Friedrich Copei

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Friedrich Copei (* 29. September 1902 in Lage (Lippe); † 1945, vermutlich in oder nahe Crossen an der Oder) war ein deutscher Pädagoge.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Copei, dessen Vater früh verstarb, besuchte die Volksschule in Lage und wechselt 1917 zur Präparandenanstalt in Dortmund über. Einen weiteren dreijährigen Kurs absolvierte er am Lehrerseminar zu Detmold, wo er 1923 den ersten Abschnitt seiner Ausbildung zum Volksschullehrer abschloss. Zunächst übernahm er eine Lehrerstelle in Bösingfeld bei Lemgo. Dort knüpfte Copei Kontakte mit dem Kreis um Erik Nölting, wodurch sich Interessen für die Jugendbewegung und innovative Tendenzen der Soziologie entwickelten. Copei trat der SPD bei, ohne aber irgendeine parteiinterne Funktion zu übernehmen. Inzwischen nahm er ein Studium in Münster und Berlin auf. Zur finanziellen Unterstützung unterbrach er es immer wieder durch Rückkehr in den Schuldienst, bis er die Zweite Lehrerprüfung ablegte. Erst danach führte er ununterbrochen sein Studium bis zur Promotion fort.

Bis heute ist Copei durch sein Buch Der fruchtbare Moment im Bildungsprozess bekannt, das im Jahre 1930 erstmals erschien und er als 28-jähriger Doktorand von Eduard Spranger in Berlin verfasst hatte. Er studierte auch beim Gestaltpsychologen Max Wertheimer. Im Vorwort bedankt er sich ausdrücklich für längere Gespräche mit Eberhard Grisebach, Romano Guardini und Hendrik Josephus Pos[1]. Copei analysiert nicht nur „jene eigentümlichen Augenblicke, in denen blitzartig eine neue Erkenntnis in uns erwacht, ein geistiger Gehalt uns packt“ (Copei, 1960, S. 17), sondern auch die Möglichkeit, für ihr Entstehen günstige pädagogische Rahmenbedingungen zu schaffen. Copei beschreibt zunächst mit Bezug auf Edmund Husserls Intentionalitätslehre, wie im intellektuellen, ästhetischen, ethischen und religiösen „Erleben“ eine „umformende Wirkung“ (ebd. S. 100) im Selbst- und Weltverhältnis stattfinden kann. Mit eindrücklichen Beispielen aus der Unterrichtspraxis schildert Copei, wie diese Bildungsprozesse oder -wirkungen erzieherisch über sokratisches Fragen bzw. Mäeutik (ebd., S. 19–27. 128f.) anschaulich inszeniert werden können.

Copei wurde 1931 als Dozent an die Pädagogische Akademie Dortmund berufen, musste aber 1933 an die Pädagogische Akademie Kiel wechseln. Dort wurde 1934 als religiöser Sozialist und wegen seiner Mitgliedschaft in der SPD entlassen. Copei war von 1934 bis 1939 selbst als Volksschullehrer in Haustenbeck tätig. 1953 wurde ihm posthum der Professorentitel verliehen.

Besonders bekannt geworden ist sein der Praxis des Volksschulunterrichts entnommenes Beispiel der Milchbüchse (Copei, 1960, S. 103–105): Auf einer Schulwanderung rätseln die Kinder, warum keine Milch aus einer Dose fließt, wenn man nur ein einziges Loch in sie bohrt. Ein zweites Loch bringt die Milch zum Fließen – aber nur, solange man die Dose schräg hält. Wie kommt das? Mit dezenten, aber gezielten Eingriffen des Lehrers wird der sich eigentlich zufällig ergebende fruchtbare Moment im Bildungsprozess genutzt. Den Kindern wird „keine Mühe, aber auch keine Spannung und Freude verkürzt“ (Copei, 1960, S. 105); sie finden letztlich selbst die Antwort auf ihre durch die Sache vorangetriebenen Fragen. Die moderne Theorie des Entdeckenden Lernens knüpft hier an.

Copei wurde 1939 erst Heerespsychologe, ab 1943 war er Filmreferent bei der Reichsanstalt für Film und Bild. Ende Januar 1945 wurde er 42-jährig noch zum Kriegsdienst einberufen. Im Geleitwort zur 1949 postum erschienenen zweiten Auflage von "Der fruchtbare Moment im Bildungsprozess" berichtet Copeis Weggefährte Hans Sprenger: „Aus diesen Tagen liegt aus Crossen an der Oder eine letzte Nachricht von seiner Hand vor. Dann wird ihn bald der Tod hingenommen haben.“

Eine Hauptschule in Schlangen (Nordrhein-Westfalen) trug den Namen Friedrich Copeis bis zur Auflösung 2018.[2]

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Wo die Selbstverständlichkeiten unter einem Anstoß erschüttert werden und zerbrechen, erwacht die gespannte Frage. Diese drängt, in methodischer Weise sich einen Weg durch die Gegebenheiten bahnend, analysierend, ordnend und kombinierend auf die Lösung zu. Die Lösung aber taucht, vor allem bei geistigen Neuleistungen, oft erst durch eine Zeitspanne davon getrennt, im ‘fruchtbaren Moment’ auf, ist jedenfalls noch von anderen Faktoren als von Intention und Anstrengung abhängig. Die Vollendung der geistigen Leistung liegt erst bei der Einbettung des im ‘fruchtbaren Moment’ Erfaßten, in der Eingliederung in den allgemeinen geistigen Bestand.“ (Copei, Der fruchtbare Moment im Bildungsprozeß, 1930, S. 60)

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der fruchtbare Moment im Bildungsprozess. (Diss. phil. Berlin) Quelle & Meyer, Leipzig 1930 (VII, 134 S., mit Fig.); 5., unveränderte Aufl., eingel. und hrsg. von Hans Sprenger, Quelle & Meyer, Heidelberg 1960 (135 S.) [semikritisch].[3]
  • Bildungsformen der Volksschule. Aus dem Nachlass hrsg. von Hans Sprenger. In: Westermanns Pädagogische Beiträge 1 (1949), Heft 1, S. 1–6.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Schwab: Friedrich Copei. In: Karl Knoop / Martin Schwab: Einführung in die Geschichte der Pädagogik. Pädagogen-Portraits aus vier Jahrhunderten (UTB 1100). Quelle & Meyer, Heidelberg 1981, S. 257–275; wichtig die detailreichen Ausführungen zur Biographie Copeis (S. 259–263), die dessen Nachlass sowie Gespräche mit Weggefährten, besonders Hans Sprenger, berücksichtigen.
  • Käte Meyer-Drawe: Der fruchtbare Moment im Bildungsprozess. Zu Copeis phänomenologischem Ansatz pädagogischer Theoriebildung. In: Danner, H./Lippitz W. (Hrsg.): Beschreiben – Verstehen – Handeln. Phänomenologische Forschungen in der Pädagogik. München 1984. S. 91–151.
  • Alexander Hesse: Die Professoren und Dozenten der preußischen pädagogischen Akademien (1926–1933) und Hochschulen für Lehrerbildung (1933–1941). Deutscher Studien-Verlag, Weinheim 1995, ISBN 3-89271-588-2, S. 222–224 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nekrolog: http://www.dwc.knaw.nl/DL/levensberichten/PE00002391.pdf
  2. Klaus Karenfeld: Tafel soll an Reformpädagogen erinnern. Abgerufen am 11. August 2020.
  3. Diese Edition ist semikritisch und stellt eine Bearbeitung Sprengers dar, bei der Ort und Umfang der Überarbeitung und Einarbeitung von Nachlassmaterial im Text nicht markiert sind; vgl. Sprengers Vorwort zur 2. Aufl. 1949 [S. 6–15], ebd. S. 15: "Er [d.i. F. Copei] hat selbst den Gedanken gehabt, das Buch neu zu bearbeiten und zu gegebener Zeit neu auflegen zu lassen. In seinem Nachlaß fanden wir manche Notizen dazu. Aus diesem Material habe ich einige unveränderte Teile in den Text der ersten Auflage eingefügt, soweit die Intentionen des Verfassers eindeutig erkennbar waren. Von meiner Hand ist nur in dem Kapitel über „Pädagogische Folgerungen“ eine kleine Erweiterung vorgenommen [S. 129-131], außerdem überarbeitet das kurze Unterkapitel 'Zur religiösen Erziehung' [S. 126-128] am Ende des Buches. Dieser Teil gehört nicht zum Kern der Untersuchung, und über den Zeitraum von zwei so ereignisreichen Jahrzehnten hinweg konnte der Wandel der Anschauungen nicht übersehen werden, der sich in dieser Zeit in den Fragen der religiösen Unterweisung vollzogen hat. Von dieser geringen Überarbeitung abgesehen, ist der Text des Buches unverändert geblieben."