Gardani Hissar

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Koordinaten: 39° 25′ 26″ N, 68° 19′ 20″ O

Karte: Tadschikistan
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Gardani Hissar
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Tadschikistan

Gardani Hissar (tadschikisch Гардани Ҳисор), entsprechend einer Lautverschiebung im Tadschikischen auch Gardani Hissor, Gardani Chisor, war eine sogdische Festung vom 5./6. bis zum 8. Jahrhundert, deren Reste in der Provinz Sughd im Norden Tadschikistans erhalten sind.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gardani Hissar liegt etwa 70 Kilometer östlich von Pandschakent im Distrikt Aini. Die Festung versperrte den Zugang zu einem Seitental des Serafschantals, in dem sich heute das Dorf Madm befindet. Die ehemalige Festung liegt drei Kilometer vom Dorf und zwölf Kilometer vom Berg Mugh entfernt, wo jeweils ebenfalls sogdische Funde gemacht wurden. Montanarchäologische Forschungsergebnisse zum Zinnbergbau bei der benachbarten Fundstelle Muschiston verdeutlichen die Bedeutung dieser Region bereits in der Bronzezeit.[1]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Hissar ist vom arabisch-türkischen Hisar abgeleitet und bedeutet Festung; aufgrund der unterschiedlichen Umschreibungen des tadschikischen Namens wird die Anlage teilweise auch als Gardani Hisor, als Gardani Hisar oder (von der ein tadschikisches Sonderzeichen nicht berücksichtigenden russischen Schreibweise Гардани Хисор) als Gardani Chisor oder englisch Gardani Khisor bezeichnet.

Festungsanlage und Ausgrabungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Gardani Hissar gehörten eine auf einer Hochebene errichtete Siedlung und ein erhöht liegender, von dem Dorf vollständig umgebener Palast. Dabei handelte es sich bei Gardani Hissar, im Gegensatz zu städtischen Anlagen wie der von Alt-Pandschakent, um eine auf bäuerliches Leben zugeschnittene Siedlung.[2]

Der Palast stammt aus dem 6. bis 8. Jahrhundert und ist als „hinsichtlich seiner Anlage in Zentralasien einmaliges Bauwerk“ bezeichnet worden.[3] Nicht bei anderen sogdischen Bauten der Umgebung zu finden ist etwa die Aufteilung der Räume auf zwei Ebenen, wobei Tor, Wachräume und Empfangsgebäude ungefähr drei Meter unter einer Plattform für Dienst-, Wirtschafts- und die Repräsentationsräume untergebracht sind. In einem Raum, der mit seiner Größe von 7,7 × 7,5 Meter Größe vermutlich als Thronsaal genutzt wurde, wurden unter anderem vier geschnitzte Holzsäulen und ein angebrannter Teppich ausgegraben. Zum Palast gehörte auch ein Tempel, mit einer Altarnische aus ungebrannten Ziegeln.[4] Es gibt im Grundriss Ähnlichkeiten mit dem Obergeschoss des sogdischen Palastes Tschilchudschra aus dem 7./8. Jahrhundert.

Aufgrund von Brandspuren, die Ruinen noch heute zeigen, wird angenommen, dass der Palast wohl im Jahr 772 abbrannte, als die arabischen Eroberer Diwastitsch, den letzten Herrscher von Pandschakent, verfolgten; den Funden nach zu urteilen ließen die damaligen Bewohner auf ihrer Flucht die meisten Einrichtungsgegenstände zurück.[4]

Über die Jahrhunderte wurden die aufgegebenen Bauten von Gardani Hissar wurden zu den abgeflachten Hügeln ausgewaschen, zu denen viele sogdische Anlagen verfielen.[5] Jurij Jakubow (Юурий Якубов) entdeckte die Siedlung in der Neuzeit wieder und grub sie bis 1974 aus.[2]

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jurij Jakubow, [Iurii Iakubov] (1979). Pargar v VII-VIII vv. n.e. (Verkhnii Zeravshan v epokhu rannego srednevekov’ia) [Pargar im siebten und achten Jahrhundert CE (Der obere Serawschan im frühen Mittelalter)]. Duschanbe: Donish. (russ.; zitiert nach Marshak[5])
  • Jurij Jakubow: Gardani Chisor – der Palast des Herrschers von Pendzikent im Bergland von Buttam. In: Das Altertum, Heft 2, Band 24, 1978
  • Матевосян А.С., Прохоров Г.М., Мыльников А.С. и др. [Matewosyan, A. S., Prochorow G. M., Myl'nikow A. S. et al.] (1977). Памятники культуры. Новые открытия [Kulturdenkmäler. Neue Entdeckungen]. Письменность. Искусство. Археология [Geschriebene Sprache. Fertigkeit. Archäologie]. Jg. 1976. (russ.; 408 Seiten; im dritten Teil wird unter anderem ein geschnitzter Baum des Palastes von Gardani Hissar behandelt)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann Parzinger, Nikolaus Boroffka: Woher stammt das Zinn der Bronzezeit in Mittelasien? In: Archäologie in Deutschland. Heft 3. Theiss Verlag, Stuttgart 2001, S. 12–17.
  2. a b Исматулло, Рахматуллаев [Ismatullo, Rachmatullajew] (2006). История жилых комплексов согдийского города VII-VIII веков (По материалам объекта XXIII городища древнего Пенджикента)@1@2Vorlage:Toter Link/www.ant.tj (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. [Die Geschichte der bewohnbaren Komplexe der sogdischen Stadt des VII. bis VIII. Jahrhunderts (auf der Grundlage von Materialien des Objekts XXIII Befestigung des antiken Pandschakent)]. Doktorarbeit am Institut für Geschichte, Archäologie und Ethnographie der Universität in Duschanbe unter Aufsicht von B. I. Mars(c)hak. (Microsoft-Word-Datei; russ.; abgerufen 2. Februar 2008)
  3. Boris Il'ich Marshak (2003). The Archaeology of Sogdiana. The Silk Road, 1(2), 3-8. (engl.; abgerufen 1. Februar 2008; PDF-Datei; 5,3 MB)
    Klaus Pander (2005). Zentralasien. Usbekistan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Kasachstan. DuMont Reiseverlag, Ostfildern.
  4. a b Klaus Pander (2005). Zentralasien. Usbekistan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Kasachstan. DuMont Reiseverlag, Ostfildern.
  5. a b Boris Il'ich Marshak (2003). The Archaeology of Sogdiana. The Silk Road, 1(2), 3-8. (engl.; abgerufen 1. Februar 2008; PDF; 5,6 MB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]