Galerie Miethke

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Logo der Galerie Miethke

Die Galerie Miethke war eine Wiener Kunstgalerie und Zentrum der frühen österreichischen Moderne.

Namensgeber der Galerie war Hugo Othmar Miethke (geboren als Hugo Hermann Werner Ottomar am 29. Juli 1834 in Potsdam – gestorben am 11. November 1911 auf Gutenegg bei Cilli)[1], Sohn des Glasermeisters Friedrich Miethke aus Potsdam, bereits die Vorfahren sind seit dem 17. Jh. dort als Hofglasermeister dokumentiert[2], und dessen Ehefrau Emilie geb. Hammerl.

Er war verheiratet mit Mary, geb. Lanz. Der einzige Sohn Otto Maria Miethke (1881–1922) wurde als Maler, Grafiker und Lyriker bekannt.[3]

Die 1861 von Hugo Othmar Miethke zusammen mit Carl Josef Wawra (19. November 1839 in Wien – 26. Mai 1905 in Wien) gegründete Firma Miethke & Wawra betrieb zunächst ein Antiquariat und einen Kunstverlag. Das Geschäft entwickelte sich rasch zu einer wichtigen Agentur für die Wiener Maler des Historismus, vor allem Hans Makart, und betätigte sich auch als Auktionshaus. Tobias G. Natter , der sich in einem Forschungsprojekt mit der Geschichte der Galerie Miethke beschäftigt hat und die Ergebnisse in einem Buch[4] sowie 2003/4 in einer Ausstellung im Jüdische Museum der Stadt Wien publizierte, hob die Bedeutung Miethkes und seines Partners Carl Josef Wawra als "Begründer der Kunstauktionen in Wien"[5] hervor. 1875 trennten sich die Galeristen. Miethke spezialisierte sich in der von ihn nun allein betriebenen Galerie Miethke auf die Versteigerung von Ölbildern und Grafiken sowie auf den Ausstellungsbetrieb, wobei er angesichts seiner internationalen Kontakte auch Werke französischer, englischer und deutscher Künstler präsentierte.

Nach dem alten Standort in der Plankengasse 6 zog die Galerie zunächst zum Neuen Markt 13 bis Miethke 1895 das Palais Eskeles in Wien-Innere Stadt in der Dorotheergasse 11 erwarb. Er ließ nach seinen Plänen unter der Leitung der Wiener Stadtbaumeister Kupka & Orgelmeister Umbaumaßnahmen vornehmen, die sich bis heute weitgehend erhalten haben.[6] Nach der Eröffnung am 29. Mai 1896 entwickelte sich die Galerie, die dort auf zwei Etagen betrieben wurde, zu einer der bedeutendsten Kunsthandlungen der Monarchie. Gesellschaftlicher Höhepunkt der Eröffnung war der Besuch des jüngsten Bruders des Kaisers, Erzherzog Ludwig Viktor von Österreich sowie in den späteren Jahren des Kaisers Franz Joseph I. selbst. Die Galerie H. O. Miethke unterhielt zudem seit 1904 unter der künstlerischen Leitung von Carl Moll eine von Josef Hoffmann gestaltete Zweigstelle in Wien I., Graben 17.[7]

Neben Ausstellungen wurden weiterhin Auktionen durchgeführt, so auch die der Verlassenschaften von Hans Makart, Emil Jakob Schindler, Viktor Tilgner, August von Pettenkofen, Charlotte Wolter oder Rudolf von Alt.

Im Jahr 1906/1907 war die Hamburgerin Helga Malmberg (* 1888; † 1967[8]) in der Galerie Miethke beschäftigt. 1961 beschreibt sie in ihrem Buch anschaulich, wie der Alltag in der Galerie verlief.[9]

1904 kaufte der Juwelier Paul Bacher, ein Freund Gustav Klimts, die Galerie mit der Absicht, sie als Verkaufslokal der Wiener Secession zu nutzen und engagierte 1905 Arthur Roessler als Galerieleiter. Wegen dieser geplanten Kommerzialisierung kam es zu Unstimmigkeiten, die eine Gruppe von Künstlern um Gustav Klimt zum Austritt aus der Secession veranlassten. Emil Maria Steininger folgte bereits 1906 auf Roessler, der Maler Carl Moll übernahm die Leitung der Galerie, die sich nun zu einem Zentrum der modernen Kunst entwickelte. In zahlreichen Ausstellungen präsentierte sie neben den Künstlern des Jugendstils und der Wiener Werkstätte auch die internationale Moderne, darunter Aubrey Beardsley, Honoré Daumier, Henri de Toulouse-Lautrec, Claude Monet, Édouard Manet, Paul Cézanne, Paul Gauguin, Vincent van Gogh und Pablo Picasso. "Miethke blieb aber Eigentümer des Palais und bewohnte auch weiterhin dessen obersten Stock.[10] Nach Ende des Ersten Weltkriegs führte der seit 1907 tätige künstlerische Leiter Hugo Haberfeld den Galeriebetrieb an anderer Adresse bis zu seiner Emigration 1938 weiter, während das Palais Eskeles als „Haus der jungen Künstlerschaft“ verwendet wurde und 1936 in den Besitz des Dorotheums kam. Es beherbergt heute das Jüdische Museum der Stadt Wien.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tobias G. Natter: Die Galerie Miethke. Eine Kunsthandlung im Zentrum der Moderne. Ausstellungskatalog des Jüdischen Museums Wien, Wien 2003, ISBN 3-901398-32-5.
  • Werner J. Schweiger: „Damit Wien einen ernsten Kunstsalon besitze.“ Die Galerie Miethke unter besonderer Berücksichtigung von Carl Moll als Organisator. In: Belvedere. Wien. Jg. 4, Heft 2, 1998, S. 64–85.
  • Felix Czeike (Hrsg.): Historisches Lexikon Wien. Band 2, Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2, S. 451.
  • Kurier vom 19. November 2003, S. 30

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wladimir Aichelburg: Freunde und Mitarbeiter des Künstlerhauses (Abgerufen am 1. August 2012)
  2. Dieter Krickeberg verweist in seinem Aufsatz Michael Mietke – ein Cembalobauer aus dem Umkreis von J. S. Bach, in: Cöthener Bach-Hefte 3/1985, S. 47–56, auf das (Berlin-)Köllner Taufbuch St. Petri mit Einträgen für eine Frau Hofglaser Anna Miedtke (auch Mietke) für die Jahre ab 1681ff.
  3. Tobias G. Natter: Die Galerie Miethke. Eine Kunsthandlung im Zentrum der Moderne. Ausstellungskatalog des Jüdischen Museums Wien, Wien 2003, ISBN 3-901398-32-5
  4. Tobias G. Natter: Die Galerie Miethke. Eine Kunsthandlung im Zentrum der Moderne. Ausstellungskatalog des Jüdischen Museums Wien, Wien 2003, ISBN 3-901398-32-5.
  5. Tobias G. Natter: Die Galerie Miethke. Eine Kunsthandlung im Zentrum der Moderne. Ausstellungskatalog des Jüdischen Museums Wien, Wien 2003, S. 17, ISBN 3-901398-32-5.
  6. vgl. Tobias G. Natter: Die Galerie Miethke. Eine Kunsthandlung im Zentrum der Moderne. Ausstellungskatalog des Jüdischen Museums Wien, Wien 2003, S. 16–36, ISBN 3-901398-32-5.
  7. https://austria-forum.org/af/Bilder_und_Videos/Historische_Bilder_IMAGNO/Miethke/00111987
  8. Friedhöfe Wien - Verstorbenensuche Helga Blau(-Malmberg) Ober St. Veit J-16-10 (aufgelöst)
  9. Seite 13 ff - Helga Malmberg "Widerhall des Herzens - Ein Peter Altenberg-Buch". München 1961
  10. Tobias G. Natter: Die Galerie Miethke. Eine Kunsthandlung im Zentrum der Moderne. Ausstellungskatalog des Jüdischen Museums Wien, Wien 2003, S. 36, ISBN 3-901398-32-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]