Geoblocking

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Das Geoblocking ist die im Internet eingesetzte Technik zur regionalen Sperrung von Internetinhalten durch den Anbieter. Die Technik kommt insbesondere beim Urheberschutz über das Internet verbreiteter Werke wie Filme und Fernsehübertragungen zum Einsatz.[1]

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „Geoblocking“ setzt sich aus der Vorsilbe geo- (dt. Erde) und dem englischen Wort blocking (dt. blockieren, sperren) zusammen. Gemeint ist eine Sperrung von Internetinhalten aufgrund der geographischen Herkunft, z. B. Zugehörigkeit zu einem bestimmten Staat der Erde.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Nutzung des Internets wird eine Verbindung zu einem Internetdienstanbieter (Provider) geschaffen. Während des Verbindungsvorganges bekommt jeder Nutzer vom Provider eine weltweit eindeutige Nummer zugewiesen, die als IP-Adresse bezeichnet wird. Unter dieser Nummer tritt der Internetnutzer im Netz auf und stellt unter diesem Erkennungszeichen über den Provider Verbindungen zu den von ihm aufgerufenen Internetserver her und erhält an diese IP-Adresse die gewünschten Inhalte übermittelt. Die IP-Adresse kann also als Postanschrift eines Internetnutzers im Netz verstanden werden.

Die IP-Adresse stammt aus einem dem Provider zugewiesenen Bereich von IP-Adressen. Die Adressbereiche jedes Providers sind öffentlich bekannt (siehe Autonomes System); sie funktionieren ähnlich wie Postleitzahlen. Damit lässt sich erkennen, zu welchem Provider ein Nutzer gehört. Damit ist der Standort des Internetnutzers anhand des Adressbereiches der IP-Adresse ungefähr erkennbar. Fordert nun der Internetnutzer eine bestimmte Resource an, wird dem jeweiligen Seitenbetreiber auch immer seine aktuelle IP-Adresse übermittelt, so dass dieser sehr leicht erkennen kann, aus welchem Land der Nutzer der Seite stammt (Geotargeting).

Anwendungsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Kenntnis der Herkunft des Internetnutzers kann der Internetseitenanbieter den Nutzer technisch zum Beispiel wegen eines landesspezifischen Urheberrechts von der Anzeige bzw. der Nutzung von bestimmten Internetinhalten ausschließen. Dies geschieht insbesondere bei Filmen und Fernsehübertragungen im Internet sehr häufig.

In Deutschland nutzt zudem z. B. das Videoportal YouTube das Geoblocking sehr stark zur Sperrung von in Deutschland urheberrechtlich geschützten Musikvideos. Da das deutsche Urheberrecht nicht weltweit gilt, sind diese Videos grundsätzlich frei aufrufbar.

Das Geoblocking betrifft nicht nur die audio-visuellen Medien im Internet, die aus kommerziellen Gründen blockiert werden. Internetseiten werden auch von Staaten zensiert. So sind Staaten wie Nordkorea, Kuba, China oder die Türkei bekannt für ihre strikte Internetzensur. Mehr oder weniger ausgeprägt sperren die Staaten den Zugang zu (meist ausländischen) Internetseiten für ihre Bürger. Über die Zuordnung der IP-Adresse des Nutzers zu einem Staat erkennt dann der Provider, ob der Inhalt dem Nutzer angezeigt werden darf oder nicht.[2]

Umgehungsmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geoblocking kann durch Nutzung eines Proxy-Servers, der in einem nicht-gesperrten Land steht, Virtuelle Private Netze (VPN) und Anonymisierer umgangen werden.[3] Ob es sich hierbei jedoch nach deutschem Recht um eine Urheberrechtsverletzung in Form einer illegalen Umgehung einer wirksamen technischen Schutzmaßnahme im Sinne des § 95a Abs. 2 Satz 1 UrhG handelt, ist umstritten.[4] Im Schrifttum wird dies überwiegend angenommen.[5] Gerichtliche Klärung hat die Frage bislang noch nicht erfahren.

Zukünftige Entwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der derzeit geplanten EU-Urheberrechtsreform forderte eine Initiative von Internetnutzern die generelle Abschaffung des Geoblockings.[6]

Der geplante Gesetzentwurf der EU-Kommission sieht zwar vor, Webseitenbetreibern das Geoblocking zu untersagen. Allerdings sollen audiovisuelle Werke der Filmindustrie, Fernsehsender und Sportrechteverwerter ausgenommen sein, um auch in Zeiten des „digitalen Binnenmarktes“ das Territorialitätsprinzip bei der Verwertung audiovisueller Werke (z. B. der Filmverwertung) zu wahren.[7]

Die Verordnung (EU) 2018/302 gegen ungerechtfertigtes Geoblocking im Binnenmarkt[8] (GB-VO) wurde am 2. März 2018 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht und gilt seit dem 3. Dezember 2018.[veraltet][9] Diese sogenannte Geoblocking-Verordnung wird in der rechtswissenschaftlichen Lehre kritisch gesehen.[10]

Diese Verordnung wurde in Deutschland mit dem Gesetz vom 29. November 2018 als Änderung des Telekommunikationsgesetzes umgesetzt (BGBl. I S. 2230).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Witold Pryjda: Ländergrenzen im Internet: Geoblocking verhindert das grenzenlose Surfvergnügen. In: zeit.de. 3. November 2009, abgerufen am 21. Juni 2015.
  2. Geoblocking zum Schutz der Online-Privatsphäre verhindern. In: SpyOFF. Abgerufen am 17. März 2016.
  3. Hannes Federrath: Geoblocking und die Möglichkeiten der Technik. In: Zeitschrift für Urheber- und Medienrecht (ZUM). 2015, S. 929–932.
  4. Andreas Wiebe: Geoblocking im Lichte von europäischem Recht und europäischer Rechtsprechung. In: Zeitschrift für Urheber- und Medienrecht. Bd. 59, Nr. 12, 2015, S. 932–941, hier S. 933.
  5. In diesem Sinne etwa Spindler in Spindler/Schuster: Recht der elektronischen Medien. 3. Auflage, 2015, UrhG § 95a Rn. 12; Martin v. Albrecht, Annette Mutschler-Siebert, Tobias Bosch: Die Murphy-Entscheidung und ihre Auswirkungen auf Sport- und Filmlizenzen im Online-Bereich. Die exklusive territoriale Rechtevergabe ist kein Modell der Vergangenheit! In: Zeitschrift für Urheber- und Medienrecht. Bd. 56, Nr. 2, 2012, S. 93–100, hier S. 97; Verena Hoene: Geoblocking: EU-Verordnung für mehr Transparenz im elektronischen Handel. In: Der IP-Rechts-Berater. Bd. 8, Nr. 8, 2017, S. 183–186, hier S. 184; Ansgar Ohly: Geoblocking zwischen Wirtschafts-, Kultur-, Verbraucher- und Europapolitik. In: Zeitschrift für Urheber- und Medienrecht. Bd. 59, Nr. 12, 2015, S. 942–950, hier S. 943; Andreas Wiebe: Geoblocking im Lichte von europäischem Recht und europäischer Rechtsprechung. In: Zeitschrift für Urheber- und Medienrecht. Bd. 59, Nr. 12, 2015, S. 932–941, hier S. 933.
  6. Interview zur EU-Urheberrechtsreform. (Nicht mehr online verfügbar.) In: wdr.de. 5. Mai 2015, ehemals im Original; abgerufen am 21. Juni 2015.@1@2Vorlage:Toter Link/www1.wdr.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. Kein Geoblocking-Verbot für audiovisuelle Dienste. In: mediabiz.de. 12. Mai 2016, abgerufen am 13. Mai 2016.
  8. Verordnung (EU) 2018/302 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 28. Februar 2018 über Maßnahmen gegen ungerechtfertigtes Geoblocking und andere Formen der Diskriminierung aufgrund der Staatsangehörigkeit, des Wohnsitzes oder des Ortes der Niederlassung des Kunden innerhalb des Binnenmarkts und zur Änderung der Verordnungen (EG) Nr. 2006/2004 und (EU) 2017/2394 sowie der Richtlinie 2009/22/EG
  9. EU-Verordnung gegen ungerechtfertigtes Geoblocking gilt ab 3. Dezember 2018. Abgerufen am 16. April 2018 (deutsch).
  10. Oliver Peschel: Kommt das Geoblockingverbot? In: GPR. Otto Schmidt, 2016, S. 194.