Geschlossene Abteilung

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Zweifach hoch umzäunter Spielplatz in der geschlossenen Abteilung für Kinder und Jugendliche, kbo-Heckscher-Klinikum München (2016)

Geschlossene Abteilung ist ein Bereich eines Krankenhauses oder einer anderen Einrichtung (zum Beispiel: Langzeiteinrichtung für psychisch Kranke), in der Bewohner oder Patienten untergebracht sind, die per Gesetz oder richterlichen Beschluss dort für eine – meist bestimmte – Zeit zu bleiben haben. Der Bereich ist dadurch gekennzeichnet, dass der Zugang nur über Schließtüren, die ausschließlich vom Personal zu öffnen sind, möglich ist. Gemeint ist dabei keine absolute Sicherungsverwahrung ohne jede Fluchtmöglichkeit, sondern nur ein abgeschlossener bzw. kontrollierter Bereich. Wird der Zugang in der gesamten Einrichtung derart kontrolliert, spricht man von einer geschlossenen Einrichtung oder (veraltet) von einer geschlossenen Anstalt.

Psychiatrische und Jugendpsychiatrische Kliniken, die an der Notfallversorgung teilnehmen, weisen bestimmte Stationen als „geschlossen“ oder „geschützt“ aus oder schließen solche Stationen im Bedarfsfall, um Patienten mit akuter Selbst- oder Fremdgefährdung unterzubringen. Manche Einrichtungen können alle Behandlungsplätze wahlweise offen oder geschlossen führen. Explizit geschlossene Stationen haben eine stets verschlossene Zugangstür mit Personenschleuse, Sicherheitsfenster etc., besonders gut einsehbare Flure und Behandlungszimmer, und eine höhere Personaldichte. Geschützte, halb- oder teiloffene („open-door“) Stationen sollen über die Krisenintervention hinaus eine längere Behandlung mit allmählicher Lockerung ermöglichen.

Das gemeinsame Merkmal ist die Möglichkeit zur Therapie unter Freiheitsentzug, wobei eine einheitliche Definition der verfügbaren Behandlungsmaßnahmen nicht gegeben ist. Es können psychotherapeutische Intensivbetreuung, aber auch körperliche Fixierungen oder Zwangsmedikation angewendet werden, oder es handelt sich um einfaches Einschließen. Halboffene Stationen ermöglichen einzelnen Patienten je nach ihrem Fortschritt mehr persönliche Freiheit.

Für die bauliche und personelle Ausstattung der geschlossenen psychiatrischen Einrichtungen gibt es keine verbindlichen Richtlinien.

Die Unterbringung dort kann freiwillig, als Maßnahme der polizeilichen Gefahrenabwehr (in Deutschland geregelt im Psychisch-Kranken-Gesetz und den Länder-Unterbringungsgesetzen), oder bei Minderjährigen und betreuten Personen auf Antrag der Eltern bzw. Betreuer (Unterbringungsverfahren) erfolgen. Straftäter können vom Gericht nach §§ 63, 64 StGB in psychiatrische Krankenhäuser eingewiesen werden (siehe Maßregelvollzug); auch diese Personen müssen auf geschlossenen Stationen untergebracht werden, meist dafür spezialisierte forensische Abteilungen.

Untergebracht sind insbesondere Menschen, die mit dem Leben nicht mehr zurechtkommen, massive Verwahrlosungstendenzen zeigen, suizidgefährdet oder fremdgefährdend sind oder aufgrund massiven Drogen- oder Alkoholmissbrauchs ein Leben außerhalb einer geschlossenen Einrichtung nicht mehr führen können.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martina Steger (2005): Freiheitsentziehende Maßnahmen in Kliniken der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Zwischenergebnisse zur Befragung in Kliniken der Kinder- und Jugendpsychiatrie. PDF