Gemeindezentrum (Religion)

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Gemeindesaal in der Versöhnungskirche in Berlin-Biesdorf

Ein Gemeindezentrum ist ein Bauwerk, das verschiedenen Zwecken einer Religionsgemeinschaft am Ort dient. Hierbei kann es sich um ein einzelnes Gebäude oder um ein Gebäudeensemble handeln. Viele Gemeindezentren enthalten einen Gottesdienstraum.

Der Begriff „Gemeindezentrum“ oder (kirchliches) Gemeindehaus ist gebräuchlich z. B. für christliche, jüdische und islamische Einrichtungen. Der Begriff „Kirchenzentrum“ wird in christlichen Gemeinden verwendet, im Bereich der katholischen Kirche spricht man oft von Pfarrzentrum, Pfarrheim oder Pfarreiheim. In der Schweiz wird ein solches Gebäude auch als Kirchgemeindehaus bezeichnet, um es vom säkularen Gemeindehaus zu unterscheiden.

Gottesdienstraum im Gemeindezentrum: Tersteegenhaus in Köln-Sülz
Dresden: Jüdisches Gemeindezentrum (r.) und Synagoge (l.)

Im Islam hat die Moschee, im Judentum die Synagoge neben dem Gebet immer auch die Funktion eines sozialen Treffpunkts. Im deutschen Sprachraum benutzen diese Religionsgemeinschaften daher auch den Begriff „Gemeindezentrum“. In mehreren islamischen Gemeinden wurde für den Rechtsträger der Moschee der Name „Islamisches Gemeindezentrum e. V.“ gewählt.[1][2] In analoger Weise begegnet Gemeindezentrum auch als Bezeichnung für buddhistische (Wat) und hinduistische Räumlichkeiten.[3]

Oft wird einem Gemeindezentrum ein Name gegeben, etwa der des Pfarrpatrons (z. B. Marienheim), einer lokal oder allgemein bekannten Persönlichkeit (Pfarrer-XY-Haus) oder ein biblischer oder religiöser Begriff (z. B. Die Arche).

Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gottesdienstraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typischer Gemeinderaum im ländlichen Raum: Einbau unter der Empore mit Tischen und Harmonium (St. Johannis (Dietendorf))
Seitenemporen als Gemeinderäume, durch Glasscheiben abgetrennt: St. Peter (Krempe)

In Gemeinden ohne separate Kirche, Synagoge oder Moschee dient ein zentraler Raum des Gemeindezentrums als Gottesdienstraum, der auch ständig hierfür ausgestattet ist, bei christlichen Gemeinden etwa mit Altar, Lesepult und Orgel. Es finden sich vielfach variable Lösungen, bei denen der Gottesdienstraum nach Bedarf durch verschiebbare Wände um benachbarte Räume erweitert werden kann oder für eine Mehrfachnutzung offengehalten wird. Die Einbeziehung eines Gottesdienstraumes ins Gemeindezentrum kann dauerhaft sein oder – etwa in Neubau- oder Diasporagebieten – eine Interimslösung bis zum Bau eines Gotteshauses darstellen. Auch bei bestehender Kirche kann der Gottesdienstraum seine Funktion bei besonderen Anlässen behalten, etwa für eine Nutzung als Winterkirche. In islamischen Gemeinden bestehen vielerorts Hinterhofmoscheen mit Beetsaal und Begegnungsraum, oft als Vorstufe für eine Moschee. Zu jüdischen und islamischen Gotteshäusern gehören separate Gebetsräume für Frauen und die Orte für die vorgeschriebenen rituellen Waschungen.

Begegnungsstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine wesentliche Funktion des Gemeindezentrums ist die eines Versammlungsraumes für Gemeindeversammlungen, Glaubensunterweisung, Erwachsenenbildung, Kulturveranstaltungen, Seniorenbegegnung, Jugendarbeit, für Zusammenkünfte von Gruppen und Vereinen, für Proben von Kirchenchor und anderen Musikgruppen, für Feste und Feiern. Das Raumprogramm ist auf die Größe der Gemeinde abgestimmt. Neben einem großen Gemeinderaum (Gemeindesaal, Festsaal, katholisch: „Pfarrsaal“) bestehen meist mehrere kleinere Gruppenräume und die entsprechenden Funktionsräume, etwa eine Küche. In den letzten Jahrzehnten sind die Gemeinden aus Kostengründen vielfach dazu übergegangen, die Räume auch an nicht zur Gemeinde gehörende Gruppen oder für private Veranstaltungen zu vermieten.

Weitere Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ins Gemeindezentrum können weitere Einrichtungen der Gemeinde integriert sein wie Gemeindebüro, Kindertagesstätte, Bibliothek, Bildungseinrichtungen, Suppenküche oder Dienstwohnungen für Seelsorger und Mitarbeiter, im Judentum auch eine Mikwe.

Architektonische Tendenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In kleinen Gemeinden gab und gibt es vielerorts nur einen einzigen Gemeinderaum, etwa im Erdgeschoss des Pfarrhauses.

Die Entstehung von christlichen Gemeindezentren seit dem 19. Jahrhundert kann als „baukonzeptionelle Antwort auf die Ausdifferenzierung volkskirchlicher Strukturen zu gruppenspezifischen Formen“ in Zeiten eines sich entwickelnden Vereinswesens verstanden werden, wo Gemeindeglieder über die Gottesdienste hinaus zusammengeführt werden sollen.[4]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden nach Plänen des Architekten Otto Bartning in Deutschland eine Vielzahl von evangelischen Kirchneubauten errichtet, dazu gehören auch eine Reihe von Gemeindezentren. In den später errichteten Neubaugebieten wurden häufig keine klassischen Kirchengebäude gebaut, sondern – „als Ausdruck welt- und alltagsoffener Gemeindetheologie“ – stattdessen multifunktionale Gemeindezentren unter Verzicht auf das „städtebauliche Leitbild Kirche“. Diese Gebäudekomplexe werden mitunter dennoch als Kirchen bezeichnet (z. B. Versöhnungskirche in Berlin-Biesdorf). Ab etwa 1980 ist im evangelischen Bereich eine deutlichere Akzentuierung einer „sakralen Zelle als dem Gottesdienst vorbehaltener Mitte“ zu beobachten.[5]

Ab 1988 wurde in der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche in Nürnberg ein Gemeidehauskomplex in die Kirche eingebaut.[6] Im 21. Jahrhundert verstärkte sich die Tendenz, nicht mehr (ganz) genutzte Kirchengebäude in Gemeinderäume umzubauen. In evangelischen Kirchen wurde gelegentlich auch eine geräumige Empore zum Einbau des Gemeinderaums genutzt, unterhalb oder auch auf der Empore.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Monika Leisch-Kiesl, Christoph Freilinger, Jürgen Rath (Hrsg.): Altarraum als Gemeinderaum, Umgestaltung bestehender Kirchen. Linz 2003, ISBN 978-3-902330-06-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gemeindehäuser (religiös) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Gemeindezentrum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Islamisches Gemeindezentrum Brühl e. V.
  2. Islamisches Gemeindezentrum Siegen e. V. (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.igz-siegen.de
  3. Hinduistisches Gemeindezentrum in Hamm
  4. Klaus Raschzok: Art. „Gemeindezentrum.“ In: RGG 4, Bd. 3, Sp. 630f.
  5. Klaus Raschzok: Art. „Gemeindezentrum.“ In: RGG 4, Bd. 3, Sp. 631.
  6. Vortrag insbesondere zum Umbau der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche und der späteren Nutzung einschließlich Kommentierung von Matthias Ludwig auf kirchbautag.de, abgerufen am 12. April 2016