimnis dessen, was gesagt wird, als auch die Intensität, mit der es ausgedrückt wird, die diese Gedichte so aufwühlend, so kraftvoll und so ergreifend machen.“[6] Das Buch trägt die Widmung „Dir, Luc, und der Différence fondamentale“.[7] Wie die Literaturwissenschaftlerin Josiane Weber schreibt, ginge es dabei nicht um die „Differenz“ zwischen Mann und Frau, sondern die „Différence fondamentale [de l’Être]“, auf der das transzendentale Denken des französischen Philosophen Maxence Caron beruht. Die Widmung "versteht sich als ein Hinweis auf die thematische Konvergenz beider Autoren unter dem Zeichen des Ganz Anderen."[8]

Kritik an der Biotechnologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Migneco stand in engem Kontakt mit dem österreichisch-amerikanischen Wissenschaftler und Schriftsteller Erwin Chargaff, dessen Werk und Anliegen sie in Italien bekannt machte.[9] Der Briefwechsel Chargaffs mit Migneco wird im Deutschen Literaturarchiv in Marbach aufbewahrt.[10] Nachdem sie von Chargaff in die Probleme der Genforschung eingeführt worden war, wurde Migneco eine exponierte Kritikerin der Biotechnologie. Sie legte zahlreiche Aufsätze vor, die sich kritisch mit Gentechnik beschäftigen.[11] Migneco war für Luxemburg die Repräsentantin des International Forum for Genetic Engineering (Ifgene).

Tätigkeit als Verlegerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kairos Edition

Gemeinsam mit dem österreichischen Religionswissenschaftler und Philosophen Volker Zotz gründete Friederike Migneco 2002 in Luxemburg den gemeinnützigen Kulturverlag Kairos Edition. Im Programm des Verlages finden sich neben dem deutschen Surrealisten Richard Anders und Valentin Tomberg auch Bücher zur christlichen Spiritualität und zum Buddhismus, wie von Lama Anagarika Govinda, einem prominenten Vermittler des tibetischen Buddhismus an den Westen. Die luxemburgische Übersetzung der ersten zwei Bände des Kinderbuch-Klassikers Harry Potter von Joanne K. Rowling versteht sich als einen Beitrag zur Etablierung des Luxemburgischen als internationale Literatursprache. Der Verlag sieht in seinem Sitz in Luxemburg "einen besonderen Auftrag. Das mehrsprachige Großherzogtum zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien liegt am Schnittpunkt germanischer und romanischer Kultur. Hieraus ergibt sich für die KairosEdition der Anspruch eines interkulturellen Programms und im weiteren Sinn des Überschreitens kultureller und geistiger Barrieren. Autoren der KairosEdition sind vielfach Grenzgänger zwischen den Systemen, Regionen und Kulturen."[12]

Valentin Tomberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Valentin Tomberg

Gemeinsam mit Wilhelm Maas, Martin Kriele, Giancarlo Roggero und anderen arbeitet Migneco an einem Verständnis der Philosophie des baltischen Mystikers Valentin Tomberg, den sie in einer engen Verwandtschaft zu Carl Gustav Jung sieht.[13] Sie hat ein Werk Tombergs ins Italienische übersetzt[14] und gemeinsam mit Volker Zotz das unveröffentlichte Werk von Tomberg Le mat itinérant sowie Innere Gewissheit[15] herausgegeben.[16]

Sonstige Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Migneco war Präsidiums- und Redaktionsmitglied der Luxemburger Kulturzeitschrift forum für Politik, Gesellschaft und Kultur, in der sie regelmäßig Artikel veröffentlichte. In Italien wurden Texte und Übersetzungen von Migneco in Zeitschriften wie Il Foglio, La Sicilia, Si alla vita und Lo Straniero veröffentlicht. Sie war zudem Vorstandsmitglied des Centre de Documentation sur les Migrations Humaines in Dudelingen, eines Zentrums für Migrationsforschung, das 1995 gegründet wurde. Seit 2007 veröffentlicht sie Beiträge zur Kulturgeschichte und literarische Rezensionen in der Warte, die wöchentliche Beilage des Luxemburger Wort[17]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Erwin Chargaff (Hrsg.): Mistero Impenetrabile. La scienza come lotta pro e contro la natura. Scrinium, Catania 1995, ISBN 88-86554-00-1.
  • mit Volker Zotz (Hrsg.): Totus tuus. Marianisches Lesebuch zur Luxemburger Muttergottes-Oktave. Kairos, Luxembourg 2004, ISBN 2-9599829-9-1.
  • mit Volker Zotz: Der Fall Buttiglione. In: Forum für Politik, Gesellschaft und Kultur. Luxembourg., Nr. 241 (Nov. 2004), S. 15–20.
  • Die Bedeutung C.G. Jungs in Werk und Erkenntnismethode von Valentin Tomberg. In: Michael Frensch, Elisabeth Heckmann (Hrsg.): Valentin Tomberg, Leben- Werk - Wirkung. Novalis Verlag, Schaffhausen 2006, ISBN 3-907160-82-7.
  • mit Volker Zotz (Hrsg.): Valentin Tomberg: Le mat itinérant: l'amour et ses symboles - une médidation chrétienne sur le Tarot. Der wandernde Narr: die Liebe und ihre Symbole - eine christliche Tarot-Meditation. Kairos, Luxembourg 2007, ISBN 978-2-9599829-5-8.
  • mit Erwin Chargaff (Hrsg.): Mistero Impenetrabile. La scienza come lotta pro e contro la natura. Lindau, Torino 2009, ISBN 978-88-7180-843-7.
  • als Hrsg.: Valentin Tomberg: Lazzaro: un miracolo che continua. Estrella de Oriente, Trento 2010, ISBN 978-88-87037-17-3.
  • als Cayetana Caruso: ich bin aus dir gemacht: liebesgedichte. Edition Signathur, Dozwil 2011, ISBN 978-3-908141-77-8.
  • mit Volker Zotz (Hrsg.): Valentin Tomberg: Innere Gewissheit. Über den Weg, die Wahrheit und das Leben. Kairos Edition, Luxemburg 2012, ISBN 978-2-919771-00-4.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der vollständige Name findet sich in: Memorial. In: Journal Officiel du Grand-Duché de Luxembourg. B, N° 47, 19 juillet 2001, S. 920.
  2. Zur Biografie von Friederike Migneco vgl. Josiane Weber: Friederike Migneco. In: Centre national de littérature: Luxemburger Autorenlexikon.
  3. Paul Taylor: Unzeitgemäße Liebesgedichte. Cayetana Caruso legt eine verstörende zweisprachige Lyriksammlung vor. In: Luxemburger Wort. Die Warte. 28. April 2011.
  4. Memorial. In: Journal Officiel du Grand-Duché de Luxembourg. B, N° 47, 19 juillet 2001, S. 920.
  5. Elise Schmit: Lyrische Selbstfindung. In: d'Lëtzebuerger Land. 29. Juli 2011.
  6. Paul Taylor: Unzeitgemäße Liebesgedichte. Cayetana Caruso legt eine verstörende zweisprachige Lyriksammlung vor. In: Luxemburger Wort. Die Warte 28. April 2011.
  7. Cayetana Caruso: ich bin aus dir gemacht. Edition Signathur, Dozwil 2011, ISBN 978-3-908141-77-8, S. 7.
  8. Josiane Weber: Friederike Migneco. In: Centre national de littérature: Luxemburger Autorenlexikon.
  9. Erwin Chargaff: Mistero Impenetrabile. La scienza come lotta pro e contro la natura. Edizione curata e tradotta da Friederike Migneco. Scrinium, Catania 1995, ISBN 88-86554-00-1.
  10. Siehe Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft. Internationales Organ für neuere deutsche Literatur. Band 44, 2000, S. 473.
  11. Das Klonen des Menschen hat begonnen. (PDF; 208 kB) In: forum. 188 (1998), S. 68–71; Welcher Mensch für morgen? Herausforderung Gentechnik. (PDF; 186 kB) In: forum. 214 (2002), S. 17–18; Genmanipulation am Menschen Vielfalt oder Selektion, Individualität oder Duplikation? (PDF; 436 kB) In: forum. 214 (2002), S. 19–24.
  12. KairosEdition ein Verlag stellt sich vor (abgerufen am 22. Oktober 2012)
  13. Friederike Migneco: Die Bedeutung C.G. Jungs in Werk und Erkenntnismethode von Valentin Tomberg. In: Michael Frensch, Elisabeth Heckmann (Hrsg.): Valentin Tomberg, Leben- Werk - Wirkung. 1.2, Novalis Verlag, Schaffhausen 2006, ISBN 3-907160-82-7.
  14. Friederike Migneco: Valentin Tomberg: Lazzaro: un miracolo che continua. Estrella de Oriente, Trento 2010, ISBN 978-88-87037-17-3.
  15. Sage etwas oder schweige : ausgewählte Kōans. 2010, ISBN 978-88-87037-17-3.
  16. Volker Zotz: Friederike Migneco (Hrsg.): Valentin Tomberg: Le mat itinérant: l'amour et ses symboles - une médidation chrétienne sur le Tarot. Der wandernde Narr: die Liebe und ihre Symbole - eine christliche Tarot-Meditation. Kairos, Luxembourg 2007, ISBN 978-2-9599829-5-8.
  17. catalog.bibnet.lu
  18. kairos.lu