Georg Nymmann

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Gegor Nymmann, Stich von Lucas Kilian (1627)

Georg Nymmann, auch: Gregor Nymann, Niemann, Nymmannus; (* 14. Januar 1592 in Wittenberg; † 18. Oktober 1638 ebenda) war ein deutscher Mediziner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geboren als Sohn des Hieronymus Nymmann und seiner Frau Sibylla (* 20. August 1568 in Wittenberg), die Tochter des Wittenberger Bürgers und Kramers Ägidius Strauch und seiner Frau Sybilla, die Witwe Dietrich Staffens, verlor er in frühster Jugend seinen Vater. Durch seinen Stiefvater Tobias Tandler gefördert, immatrikulierte man ihn bereits am 12. April 1599 an der Universität Wittenberg. Nachdem er die entsprechende Vorbildung erlangt hatte, bezog er um 1609 die Universität seiner Heimatstadt um zunächst ein philosophisches Grundstudium zu absolvieren.

Hier besuchte er unter anderem die Vorlesungen in Poetik bei Friedrich Taubmann, wurde in Ethik von Heinrich Velstein den Jüngeren und Balthasar Meisner ausgebildet, sowie auch in Geschichte bei Johannes Wanckel, in griechischer Sprache bei Erasmus Schmidt, in Logik bei Jakob Martini, in Mathematik bei Ambrosius Rhode und Tobias Tilemann, in Physik bei Georg Wecker und in Rhetorik bei Adam Theodor Siber[1]. So in den Artes liberalis gebildet, erwarb er sich am 12. April 1614 den akademischen Grad eines Magisters der Philosophie.

Sein ursprüngliches Hauptanliegen war es jedoch seinem Vater, bzw. seinem Stiefvater nachzustreben und ein aufbauendes Studium der Medizin zu absolvieren. Nachdem Ernst Hettenbach gestorben war, erlangte er 1617 Zugang zum Vorlesebetrieb der medizinischen Fakultät der Wittenberger Hochschule, absolvierte unter Daniel Sennert mit der Dissertation De epilepsia am 29. Januar 1618 das Lizentiat der Medizin und nachdem er bei Moritz Blum am 5. März 1619 zum Thema De apoplexia disputiert hatte, promovierte Nymmann am 29. Juni 1618 zum Doktor der Medizin. Im selben Jahr erhält er die dritte ordentliche Professur für Natur und Botanik, an der medizinischen Fakultät der Hochschule seiner Heimatstadt.

1626 stieg er nach dem Tod von Wolfgang Schaller in die zweite medizinische Professur auf und übernahm nach dem Tod von Daniel Sennert 1637 das Ordinat der medizinischen Fakultät. Nymmann, der während der Zeit des dreißigjährigen Krieges Pestepidemien in Wittenberg erlebte, litt seit 1623 an einer Milzkrankheit, an der er verstarb. Sein Leichnam wurde am 22. Oktober in Wittenberg beigesetzt. Nymmann hat sich auch an den organisatorischen Aufgaben der Wittenberger Akademie beteiligt und war in den Wintersemestern 1621, 1627, 1631 und 1637 Rektor der Hochschule.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine wissenschaftliche Leistung hat er auch auf dem Gebiet seiner Krankheit hinterlassen. 1628 verfasste unter dem Titel De vita foetus in utero sein Hauptwerk. Er stellt darin fest dass das Dasein des Fötus im Mutterleib ein verhältnismäßiges selbständiges sei. Dabei verfolgte er, dass die Vorwegnahme des Kaiserschnitts bei verstorbenen Schwangeren, zur gesetzlichen Vorschrift gemacht werden sollte. Die Schrift wurde wenig beachtet, der Gedanke seiner Ausführungen hat aber später an der Sorbonne praktische Geltung erlangt.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genealogisch wäre anzumerken das aus seiner am 5. Juni 1621 geschlossenen Ehe mit Martha (* 3. Mai 1602 in Bautzen; † 10. Juni 1630 in Wittenberg), der Tochter des Bürgers und Baumeisters Johann Borsch und seiner Frau Martha, die Tochter des Bürgermeisters und Kaufmannes aus Bischofswerda Bernahrdt Dachsfänger, der Sohn Hieronymus Nymmann bekannt ist. Seine zweite Ehe ging er am 1. November 1636, mit der Witwe Catharina Henschen ein. Aus dieser Ehe sind keine Kinder bekannt.

Werkauswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. De nutritione (Resp. Fabricius jun.). Wittenberg 1616
  2. De epilepsia (Resp. Daniel Sennert). Wittenberg 1618
  3. Disputatio medica de apoplexia tractatus (Resp. Moritz Blum). Wittenberg 1619, 1629
  4. Dissertatio de vita foetus in utero: qua luculenter demonstratur, infantem… Verlag Paul Helwig Wittenberg 1628, Leyden 1644 und 1664
  5. De apoplexia tractatus. Wittenberg 1629, 1670

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Friedensburg: Geschichte der Universität Wittenberg. Max Niemeyer, Halle (Saale) 1917, S. 461
  • Hans Theodor Koch: Die Wittenberger Medizinische Fakultät (1502-1652) – Ein biobibliographischer Überblick. In. Stefan Oehmig: Medizin und Sozialwesen in Mitteldeutschland zur Reformationszeit. 2007 Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, S. 319, ISBN 9783374024377
  • August Hirsch, Ernst Julius Gurlt, W. Haberling etc.: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker. Urban & Schwarzenberg, 1962, Bd. 4 S. 397

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinz Kathe: Die Wittenberger Philosophische Fakultät 1502–1817 (= Mitteldeutsche Forschungen. Band 117). Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2002, ISBN 3-412-04402-4, S. 455–470.