Diaspora

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Der Begriff Diaspora ([diˈaspora], griechisch διασπορά diaspora ‚Verstreutheit‘) bezeichnet seit dem späten 19. Jahrhundert hauptsächlich religiöse oder ethnische Gruppen, die ihre traditionelle Heimat verlassen haben und unter Andersdenkenden lebend über weite Teile der Welt verstreut sind. Er kann aber auch einfach eine Minderheitssituation, vor allem einer Religionsgruppe, bezeichnen.

Allgemein

Ursprünglich wurden mit „Diaspora“ geschlossene Siedlungen der Juden bezeichnet, die nach dem Untergang des Reiches Juda 586 v. Chr. zunächst im Babylonischen Exil entstanden und sich in den folgenden Jahrhunderten von hier und von Palästina aus ausbreiteten, die jüdische Diaspora. Seit der frühen Neuzeit wird der Begriff auch auf lokale Minderheiten der christlichen Diaspora bezogen.

Das Wort ist eine Prägung der Septuaginta Deut. 28, 64 u. ö. „du sollst eine Diaspora sein in allen Reichen auf Erden“, wobei diaspora als Euphemismus für „Entsetzen“ oder „Schande“ etc. gewählt wurde.

Heute bezieht sich der Begriff u. a. auf

  • die afghanische Diaspora, v.a. Flüchtlinge, die aufgrund der Kriege in Afghanistan seit den 1980er Jahren stattfinden, fliehen und geflohen sind, v.a. in die Nachbarländer Iran, Pakistan und Tadschikistan, aber auch nach Europa (die meisten nach Deutschland und ins Vereinigte Königreich) und Amerika (nach Kanada und in die USA).
  • die afrikanische Diaspora als die Gesamtheit der Afrikaner und ihrer Kulturen, die historisch u. a. durch die Sklaverei verstreut wurden.
  • die albanische Diaspora der ca. 8,5 Millionen außerhalb ihres Herkunftslandes lebenden Albaner, die meisten davon im angrenzenden Kosovo und Mazedonien, aber auch in der Türkei, in Italien, Griechenland und Deutschland.
  • die arabische Diaspora, z. B. in Frankreich, Israel, Osttimor oder der Türkei.
  • die armenische Diaspora, entstanden durch die Vertreibungen, denen die Armenier im Laufe der Geschichte immer wieder ausgesetzt waren. Die Überlebenden flohen zunächst in mehrere Gebiete des Nahen Ostens und bildeten später weltweit zahlreiche weitere Diaspora-Gemeinden (vor allem in den USA (dort v.a. in Kalifornien) und Frankreich)
  • die aserbaidschanische Diaspora mehrerer Millionen Aserbaidschaner, wovon die meisten in Russland (eine bis zwei Millionen) und den USA leben.
  • die bosnische Diaspora, etwa zwei Millionen Menschen, die v.a. während der Balkankriege der 1990er Jahre geflohen sind, die meisten davon in (West- und Nord-)Europa, Australien und Neuseeland.
  • die britische Diaspora: Engländer, Schotten und Waliser, die aus verschiedensten Gründen emigriert sind, die meisten davon nach Australien, Spanien und die USA.
  • die bulgarische Diaspora, etwa drei Millionen Bulgaren, die meisten davon in der Türkei, Griechenland, den USA, Spanien, dem Vereinigten Königreich, Italien und Deutschland.
  • die chinesische Diaspora, weltweit über 50 Millionen Menschen, die meisten davon in anderen Ländern (Ost-)Asiens sowie in den USA und Kanada, siehe auch Chinesische Emigration
  • die christliche Diaspora der christlichen Minderheiten vor allem in Ost- und Südostasien; auch die konfessionelle Diaspora (z. B. Katholiken in Nord- und Ostdeutschland (siehe dazu Bonifatiuswerk) und in Nordeuropa, Protestanten in Südeuropa)
  • die eritreische Diaspora, etwa eine Million Emigranten, die v.a. während des Unabhängigkeitskrieges 1961–1991 geflohen sind, die meisten davon in den benachbarten Sudan, oder nach Europa (Italien, Deutschland und Schweden).
  • die griechische Diaspora, die v.a. in den USA, in Zypern, im Vereinigten Königreich, in Deutschland, in Kanada und im benachbarten Albanien lebt.
  • die indische Diaspora, die meisten Emigranten leben im Nachbarland Nepal sowie in den USA, Malaysia, den VAE, Saudi-Arabien, dem Vereinigten Königreich, Südafrika, Kanada und Mauritius.
  • die irakische Diaspora, einige Millionen Iraker, die vor den vergangenen und dem gegenwärtigen Krieg in ihrem Land geflohen sind, die meisten davon leben in Syrien, Jordanien, dem Vereinigten Königreich, Israel, Iran, Ägypten, Deutschland und Schweden.
  • die iranische Diaspora, viele davon während der Revolution von 1979 geflohen, die meisten leben in der Türkei, den VAE, den USA, Bahrain, Kanada, Israel, Deutschland und dem Vereinigten Königreich.
  • die irische Diaspora, irische Flüchtlinge infolge der Großen Hungersnot in Irland und politischer und/oder religiöser Unterdrückung (die meisten davon heute in den USA, in Großbritannien, Australien und Kanada), heutige Nachkommen ca. 80 Millionen weltweit.
  • die islamische Diaspora als die muslimische Minderheit in Europa und Nordamerika
  • die italienische Diaspora der weltweit ca. 27 Millionen Migranten italienischer Herkunft, die ihr Land v.a. zwischen 1870 und 1920 und dann in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, meist aus wirtschaftlichen Gründen, verlassen haben; mehrere oder mindestens etwa eine Million leben in Südamerika in Brasilien, Argentinien, Venezuela, Peru und Uruguay, in Nordamerika in den USA, und in Europa in Frankreich und Deutschland; knapp eine Million sind auch in Australien ansässig.
  • die jüdische Diaspora im modernen Sinn als diejenigen Juden, die außerhalb des jüdischen Staates Israel leben, wobei unter Diaspora im engeren Sinne überwiegend das freiwillige und unter Galut bzw. Galuth (hebr.) das unfreiwillige Exil verstanden wird (siehe auch Link unten). Es werden traditionell vier Galujot (Mehrzahl von Galut) unterschieden: das babylonische Exil, das persische Exil, das hellenistische Exil und das im Prinzip bis heute andauernde „edomitische Exil“ (im Römischen Reich und seinen Nachfolgezivilisationen)
  • die kolumbianische Diaspora, etwa 5 Millionen, die seit dem frühen 20. Jh. v.a. vor Bürgerkriegen geflohen sind, die meisten in die USA, ins benachbarte Venezuela sowie nach Spanien.
  • die koreanische Diaspora von etwa 7 Millionen Menschen, wovon die meisten in China, den USA, Japan und Kanada leben.
  • die kosovarische Diaspora von knapp einer Million, die meisten davon in der Schweiz, in Deutschland und den USA.
  • die kroatische Diaspora der ca. 2,5 Million Kroaten außerhalb Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas, die meisten davon in den USA, Chile, Argentinien, Deutschland, Österreich und Australien.
  • die kubanische Diaspora, Emigranten, die während der Kubanischen Revolution von 1959 geflohen sind, die meisten davon in die USA (Miami, Florida).
  • die Kurden, die die größte Nationalität weltweit ohne eigenen Staat sind (siehe Kurdistan), 40 Millionen Menschen, von denen die meisten (16 Mio.) auf dem Gebiet der Türkei leben, mehrere Millionen jeweils im Iran, Irak und in Syrien. Außerhalb der Region sind die meisten Kurden in Deutschland (mindestens eine halbe Million), in Frankreich (ca. 150 000), in Schweden und im Vereinigten Königreich ansässig.
  • die libanesische Diaspora, ca. 15-16 Millionen Menschen, die v.a. in Brasilien, Argentinien, den USA und Australien leben.
  • die mazedonische Diaspora, etwa 600 000 Menschen (ein Drittel der gesamten mazedonischstämmigen Bevölkerung), die meisten davon in Australien, Italien, Deutschland, der Schweiz, Serbien, den USA, Brasilien, Kanada, Argentinien sowie dem benachbarten Griechenland.
  • die mexikanische Diaspora, etwa 35 Millionen Menschen (etwa ein Viertel aller Mexikanischstämmigen), von denen der allergrößte Teil in den USA lebt.
  • die montenegrinische Diaspora, etwa 40 % aller Montenegriner lebt außerhalb des Landes, die meisten in der Türkei, in den USA und in Serbien.
  • die nigerianische Diaspora, etwa 3 Millionen Menschen, die meisten davon in den USA und dem Vereinigten Königreich (je mindestens eine halbe Million).
  • die pakistanische Diaspora, etwa 7 Millionen Menschen, die meisten (je mehr als eine Million) in Saudi-Arabien, den VAE und dem Vereinigten Königreich.
  • die polnische Diaspora der weltweit ca. 20 Millionen Migranten polnischer Abstammung, davon leben etwa die Hälfte in den USA, 3 bis 5 Millionen in Deutschland, je 2 bis 3 Millionen im Vereinigten Königreich und in Brasilien, sowie je 1 Million in Kanada und Frankreich.
  • die portugiesische Diaspora, etwa 7 Millionen, davon 5 Millionen in Brasilien, weiters jeweils eine größere Anzahl in den USA, in Venezuela und in Frankreich, Kanada, Südafrika und Angola.
  • die puertoricanische Diaspora, 5 Millionen Puertoricaner in den USA, sowie kleinere Gruppen in Kanada und Spanien.
  • Roma, etwa 10 Millionen, davon die meisten in der Türkei, Rumänien, den USA, Ungarn, Bulgarien, Spanien, Frankreich, Serbien und Griechenland.
  • die rumänische Diaspora, etwa 7 Millionen, davon etwa 1 Million in Italien, größere Gruppen (je mindestens eine halbe Million) auch in Spanien, Deutschland und den USA.
  • die russische Diaspora der ca. 4,4 Millionen Russen in Europa (davon etwa 1,2 Millionen in Deutschland) und 4 Millionen in Amerika[1][2][3][4]
  • die schottische Diaspora, mindestens 20 Millionen weltweit, mehrere Millionen jeweils in den USA und Kanada, größere Gruppen (mindestens je eine halbe Million) in England und Nordirland (Ulster Scots).
  • die serbische Diaspora, 2 bis 3 Millionen weltweit, davon die meisten in Deutschland, Österreich und den USA, Australien, Kanada, Schweden und der Schweiz.
  • Sikhs außerhalb des Punjab, d.h. Indiens und Pakistans, etwa 10 Millionen, die meisten davon in den USA, Kanada, dem Vereinigten Königreich und Australien.
  • die somalische Diaspora, 4 bis 5 Millionen, wovon die meisten in den Nachbarländern Äthiopien, Kenia und Dschibuti leben.
  • die südostasiatische Diaspora der verstreuten Flüchtlinge infolge der zahlreichen Kriege in Südostasien (Zweiter Weltkrieg, Indochinakrieg, Vietnamkrieg)
  • die syrische Diaspora, zwischen 8 und 15 Millionen, die meisten davon in Brasilien, der Türkei, Libanon (je über 1 Million), Jordanien, Argentinien, Saudi-Arabien, Irak, den USA, Ägypten, Kuwait, Deutschland und Griechenland.
  • die tamilische Diaspora, etwa 3 Millionen Tamilen außerhalb Indiens und Sri Lankas, die meisten davon leben in Malaysia, dem Vereinigten Königreich, den USA, Südafrika, Kanada und Singapur.
  • die türkische Diaspora der weltweit ca. 7 Millionen außerhalb der Türkei lebenden Türken, die meisten davon in Deutschland (etwa 1,6 Millionen), größere Gruppen auch in Frankreich, den Niederlanden, den USA, und Österreich.
  • die tschetschenische Diaspora, etwa 2 Millionen, die wegen des Tschetschenienkrieges in den 1990er Jahren geflohen sind meistens in (andere Teile) Russlands, ansonsten auch in die Türkei, nach Kasachstan, Frankreich, Österreich und Belgien.
  • die ukrainische Diaspora, mindestens 5 Millionen, davon die meisten in Russland (knapp 2 Mio.), Kanada (über 1 Million) und den USA (knapp eine Million).
  • die ungarische Diaspora von etwa 5 Millionen außerhalb des heutigen Ungarn lebenden Menschen ungarischer Abstammung (in Europa die meisten davon in Rumänien und den USA (je über 1 Million), größere Gruppen auch in den anderen Nachbarländern Ungarns, v.a. der Slowakei, Serbien, der Ukraine und Österreich, sowie in Kanada, Israel und Deutschland).
  • die venezolanische Diaspora, Emigranten, die v.a. in den USA, Mexiko, Brasilien und Italien leben.
  • die vietnamesische Diaspora, viele sind während des und nach dem Vietnamkrieg geflohen; die meisten davon leben in den USA, im benachbarten Kambodscha sowie in Frankreich und Taiwan.

Moderne Diaspora

Das 20. Jahrhundert ist als Jahrhundert der Migration durch zahllose Flüchtlingsströme gekennzeichnet, die ihre Ursachen in Krieg, Nationalismus, Armut und Rassismus haben. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sahen zahlreiche Flüchtlinge aus Europa, Asien und Nordafrika ihr Heil in Amerika.

Zu den Flüchtlingsethnien zählen u. a.:

Die größte Zahl durch Flucht entwurzelter ethnischer Gruppen befindet sich in Afrika.

Bedeutung

Über die materiellen Probleme hinaus stellt die Diasporasituation die Menschen vor die Frage der kulturellen Identität. Oft betonen und überhöhen sie die Werte ihres Ursprungslandes. Ein Effekt, für den es sogar eine deutsche Redensart gibt: Je weiter von Rom, desto besser die Katholiken.

Freiwillige oder erzwungene Ab- und Ausgrenzung einerseits, Assimilation bis zum Verlust der eigenen Ethnosprache oder Religion andererseits sind die Extreme, zwischen denen Diasporabevölkerungen ihren Weg suchen. Die dabei seit Jahrhunderten gewonnenen Erfahrungen können wertvoll sein für eine Welt, in der kulturelle Vielfalt zur Normalsituation wird.

Insgesamt entwickeln Minderheiten, die lange Zeit nirgends hoffen dürfen, eine Mehrheit zu werden, durchaus spezifische „Politik“-Konzepte; auch gegenüber anderen Minderheiten.

Siehe auch

Literatur

  •  Gavriʾel Sheffer: Diaspora Politics. At Home Abroad. Cambridge University Press, New York 2003, ISBN 0-521-81137-6.
  •  Ruth Mayer: Diaspora. Eine kritische Begriffserklärung. Transcript, Bielefeld 2005, ISBN 3-89942-311-9.

Weblinks

 Commons: Diasporas – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma
 Wiktionary: Diaspora – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. http://www.inosmi.ru/print/226533.html (russisch-kyrillischer Text)
  2. http://www.ln.mid.ru/Brp_4.nsf/arh/B6BE784B3E2ABD1343256DF8003AC21C?OpenDocument (russisch-kyrillischer Text)
  3. http://www.demoscope.ru/weekly/2006/0251/tema02.php (russisch-kyrillischer Text)
  4. V. G. Makarov; V. S. Christoforov: «Passažiry ‹filosofskogo paroxoda›. (Sud’by intelligencii, repressirovannoj letom-osen’ju 1922g.)». In: Voprosy filosofii Nr. 7 (600) 2003, S. 113-137 [russ.: «Die Passagiere des ‹Philosophenschiffs›. (Die Schicksale der im Sommer/Herbst 1922 verfolgten Intelligenzija)»; enthält eine Liste mit biographischen Angaben zu allen 1922-1923 aus Russland exilierten Intellektuellen].
  5. Serbien-Montenegro.de | Serben in Deutschland