Gebr. Wiemann

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Das Unternehmen Gebr. Wiemann betrieb von 1867 bis in die 1940er Jahre eine Schiffswerft, Eisengießerei und Maschinenfabrik in Brandenburg an der Havel.

Das Gelände der ehemaligen Werft der Gebr. Wiemann in Brandenburg an der Havel August 2011 mit dem historischen Hafen.
Firmenplakette an der Dampfmaschine des Schleppers Gustav
Seiner für Ringwadenfischerei

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde das Unternehmen am 1. März 1867 von Carl Wiemann als kleine Schlosserei in Brandenburg. Am 1. Juli 1877 trat der Bruder des Firmengründers, der Tuchmacher Wilhelm Wiemann, als Teilhaber in das Unternehmen ein. Die jetzt als Gebr. Wiemann firmierende Werft beschäftigte sich in der Hauptsache mit dem Bau von Binnenschiffen für die lokale Ziegelindustrie, aber auch mit dem Bau von kleinen Seeschiffen. Auf der Werft wurden ebenfalls umfangreiche Reparaturen an Ewern und Binnenschiffen durchgeführt. Das Unternehmen beschäftigte zu seiner Blütezeit, etwa zu Beginn des Ersten Weltkriegs etwa 500 Mitarbeiter und zählte damit schon zu den größeren deutschen Schiffsbauunternehmen. Wenn das Hauptgeschäftsfeld auch auf kleineren und Binnenfahrzeugen lag, so wurden zwischen den Weltkriegen eine Reihe von Küstenfrachtern gebaut. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging das Unternehmen im VEB Volkswerft „Ernst Thälmann“ auf. Die Werft nahm am 1. Oktober 1946 den Neubau von Schwarzmeer-Seinern *) auf, und lieferte entsprechende Pläne an die VEB Schiffswerft „Edgar André“ in Magdeburg, die im Jahr darauf mit dem Bau typgleicher Schiffe begann. Von 400 Beschäftigten im Jahre 1948 vergrößerte sich die Mitarbeiterzahl bis 1954 auf 2200. 1962 kam jedoch der Regierungsbeschluss, den Werftbetrieb wegen der beengten Lage in der Stadt, des fehlenden Bahnanschlusses und zur Aufstockung der dringend im VEB Stahl- und Walzwerk Brandenburg benötigten Arbeitskräfte einzustellen. Das Konstruktionsbüro wurde zunächst noch als Forschungs- und Entwicklungsstelle der VEB Schiffswerft „Edgar André“ weitergeführt und diente danach zur Entwicklung schiffbaulicher Rationalisierungsmittel. Der vormals angegliederte Betriebsteil Plaue wurde vom VEB Schiffsreparaturwerften Berlin übernommen.

In der Werft wurden in etwa 15 Jahren bis 1962 367 Schiffe, darunter 291 Seeschiffe, wie Seiner, Logger, Kutter und Seeschlepper gebaut.

*) Seiner sind Fischereischiffe für die Ringwadenfischerei; seine engl.: Ringwade.

Die Schiffe der Werft (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präfix[1] Name Baujahr ehem. Namen Bemerkungen / verschrottet / umgebaut / verkauft / Verbleib Bild
DS Lina Marie 1901 Gebaut als Fischtransportdampfer. Der Frachtraum ist durch Längs- und Querschotts geteilt und ist über Durchlässe unterhalb der Wasserlinie geflutet, wodurch die lebend transportierten Fische mit Frischwasser versorgt wurden. Wieman schiffsliste Lina marie.jpg
DS[2] Nordstern 1902 Dreifach-Expansionsdampfmaschine mit Kohlefeuerung, Länge: 26,37 m;
Breite: 5,25 m; Einsatz als Fahrgastschiff, zugelassen für 50 Fahrgäste. Brandenburg an der Havel.
Dampfer Nordstern (1).JPG
DS / MS Tümmler 1904 zweizylindrige Dampfmaschine / Schiffsdieselmotor des Typs SKL 8 NVD 36 Tümmler WSA 07.JPG
DS Anne-Marie 1906 Gebaut für die Reederei Weiße & Schmidt, Tiefwerder.
DS Wera 1907 Gebaut für Otto Busch, Spandau.
MS Amor 1907 ex. Iltis (bis 1940); ex. Niederbarnim (bis 1958); Umbau von DS auf MS 1958 in Berlin, früherer Liegeplatz Lessingbrücke, lag später ein paar Jahre dem Wrack nahe am Nordufer des Teltowkanals in Berlin-Grünau (ehemals Kiesverladestelle), seit 2012 Liegeplatz in der Brandenburger Niederhavel, ab 2015 im Silokanal, früheres Betonwerk, vor 1945 Opelwerk Brandenburg. Anfang September 2015 wurde bekannt, das Schiff wird abgebrochen. Sommer 2013 2015
DS Gustav 1908 Auguste in Fahrt in Potsdam Haveldampf-Schiffahrt[3] Steamboat Gustav.jpg
DS Seima 1908 ex. Erwin (bis 1928); ex. Martha-Frieda (bis unbek.); ex. Freiheit (bis 1947) Einsatzfähig, letzter bekannter Eigner: Deutsche Binnenreederei AG Seima/05609170/B
DS Fortuna 1909 ex. Max (1909 bis unbek.); ex. Migard (1928 bis unbek.); ex. Zufall(1937 bis unbek.); ex. Helgoland (1943 bis 1974) Der Dampfschlepper liegt heute trocken als Museumsschiff am Ufer des Oberwassers des Schiffshebewerks Henrichenburg in Waltrop. Dampfschlepper Fortuna.JPG
DS Fontane 1910
DS Luise[4] 1910 Die Luise mit der Baunummer 121 hat eine Wasserverdrängung von 40 Tonnen. Die Dampfmaschine ist durch einen IFA S 4000-80-PS-Vierzylinder-Viertakt-Diesel EM 4-20-Motor ausgetauscht worden. Sie ist 16,5 m lang, 3,8 m breit und hat einen Tiefgang von 1,4 m. Luise befindet sich im Besitz des Historischer Hafen Brandenburg a. d. Havel e. V. und liegt vertäut vor ihrem ehemaligen Ausrüstungskai der Wiemann Werft Brandenburg an der Havel. Luise 5.jpg
DS August [5] 1910 Der Dampfschlepper liegt heute als Museumsschiff am Ufer des Haren-Rütenbrock-Kanals im Schifffahrtsmuseum in Haren (Ems).
DS Elbe 1911 Letzter Flussdampfeisbrecher in Deutschland, im Einsatz als Fahrgastschiff mit Zulassung für 150 Personen. Gebaut für die Preußische Elbstromverwaltung, Eingesetzt auf der Oberelbe, bis 1972 im Dienst. Wird heute vom Förderverein Dampfeisbrecher Elbe e.V. betrieben. Zweifachexpansionsdampfmaschine mit 230 Ps. Zweiflammenrohrkessel Christiansen und Meyer Hamburg Bj. 1930. Länge Schiff 30,30 m Breite 6,50 m Tiefgang 2,10 m
MS Reinickendorf 1914 ex. Werner (bis 1922); ex. Tirpitz (bis 1945); ex. Rheingold (bis 1959); ex. Seehaupt (bis 1972); Umbau 1959 zum MS; in Fahrt Reederei Bethke Berlin
DS Sachsenwald 1914 Schleppdampfer mit Personenbeförderung; Technisches Denkmal; Dreifachexpansionsdampfmaschine; Länge: 25,00 m; Breite: 5,50 m; Tiefgang: 1,10 m; 220 PS Elbdampfer 'Sachsenwald' in Pirna (01-2).jpg
DS Poseidon 1925 Schneewittchen Die 32 m lange und 5,8 m breite Poseidon wurde 1925 für die Reederei Kieck gebaut. Ein Jahr nach der Indienststellung erhielt sie von den Stettiner Oderwerken einen geschlossenen Decksalon aufgesetzt, der einen Winterbetrieb mit 500 Fahrgästen ermöglichte. 1958 war die Poseidon einer von sechs Personendampfern, die in Berlin (West) noch in Betrieb waren. Am 15. Juni 1969 wurde die Poseidon, die sich damals im Besitz der Reederei Winkler befand, in der Sacrower Enge auf der Havel von einem Hamburger Tankschiff gerammt. Von den 145 Passagieren an Bord wurden 43 Personen verletzt. Die Poseidon wurde so schwer beschädigt, dass die Reederei das Wrack daraufhin verschrotten ließ.
DS Saaleck 1925 Eigner: Reederei der Saale-Schiffer; Länge: 40,28 m; Breite: 5,25 m; 280 PS; 1945 an die Sowjetunion übergeben.
DS Pilot 1928 Fendel und Fendel, Niederheimbach, in Fahrt VSB Pilot 1.jpg
MS Kreuz As 1929 Umbau von DS auf MS 1957/58; Umbau 1982 in Haren (Ems); in Fahrt Reederei Roderich Wolff[6] Berlin Kreuz As.JPG
DS Andreas 1944 Zurzeit (2015) nicht fahrbereit, Historischer Hafen Berlin. Andreas BRB 01c.jpg

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Präfixe von Schiffsnamen
  2. Dampfschiff
  3. Schiffahrt in Potsdam
  4. Schöne Luise wieder daheim! Schleppdampfer von 1910 für Brandenburg gerettet Preußischer Landbote vom 29. April 2013
  5. Vor 100 Jahren lief der Schleppdampfer August vom Stapel. Bericht in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom 2. August 2010
  6. Reederei R. Wolff

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dr. Ing. Sympher, Geheimer Baurat Soldan (Hrsg.): Die Wasserwirtschaft Deutschlands und ihre neuen Aufgaben. Band I. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1921, S. 318.
  • Gert Uwe Detlefsen: Vom Ewer zum Containerschiff. Die Entwicklung der deutschen Küstenmotorschiffe. Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford 1983, ISBN 3-7822-0321-6.
  • Andreas Westphafen: Dampfschiffe in Deutschland – Die letzten Zeugen einer Epoche. Bremen 2003, S. 95.