Glückskeks

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Glückskeks
Inhalt

Ein Glückskeks ist ein knuspriges Süßgebäck, in dessen Innerem sich ein Papierstreifen mit einem Sinnspruch oder auch einer Zukunftsdeutung befindet. Glückskekse sind vor allem in den Vereinigten Staaten und in Europa verbreitet, wo sie in chinesischen Restaurants nach dem Essen angeboten werden. Allerdings stammen die Glückskekse ursprünglich nicht aus China[1], sondern aus Japan.[2][3][4][5] In ihrer heutigen Form sind sie erstmals an der amerikanischen Westküste zu Anfang des 20. Jahrhunderts erschienen.[2] Die in den Keksen enthaltenen Sprüche haben heute eine Reihe verschiedener Hintergründe und basieren nicht mehr hauptsächlich auf fernöstlicher Philosophie.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Herstellung von Glückskeksen in der Golden Gate Fortune Cookie Factory in San Francisco.

Glückskekse werden in japanischer Kunst und Literatur bereits Jahrzehnte vor ihrer Einführung an der amerikanischen Westküste durch Einwanderer aus Asien erwähnt. Unter anderem wird in dem Werk Haru no Wakakusa der 1843 verstorbenen japanischen Schriftstellerin Tamenaga Shunsui von einem tsujiura senbei, einem Glückskeks, berichtet.[7] In dem 1878 erschienenen Buch Moshiogusa Kinsei Kidan von Shinoda Kensa werden ebenfalls tsujiura senbei erwähnt, begleitet von einer Illustration, die einen Lehrling bei der Herstellung der Backwaren zeigt.[2][3][8] Der Glückskeks in der heutigen Form, die sich hauptsächlich im Geschmack von dem japanischen tsujiura senbei unterscheidet, wurde in Kalifornien im frühen 20. Jahrhundert von asiatischen Einwanderern eingeführt. Die genaue Geschichte um deren Entstehung und Verbreitung ist jedoch bis heute ungeklärt. Mehrere Familien, die meisten von ihnen japanischen Ursprungs, beanspruchen die Erfindung der Kekse für sich.[2][9]

Der am weitesten verbreiteten Theorie zufolge kam die Idee, solche Kekse herzustellen und sie nach dem Essen zu verteilen, von dem japanischen Einwanderer Makato Hagiwara, der in San Francisco einen japanischen Teegarten im Golden Gate Park betrieb. Irgendwann zwischen 1907 und 1914 soll er begonnen haben, Glückskekse – damals noch fortune tea cookies genannt – zum Tee zu verteilen. Die Herstellung der Kekse wurde jedoch nicht von Hagiwara selbst, sondern von der japanischen Bäckerei Benkyodo übernommen.[7][9]

Einer anderen Theorie zufolge geht der Ursprung der Glückskekse auf den chinesischen Unternehmer David Jung, den Inhaber der Hong Kong Noodle Factory in Los Angeles, zurück. Um 1918 soll Jung mit der Produktion der Glückskekse begonnen haben, was ihn vermutlich zu dem ersten Hersteller von Glückskeksen chinesischen Ursprungs machen würde. Sein Anspruch auf die Idee zu den Keksen wird jedoch heutzutage aus mehreren Gründen bezweifelt. Da Jungs Firma sich in einem Viertel befand, in dem auch japanische Immigranten lebten, gilt es als nicht unwahrscheinlich, dass er schon zuvor mit den japanischen Glückskeksen in Kontakt kam.[9]

Die Tatsache, dass der Glückskeks heute fälschlicherweise als chinesische Speise angesehen wird, ist vor allem an zwei Gründen festzumachen. Zahlreiche japanische Einwanderer führten in den 1920er und 1930er Jahren Restaurants, die amerikanisierte chinesische Küche servierten. Hinzu kommt, dass chinesische Restaurants die Kekse schon früh aufgriffen und dadurch erheblich dazu beigetragen haben, sie in der amerikanischen Bevölkerung zu verbreiten. Der Glückskeks etablierte sich zunächst als lokaler Brauch in San Francisco und breitete sich in den weiteren Jahrzehnten von der Westküste aus über die gesamten Vereinigten Staaten aus. Während des Zweiten Weltkriegs wurden Menschen japanischer Abstammung, die an der amerikanischen Westküste lebten, in sogenannten War Relocation Centers interniert. Mehrere japanische Bäckereien, die vor dem Weltkrieg noch Glückskekse gebacken hatten, mussten deswegen schließen. Vermutlich übernahmen Firmen von chinesischstämmigen Inhabern in dieser Zeit die Herstellung der Glückskekse.[9][10][11]

Erst in den 1990er Jahren wurden die Kekse erstmals nach China ausgeführt, wo sie bis dahin völlig unbekannt gewesen waren.[11]

Herkunft der Idee[Bearbeiten]

Beide oben erwähnte Unternehmer, Hagiwara und Jung, könnten alte Erzählungen von eingebackenen Zetteln ihrer Heimat-Kulturen aufgegriffen haben. Erzählungen von eingebackenen Schriften sind aus fast jeder Kultur bekannt und haben nichts typisch Chinesisches.

Angeblich sollen Mondkuchen zur Erfindung von Glückskeksen beigetragen haben. Schon früh in der Geschichte Chinas wurden diese zu vielen Anlässen serviert. Sie waren mit einer Paste aus Bestandteilen der Lotuspflanze aromatisiert. Der Legende nach hatten chinesische Widerstandskämpfer zur Zeit der Besetzung Chinas durch die Mongolen im 13. und 14. Jahrhundert unserer Zeitrechnung Kommunikationsprobleme, wobei diese Widerstandsgruppen auf Grund der Größe des Landes und der scharfen Kontrollen auf den Austausch von Botschaften umgestiegen sind, die in solchen Mondkuchen versteckt waren. Eine Legende besagt, dass Chu Yuan Chang, ein patriotischer Revolutionär, sich als Taoistenpriester verkleidete und durch das Land reiste, um Mondkuchen in den besetzten Städten zu verteilen, was auch der antimongolischen Propaganda diente.

Herstellung[Bearbeiten]

Bereits seit 1964 werden Glückskekse in den USA maschinell hergestellt. Sie werden heute vollindustriell in hohen Stückzahlen gefertigt und bestehen aus Waffelteig, wobei ein kreisrunder Teigling erhitzt und von Automaten in Schiffchen-Form gebogen wird. Vor dem Biegen wird ein schmaler Streifen Papier eingelegt, nach dem Biegen härtet der stark zuckerhaltige Teig rasch aus. So hergestellte Glückskekse nehmen Luftfeuchtigkeit an und werden deshalb einzeln in Folie verschweißt. In aller Regel werden sie in Großpackungen an Restaurants oder Händler verkauft, die oft verschiedene Sets von Texten bestellen können, darunter „Weisheiten“, „Wahrsagungen“, saisonale Texte oder mit solchen zu bestimmten Anlässen, komischen oder witzigen Inhalten oder auch Mischsortierungen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Glückskeks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Angela Köckritz: China: 德国,你好! In: Die Zeit, 17. Januar 2008 Nr. 04. Abgerufen am 12. Januar 2012. „Den Glückskeks gibt es in China übrigens gar nicht“
  2. a b c d Jennifer 8. Lee: Solving a Riddle Wrapped in a Mystery Inside a Cookie In: New York Times, 16. Januar 2008. Abgerufen am 12. Januar 2012.
  3. a b Jennifer 8. Lee: Fortune Cookies are really from Japan., 16. Januar 2008. Abgerufen am 12. Januar 2012.
  4. Leslie Lieber: The Inside Story of Chinese Fortune Cookies (PDF; 418 kB) In: Los Angeles Times, 7. Juni 1959. Abgerufen am 13. Januar 2012. „‚It may surprise you to learn‘ said the Chinese Nationalist Republic Emissary, ‚that fortune cookies are completely unknown in China […] It was the Japanese immigrants out on the West Coast who started the whole idea in the U.S. […]‘“
  5. Jennie Yabroff: Lo Mein Street, U.S.A.Vorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter In: Newsweek, 1. März 2008. Abgerufen am 14. Januar 2012. „Fortune cookies were invented in Japan.“
  6. Jennifer 8. Lee: The last word: Why Confucius quit the cookie business In: The Week, 13. März 2008. Abgerufen am 14. Januar 2012.
  7. a b Gary T. Ono: Japanese American Fortune Cookie: A Taste of Fame or Fortune Japanese American National Museum, 1. November 2007. Abgerufen am 12. Januar 2012.
  8. 藻汐草近世奇談, auf National Diet Library. Abgerufen am 13. Januar 2012.
  9. a b c d Jenny 8. Lee: How did Japanese fortune cookies end up in Chinese restaurants?, 16. Januar 2008. Abgerufen am 12. Januar 2012.
  10. Jennifer 8. Lee: Solving a Riddle Wrapped in a Mystery Inside a Cookie In: New York Times, 16. Januar 2008. Abgerufen am 13. Januar 2012. „Ms. Nakamachi speculates that Chinese-owned manufacturers began to take over fortune cookie production during World War II, when Japanese bakeries all over the West Coast closed as Japanese-Americans were rounded up and sent to internment camps.“
  11. a b Steve Harvey: L.A., S.F. won’t like cookie’s message In: Los Angeles Times, 8. Juni 2011. Abgerufen am 14. Januar 2012.