Ganztonleiter

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Bildliche Darstellung der Ganztonleiter. (Erläuterung)

Die Ganztonleiter ist eine hexatonische (sechstönige) Tonleiter, die aus einer gleichstufigen (= equidistanten) Teilung der Oktave in sechs Ganzton-Intervalle hervorgeht. Damit bestehen die Tonschritte klanglich ausschließlich aus großen Sekunden (bzw. auch aus einer enharmonisch verminderten Terz, wenn der Oktavton mit dem Startton in der Notation identisch sein soll).

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Ohren, die an die in der abendländischen Musik gebräuchlichen diatonischen Tonleitern, z. B. Dur und Moll, gewöhnt sind, klingt eine Ganztonleiter relativ fremd, da ihr die Halbtonschritte fehlen; die Beziehungen zwischen den Tönen der Skala können also nicht durch gelegentliche Leittöne strukturiert werden. Daher gibt es bei der Ganztonleiter auch keinen erkennbaren Grundton, was eine „schwebende“ Wirkung hervorruft. Mit anderen Worten kann eine Ganztonleiter auf jedem Ton als Grundton ohne Modusmöglichkeit gebildet werden. Eine Ganztonleiter ist weder tonal noch atonal, sie bekommt ihre tonale Funktion erst im komponierten Kontext.

Ferner ist der Tritonus, der hier leitereigen auf jeder Tonstufe gebildet werden kann, dreimal enthalten, was einem Tritonusgehalt von 3 entspricht, und damit ein charakteristisches Intervall der Ganztonleiter, wodurch sie verhältnismäßig schwer zu singen ist. Dreiklänge in Terzschichtung ergeben ausschließlich übermäßige Dreiklänge, da durch die Ganztonschritte alle Terzen groß sind.

mögliche Ganztonleitern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn der absolute Tonvorrat von 12 Tönen betrachtet wird, gibt es nur 2 Ganztonleitern: die Ausgangs-Ganztonleiter und dieselbe um einen halben Ton (nach oben oder unten) transponiert. Beide werden im Folgenden dargestellt für den Ausgangston C:

auf C[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


\relative c'
\new Staff \with {\remove "Time_signature_engraver"}
{
\time 6/1
\autoBeamOff
\clef treble
\override Rest #'style = #'classical

c1 d e fis gis ais c 
}
\addlyrics {
c1 d e \markup { \concat{ fis \raise #0.5  \translate #(cons 0.5 0) \small \sharp  } } \markup { \concat{ gis \raise #0.5  \translate #(cons 0.5 0) \small \sharp  } } \markup { \concat{ ais \raise #0.5 \translate #(cons 0.5 0) \small \sharp  } } c
}

auf H[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


\relative c'
\new Staff \with {\remove "Time_signature_engraver"}
{
\time 6/1
\autoBeamOff
\clef treble
\override Rest #'style = #'classical

b1 des ees f g a b 
}
\addlyrics {
h1 \markup { \concat { des \small \raise #0.5 \translate #(cons 0.5 0) \flat } } \markup { \concat { ees \small \raise #0.5 \translate #(cons 0.5 0) \flat } }  f g a h 
}

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Franz Liszt bediente sich der speziellen Wirkung der Ganztonleiter als einer der ersten Rimski-Korsakow zur Darstellung magischer Gestalten in seinen Opern; später dann auch die Komponisten des Impressionismus (z. B. Debussy und Ravel). Olivier Messiaens erster Modus in seinem System der begrenzt transponierbaren Skalen ist die Ganztonleiter, wobei Messiaen deutlich darauf hinweist, die Ganztonleiter nicht erfunden zu haben.

Auch im Jazz erhält die Ganztonleiter eine wichtige Bedeutung als eigenständige Skala über Dominantseptakkorde mit tiefalterierter Quinte oder hochalterierter Quarte. Ein bekanntes Beispiel aus der Popmusik ist die Introduktion (dritter und vierter Takt) zu Stevie Wonders Song "You are the Sunshine of my Life".

Hörbeispiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ganztonleiter (Midi)?/i