Girogo

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Das offizielle girogo-Logo der Deutschen Kreditwirtschaft

Girogo (Eigenschreibweise: girogo) ist eine von der Deutschen Kreditwirtschaft im Jahr 2012 eingeführte Funktion auf der Girocard [1] und ermöglicht das kontaktlose Bezahlen an Bezahlterminals (ec-Terminals) im Deutschen Einzelhandel, an Automaten und an NFC-fähigen Smartphones.[2].

Technik[Bearbeiten]

Die von Banken und Sparkassen ausgegebenen Bankkundenkarten (Girocards, früher EC-Karten) werden um einen RFID-Funkchip mit dem internationalen Übertragungsstandard Nahfeldkommunikation (Near Field Communication, Abkürzung NFC) erweitert. NFC ist mittlerweile überwiegend in aktuellen Smartphones integriert. Daher wird Girogo auch als eine "Brückentechnologie" zum Bezahlen per Mobiltelefon gewertet.

Neben den in Deutschland mittlerweile rund 45 Millionen ausgegebenen kontogebundenen Girogo-Karten der Banken und Sparkassen gibt es auch kontoungebundene Girogo-Karten, die separat (kostenpflichtig) erhältlich sind. [3] oder z.B. in Fußball-Stadien („Fankarte“) ausgegeben werden.[4]

Girogo ist ein „Prepaid-Zahlungsmittel“. Bei einer Prepaid-Karte kann nur der Betrag ausgegeben werden, der zuvor auf die Karte geladen wurde.

Aufladen[Bearbeiten]

Mit Girogo kann nur dann bezahlt werden, wenn das lokale Guthaben auf der Girogo-Karte ausreicht. Das Maximalguthaben einer girogo-Karte beträgt 200 Euro. Das Girogo-Guthaben kann auf mehreren Wegen aufgeladen werden - sowohl manuell, als auch automatisch:

Das manuelle Laden der girogo-Karte erfolgt:

  1. An rund 58.000 Geldautomaten der Deutschen Kreditwirtschaft analog der Geldkarte.
  2. An speziellen Ladeterminals, z.B. in Fußballstadien oder Kantinen.
  3. Über das Internet [5] mit Hilfe eines Chipkartenlesers, der über den Secoder-Standard verfügt.
  4. Zukünftig soll auch das Aufladen über ein Smartphone mit integrierter NFC-Technologie und entsprechender App möglich sein.

Das automatische Laden der girogo-Karte erfolgt:

  1. An Bezahlterminals (ec-Terminals) im Deutschen Einzelhandel mittels der Funktion "Abo-Laden". Dabei wird die Karte im Rahmen eines kontaktlosen Bezahlvorgangs um einen mit der Bank/Sparkasse vorab vereinbarten Betrag (zwischen 20,00 EUR und 50,00 EUR) automatisch wieder aufgeladen, sofern der zugrundeliegende Bezahlbetrag das aktuelle Girogo-Guthaben der Karte überschreitet.
  2. An Bezahlterminals (ec-Terminals) im Deutschen Einzelhandel mittels der Funktion "Laden mit PIN-Eingabe". Dabei wird die Karte im Rahmen eines kontaktlosen Bezahlvorgangs um einen von der Deutschen Kreditwirtschaft festgelegten und nicht veränderbaren Betrag (35,00 EUR) automatisch nach Eingabe der PIN wieder aufgeladen, sofern der zugrundeliegende Bezahlbetrag das aktuelle Girogo-Guthaben der Karte überschreitet.
  3. Zukünftig soll die Funktion "Abo-Laden" auch an Automaten möglich sein.

Der Vorgänger Geldkarte litt unter dem praktischen Problem, dass viele potenzielle Benutzer ihre Geldkarte nie vorher aufgeladen hatten oder vergessen hatten vorher ausreichend aufzuladen, so dass in der Praxis die spontane Bezahlung dann anders gelöst werden musste. Daher lag bei Girogo ein besonderes Augenmerk darauf, die Auflademöglichkeiten durch Aufladen am Bezahlterminal oder über das eigene Smartphone zu erweitern.

Bezahlen[Bearbeiten]

Zum Bezahlen wird die girogo-Karte im Abstand von wenigen Zentimetern an das Bezahlterminal (i.d.R. an das Display des ec-Terminals), an die Bezahlfläche des Automaten oder an ein NFC-fähiges Smartphone gehalten. Die Karte braucht also nicht mehr gesteckt werden. Bei der Bezahlung ist keine PIN-Eingabe oder die Unterschrift auf einem Kassenzettel notwendig. Ein optisches oder akustisches Signal am Terminal, Automat oder Smartphone bestätigt die erfolgreiche girogo-Zahlung. Der eigentliche Bezahlvorgang dauert dabei i.d.R. weniger als eine Sekunde.

Bezahlterminals und Automaten, an denen girogo-Zahlungen akzeptiert werden, sind mit dem offiziellen girogo-Logo der Deutschen Kreditwirtschaft gekennzeichnet (i.d.R. an der Eingangstür oder an der Kasse). In Deutschland akzeptieren aktuell rund 13.000 Händler, Tankstellen, Gastronomiebetriebe und Dienstleister Zahlungen mit girogo. [6]

Kritik[Bearbeiten]

Girogo-Karte
(Röntgenansicht der Karte mit Antenne)

Es handelt sich nicht um eine freiwillige Zugabe,[7] mit der von April 2012 bis 2015[veraltet] alle 45 Millionen SparkassenCards ausgestattet werden sollen.[8] Den Karten fehlt der Sicherheitsmechanismus des elektronischen Reisepasses,[9] der vor dem elektronischen einen optischen Zugriff auf die Datenseite des Reisepasses erfordert.[10] Datenschützer bemängeln, dass die Funkchips eine weltweit eindeutige ID-Nummer, die letzten 15 Bezahlvorgänge mit Datum, Uhrzeit, Betrag, Kennungen der Ladeterminals oder Händler sowie die letzten drei Prepaid-Ladevorgänge vom Träger unkontrollierbar und unverschlüsselt senden.[11][12][13] Dadurch lassen sich leicht Bewegungsprofile der Kartenträger erstellen.[9][14][15]

Die Sparkassen stellen dies als unproblematisch dar, da sich die Daten keiner Person zuordnen ließen. Datenschützer kritisieren, dass es selbstverständlich leicht sei, die Daten ganz bestimmten Kunden zuzuordnen.[16] Hierfür ist es ausreichend, wenn die ID-Nummer der NFC-Karte einmalig der Person zugeordnet werden kann. Dies kann beispielsweise geschehen, wenn zusätzlich zur NFC-Bankkarte eine weitere berührungslos funktionierende Karte mit Nutzernamen in der Tasche getragen wird.[16] Die Nutzernamen sind von den Karten auch optisch ablesbar.[17] Die Karten können elektronisch vom Träger unbemerkt mit NFC-fähigen Smartphones auf eine Entfernung von maximal 4 cm[18] und mit einfachen Geräten auf eine Entfernung von einem halben Meter oder mehr[19] problemlos ausgelesen werden. Es wird eine Aufklärung über die Sicherheitsrisiken vermisst.[19]

Die Kreditinstitute bieten keine Wahlfreiheit.[19] Jede Karte wird spätestens zum Ablauf ihrer Gültigkeit durch eine Karte mit Girogo ersetzt. Girogo ist auch ohne Guthaben aktiv und lässt sich nicht deaktivieren. Die Karte für eine Sekunde in die Mikrowelle zu legen, um den Chip zu zerstören, ist nicht ratsam, da dann auch der Magnetstreifen zerstört werden könnte. Solange sich die Karte darin befindet, ist auch ein Schutz über eine spezielle RFID-Schutzhülle möglich. Für einen Bezahlvorgang muss die Karte jedoch wieder aus der Hülle gezogen werden. Die Sparkassen liefern keine RFID-Schutzhülle mit.[20][21] Generell ist nicht jede RFID-Schutzhülle zuverlässig wirksam, was unter anderem daran liegt, dass die Karten mit den verschiedensten Frequenzspektren arbeiten können.[22][23]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung: Deutsche Kreditwirtschaft führt neues Markenzeichen girogo für das kontaktlose Bezahlen ein ZKA, abgerufen am 12. Januar 2012.
  2. App der Sparkassen-Finangzuppe zur Akzeptanz von girogo-Zahlungen via Smartphone
  3. http://www.geldkarte-shop.de/product_info.php/product/Kontounabhaengige_GeldKarte_Colorful
  4. https://www.geldkarte.de/privatkunden/bezahlen/im-stadion/
  5. Lademöglichkeit der girogo-Karte und der GeldKarte über das Internet
  6. girogo-Shopfinder-App, zeigt die aktuelle Anzahl aller an girogo-teilnehmenden Händler
  7. Wirtschafts Woche: NFC-Chips – Datenschützer warnen vor Sparkassen-Karten abgerufen am 3. Januar 2013
  8. Sparkasse: Kontaktloses Bezahlen mit girogo abgerufen am 14. Januar 2013
  9. a b Spiegel-Online: „Unsichtbares Kleingeld verrät seinen Besitzer“, abgerufen am 3. Januar 2013
  10. BSI: Sicherheitsmechanismen in elektronischen Ausweisdokumenten, abgerufen am 3. Januar 2013
  11. Computer Bild: Wirbel um NFC-Technik, Datenklau beim Bezahlen? abgerufen am 3. Januar 2013
  12. Wirtschafts Woche: NFC-ChipsDatenschützer warnen vor Sparkassen-Karten, abgerufen am 12. März 2015
  13. Infoflyer AK Vorrat, Ortsgruppe Hannover (PDF; 371 kB), abgerufen am 3. Januar 2013
  14. Spiegel-Online: Datenschützer fürchten Missbrauch bei neuer Funk-Geldkarte, 12. Juni 2012
  15. Pressemitteilung des DSGV mit einer Gegendarstellung, 15. Juni 2012
  16. a b Arne Arnold, Moritz Jäger: Zahlung per NFC - bequem aber sicher? In: pcwelt.de. 12. Juli 2012, abgerufen am 13. Oktober 2015.
  17. girokonto.org, Abbildung Girokonto Sparkasse Card, abgerufen am 13. März 2015
  18. heise.de: Kreditkartenklau per Smartphone, abgerufen am 12. März 2015
  19. a b c Matthias Klein: Kritik an Funkchip, Girokarte mit eingebautem Risiko. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. Juni 2012, abgerufen am 13. Oktober 2015.
  20. digitalcourage.de Girogo: Sparkassen verwanzen ihre Bankkarten, abgerufen am 12. März 2015
  21. verbraucherzentrale-niedersachsen.de Bargeldlose Zahlungsarten im Einzelhandel, abgerufen am 12. März 2015
  22. spiegel.de: Hightech-Ausweise: Ungeschützt trotz Überzieher, abgerufen am 13. März 2015
  23. security-insider.de: RFID-Abschirmung gegen den Identitätsdiebstahl, abgerufen am 13. März 2015