Gefängnisseelsorge

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Gefängnisseelsorge im Sinne des Besuchens von Gefangenen aus religiöser Motivation besteht seit der Antike, weil es dem Auftrag christlicher Gesinnung gemäß Matthäus 25 entspricht.

Der systematische Ausbau der Gefängnisseelsorge erfolgte Ende des 16. und im 17. Jahrhundert, als die moderne Freiheitsstrafe als Rechtspflegemittel aufkam, mittlerweile ist es in den meisten Ländern längst auf verschiedene religiöse Angebote ausgeweitet, hat also den engen christlichen Horizont überschritten.

In den Staaten westlicher Demokratien, insbesondere in Deutschland, Schweiz und Österreich finden sich gesetzliche Grundlagen für die subjektiv-öffentlichen Rechte der Gefangenen auf religiöse (seelsorgerliche) Begleitung. In Deutschland stellt die heutige Rechtsgrundlage ist Art. 140 GG in Verbindung mit Art. 141 WRV. Es handelt sich um eine gemeinsame Aufgabe von Staat und Religionsgemeinschaften, eine sogenannte res mixta. In der Schweiz gilt gemäß BV Art. 15 Glaubens- und Gewissensfreiheit und im Speziellen eine jeweils kantonal verfasste Justizvollzugsverordnung, z.B. jene des Kantons Zürich (JVV) im § 113 zum Bereich „Betreuung und Seelsorge“. In Österreich ist die Seelsorge in Justizanstalten durch §85 StVG geregelt.

Anstaltsseelsorger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie werden nach § 157 Strafvollzugsgesetz in Deutschland im Hauptamt bestellt oder vertraglich verpflichtet. Dazu werden sie nach einer Probezeit als Beamte auf Lebenszeit oder im Angestelltenverhältnis in den Staatsdienst übernommen. Eine Auflösung des Arbeitsvertrags auf eigene Veranlassung oder auf Wunsch des zuständigen Bischofs (Versetzung) ist möglich.

In dieser Form der Seelsorge arbeiten Geistliche und Laien. Sie müssen psychisch stabil und kommunikationsfähig sein. Sie gehen als Vertreter der Kirchen in die JVA. Als Leitbild der Gefängnisseelsorge gilt das Bibelzitat „Ich bin gefangen gewesen und ihr habt mich besucht (Matthäus 25, 36)“. Nach christlichem Menschenbild verliert kein Mensch seine von Gott geschenkte Würde. Die Seelsorger genießen durch ihre Schweigepflicht und das Zeugnisverweigerungsrecht ein hohes Vertrauen. Durch ihre Unabhängigkeit sind sie ergänzend zu den Beiräten bei den JVA ein Teil der institutionalisierten Öffentlichkeit im Strafvollzug.

Inhalte der Seelsorge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute umfasst die Gefängnisseelsorge die Feier von Gottesdiensten und die Sakramentenspendung ebenso wie das Angebot von Gesprächen und Zellenbesuchen, Hilfen bei Weiterbildungsmaßnahmen, Aufrechterhaltung der Kontakte mit Verwandten sowie Vermittlung von anderen Hilfsangeboten.

Islamische Gefängnisseelsorge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Niedersachsen: Seit Dezember 2012 können Muslimische Strafgefangene in Niedersachsen überall im Land von islamischen Seelsorgern betreut werden.[1]
  • Berlin: Nachdem die Stadt Berlin selbst 2011 eine entsprechende Anfrage an die muslimischen Vereine herangetragen hatte, wurde hierfür eigens ein Arbeitskreis gebildet, aus dem später der Verein Arbeitsgemeinschaft Muslimische Gefängnisseelsorge e.V. hervorging. Am 23. August 2013 teilte der Berliner Justizsenator den Vertretern der Arbeitsgemeinschaft mit, dass die „gute Zusammenarbeit“ beendet sei. Als Begründung wurde angeführt, dass „zentrale Personen“ des Vereins durch die Senatsverwaltung für Inneres und Sport unter Sicherheitsgesichtspunkten als problematisch eingeschätzt würden. Namen wurden dabei nicht genannt.[2]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kanton Bern: In der Berner Strafanstalt Thorberg betreut seit Sommer 2012 ein Imam muslimische Gefangene, nachdem 2011 eine Nationalfonds-Studie für eine Aufwertung der Gefängnisseelsorge plädiert hatte. Die Untersuchung war zum Schluss gekommen, dass die religiösen Bedürfnisse der Gefangenen besser berücksichtigt werden müssten.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bekanntmachung durch Radio Vatikan am 19. Dezember 2012 (abgerufen am 11. Juli 2014)
  2. Deutsch-Türkisches Journal: Verfassungsschutz-Schikanen: Muslime sagen Islamforum ab (abgerufen am 11. Juli 2014)
  3. KIPA: Berner Imam betreut muslimische Gefangene in der Strafanstalt Thorberg (abgerufen am 11. Juli 2014)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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