Gavin Menzies

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Rowan Gavin Paton Menzies (* 14. August 1937[1] in London; † 12. April 2020) war ein britischer Kommandant der Royal Navy und Autor. Er stellte die Hypothese auf, dass Amerika und andere Gebiete der Erde in den Jahren 1421 bis 1423 von den Chinesen im Rahmen einer Weltumsegelung entdeckt worden seien. Obwohl er seine These durch nautische und kartographische Belege zu untermauern versucht, werden Menzies Thesen von Fachhistorikern als Fiktion abgelehnt.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gavin Menzies kam 1937 in London zur Welt. Angaben im Klappentext der englischen Erstauflage seines Buches, denen zufolge er in China geboren sei, wurden in den Folgeauflagen berichtigt.[3] Er war des Chinesischen nicht mächtig.[4]

Menzies trat 1953 in die Royal Navy ein und diente von 1959 bis 1970 auf Unterseebooten. Von 1968 bis 1970 war er im Rang eines Lieutenant Commanders Kommandant des U-Boots HMS Rorqual.

Im folgenden Jahr schied Menzies aus dem Marinedienst aus und trat bei den britischen Unterhauswahlen 1970 erfolglos als unabhängiger Kandidat im Wahlkreis Wolverhampton South West an, wo er sich für eine schrankenlose Einwanderung nach Großbritannien aussprach und 0,2 % der Stimmen auf sich vereinigte.[5]

1996 wurde Menzies im Zusammenhang mit Insolvenzverfahren vom obersten englischen Zivilgericht als „chronisch Prozessierender“ (vexatious litigant) eingestuft, womit er in England und Wales keine Zivilprozesse mehr ohne Zustimmung eines Richters führen durfte.[6]

Menzies lebte mit seiner Frau Marcella und zwei Töchtern in London und starb am Ostersonntag 2020.[7]

Die 1421-Hypothese[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem Buch 1421. Als China die Welt entdeckte stellt Menzies die Hypothese auf, dass chinesische Flotten auf Befehl des Kaisers Zhu Di von 1421 bis 1423 unter den Admiralen Zheng He, Zhou Wen, Zhou Man und Hong Bao den amerikanischen Kontinent vor Kolumbus entdeckten und zudem die erste Weltumsegelung hundert Jahre vor Magellan durchführten. Dabei sollen nicht nur Nord- und Südamerika, sondern auch Australien, die Arktis und die Antarktis entlang ihrer Küstenlinien kartographiert worden sein. Menzies vertrat die Ansicht, erst die Kenntnis dieser Karten habe die weltweiten Entdeckungen der europäischen Seefahrer im 15. und 16. Jahrhundert möglich gemacht. Er führte unter anderem folgende Beispiele an:

Später modifizierte Menzies seine Theorie in Richtung einer noch früheren systematischen kartographischen Erfassung der Erde und wollte dies mit einer chinesischen Weltkarte, die aus dem Jahr 1418 stammen soll, untermauern. Die Authentizität der Karte, die nur in einer Fassung des 18. Jahrhunderts existiert, wird jedoch von Fachleuten bestritten. Menzies’ Thesen werden von Fachhistorikern aufgrund fehlender Beweise abgelehnt[8] oder sogar als reine Phantasieprodukte angesehen.[9][10]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1421. Als China die Welt entdeckte, Droemer, München, 2003, ISBN 3-426-27306-3.
  • Gavin Menzies: 1434: The Year a Magnificent Chinese Fleet Sailed to Italy and Ignited the Renaissance. William Morrow, New York 2008, ISBN 0-06-149217-5.
  • Empire of Atlantis: History's Greatest Mystery Revealed, New York, William Morrow, 2011, ISBN 0-06-204948-8.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Contemporary Authors: Gavin Menzies. (Nicht mehr online verfügbar.) Highbeam Research, 2006, archiviert vom Original am 5. November 2012; abgerufen am 22. Juni 2018.
  2. Ian Morris: Wer regiert die Welt? Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden, Campus Verlag, Frankfurt am Main/ New York 2011, S. 397.
  3. Quentin McDermott: Junk History (Memento vom 6. Juni 2012 im Internet Archive). Australische Fernsehreihe Four Corners, Transkript der Sendung vom 31. Juli 2006.
  4. Ptak, Roderich; Salmon, Claudine (2005): "Zheng He: Geschichte und Fiktion", in Ptak, Roderich; Höllmann, Thomas O.: Zheng He. Images & Perceptions, South China and Maritime Asia, Band 15, Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, S. 9–35 (12)
  5. The Times: „Immigrant Girl Will Vote in Despair“, Freitag, 5. Juni 1970, Ausgabe 57888, S. 9, col C
  6. Vexatious litigants, Liste auf gov.uk
  7. Gavin Menzies: August 14th 1937 – April 12th, 2020. Abgerufen am 18. Mai 2020.
  8. The '1421' myth exposed (Memento vom 28. März 2007 im Internet Archive). (englisch)
  9. 1421: The year the Chinese did NOT discover America (Memento vom 2. Oktober 2007 im Internet Archive). Kritiker–Seite (englisch)
  10. Ian Morris: Wer regiert die Welt? Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden, Campus Verlag, Frankfurt am Main/ New York 2011, S. 397.