Galaktisches Jahr

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Der Orbit (weiß) der Sonne (gelb) um das galaktische Zentrum (GC) zusammen mit dem breit gestreuten Schwarm jener Sterne (rot), die sich zufällig gerade in der Nachbarschaft der Sonne befinden. Die Rückrechnung über 250 Millionen Jahre beruht auf Messungen der Eigenbewegungen in den letzten 15 Jahren.

Für die Zeitspanne eines vollständigen Umlaufs des Sonnensystems um das Zentrum der Milchstraße benutzte der russische Astronom Pawel Petrowitsch Parenago 1952 in einer Arbeit über die Massenverteilung im Milchstraßensystem erstmals die Bezeichnung galaktisches Jahr (GJ). Seine Dauer wird heute allgemein mit ca. 225 Millionen Jahren angesetzt.

Zusammenhang mit Artensterben?[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häufigkeitsverteilung von Aussterbeereignissen seit der kambrischen Explosion der Artenzahl vor zweieinhalb galaktischen Jahren

Die Versuche von Paläontologen, Muster in der Häufigkeitsverteilung von Artensterben mit galaktischen Umläufen zu erklären, wurden dadurch begünstigt, dass die Astronomen den Wert für das galaktische Jahr zunächst nur grob bestimmen konnten und daher Spielraum für zufällige Übereinstimmungen bestand. Seit die Infrarotastronomie den Blick auf das galaktische Zentrum ermöglicht, bestimmte man aus dessen scheinbarer Bewegung vor dem Hintergrund ferner Galaxien die Umlaufzeit zu 250 Millionen Jahren, was etliche Zuordnungen widerlegte.

Es gibt auch keinen Grund, warum Katastrophen mit dieser oder der halben Periode auftreten sollten, denn die Sonne bewegt sich nicht einfach auf einer geneigten Bahnebene zweifach pro Umlauf durch die galaktische Ebene, sondern sie pendelt viel häufiger auf und ab – die Angaben für die Halbperiode liegen zwischen 30 und gut 40 Millionen Jahren. Aber auch diese Periode glauben nun manche Paläontologen in ihren Daten wiederzufinden.

Zusammenhang mit Faltengebirgsbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ärathem System Beginn
(mya)
Orogenese
Känozoikum
Erdneuzeit
Dauer: 66 Ma
Quartär 2,588 Alpidische
Orogenese
Neogen 23,03
Paläogen 66
Mesozoikum
Erdmittelalter
Dauer: 186,2 Ma
Kreide 145
Jura 201,3
Trias 252,2 variszische
Orogenese
Paläozoikum
Erdfrühzeit
Dauer: 288,8 Ma
Perm 298,9
Karbon 358,9
Devon 419,2
Silur 443,4 kaledonische
Orogenese
Ordovizium 485,4
Kambrium 541 cadomische
Orogenese
Neoproterozoikum
Jung­proterozoikum
Dauer: 459 Ma
Ediacarium 635
Cryogenium 850 diverse
prä­kam­brische
Gebirgsbildungen
Tonium 1.000
Mesoproterozoikum
Mittel­proterozoikum
Dauer: 600 Ma
Stenium 1.200
Ectasium 1.400
Calymmium 1.600
Paläoproterozoikum
Alt­proterozoikum
Dauer: 900 Ma
Statherium 1.800
Orosirium 2.050
Rhyacium 2.300
Siderium 2.500
Neoarchaikum
Dauer: 300 Ma
2.800
Mesoarchaikum
Dauer: 400 Ma
3.200
Paläoarchaikum
Dauer: 400 Ma
3.600
Eoarchaikum
Dauer: 400 Ma
4.000
Hadaikum
Dauer: 600 Ma
4.600
Es ist zu beachten, dass diese Tabelle nur einen groben
Überblick geben soll. Angaben in der Fachiteratur zu Beginn
und Ende einer bestimmten Orogenese können von denen in
der Tabelle abweichen, u. a. weil je nach Region und Autor
unterschiedliche Konzepte und Definitionen existieren.

Die unterschiedlichen Faltengebirge sind jeweils in bestimmen Perioden entstanden. Ein Zusammenhang mit der Dauer eines galaktischen Jahres ist ersichtlich, eine Kausalität lässt sich aber nicht nachweisen. Man könnte z. B. ausschließen, dass die Periodizität der Gebirgsbildung sich nicht allein mit geotektonischen Periodizitäten erklären lässt und vor diesem Punkt weiterbetrachten.

Zeitablauf in galaktischen Jahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dieser Auflistung gilt für ein GJ = 225 Millionen Jahre.[1]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geologic Time Scale - as 18 galactic rotations, darin 1 GJ = 250 Mio. Jahre, weswegen die Werte hier umgerechnet wurden.