Gleisstopfmaschine

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gleisstopfmaschine von Plasser & Theurer der Gleisbaufirma Leonhard Weiss
Stopfaggregat einer Universalstopfmaschine 09-32/4S Dynamic von Plasser & Theurer
Gleisstopfmaschine in Aktion

Eine Gleisstopfmaschine, auch Stopfzug genannt, ist eine Gleisbaumaschine zum Stopfen des Oberbaus. Eine Stopfmaschine verfügt über ein Stopfaggregat, welches mit Stopfpickeln ausgestattet ist, die in den Schotter eingetaucht werden. Üblicherweise sind Stopfmaschinen seit den 1970er Jahren gleichzeitig in der Lage, den Gleisrost zu richten. Besondere Richtmaschinen sind dadurch in der Regel nicht mehr erforderlich. Mit Weichenstopfmaschinen können auch Weichen gestopft werden. Neben den selbstfahrenden Stopfmaschinen existieren auch kleine, manuell angesetzte Handstopfgeräte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1916 setzt die Preußische Staatseisenbahnen die ersten Handstopfgeräte ein. Die druckluftbetriebenen Stopfer wurden von einem fahrbaren elektrische Kompressor versorgt, an dem mehrere Geräte angeschlossen werden konnten. Der Strom wurde aus einem ebenfalls fahrbaren benzinbetriebenen Generator bezogen.[1]

1938 wurde in der Schweizerischen Bauzeitung die erste selbstfahrende Stopfmaschine von der Firma Scheuchzer in Renens bei Lausanne vorgestellt.[2]

Grundlegende Patente für die Asynchrone Druck-Vibrationsstopfung wurden 1953 erteilt. 1953 entwickelte Plasser & Theurer die erste hydraulische Stopfmaschine. Gleisstopfmaschinen gibt es seit 1965 für das gleichzeitige Stopfen von zwei, heute oft von drei, seit 2005 auch von vier Schwellen. 2015 erschien die erste Stopfmaschine mit Hybridantrieb, die sowohl über einen durch die Oberleitung gespeisten Elektromotor als auch einen Dieselmotor besitzt.[3]

Zu den wenigen Herstellern von Gleisstopfmaschinen gehören die Unternehmen Plasser & Theurer aus Österreich und Matisa aus der Schweiz.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundprinzip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stopfpickel an einem Stopfaggregat

Eine Stopfmaschine verfügt in der Regel über einen eigenen Antrieb, der in den meisten Fällen über einen Dieselmotor und ein hydraulisches Getriebe realisiert wird, wobei letzteres den Öldruck sowohl für den Vortrieb als auch für das Stopfaggregat liefert.[3] Bei Überführungsfahrten können heute nicht selten Geschwindigkeiten von 100 km/h erreicht werden.[4] Bei Stopfmaschinen mit Elektromotor treibt dieser ebenfalls das hydraulische Pumpenverteilgetriebe an, sodass bei eingeschalteter Oberleitung auch elektrisch gearbeitet werden kann.[3]

Am Stopfaggregat befinden sich höhenverschiebliche Stopfpickel, die aufgrund von hohem Verschleiß aus gehärtetem Stahl gefertigt sind. Beim maschinellen Stopfen werden bei geringfügig angehobenem Gleis je Schienen-Schwellen-Auflagepunkt vier oder acht dieser Stopfpickel vibrierend von oben in das Schotterbett eingetaucht. Die Pickel schwingen dabei mit einer Frequenz von 35 Hertz horizontal. Kleine Wirkflächen an deren Ende bauen und verdichten die Schotterpackung unter dieser Schwelle, während die Pickel vibrierend langsam hochgezogen werden.

Für Netze mit abweichenden Parametern bei Lichtraumprofil und Gleisgeometrie wie Straßen-, Stadt- und U-Bahnen gibt es speziell angepasste Stopfmaschinen, fallweise mit tauschbaren Radsätzen. Oftmals verfügen diese Maschinen über Schallschutzeinrichtungen, welche das Stopfaggregat abdecken, um auch in der Nähe von Wohngebieten Arbeiten in den nächtlichen Sperrpausen durchführen zu können. Vor dem Heben sowie nach Beendigung des Stopfvorgangs wird durch Messgeräte die Gleislage erfasst.[4]

Zyklische und kontinuierliche Arbeitsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine kompakte Stopfmaschine mit zyklischer Arbeitsweise in Kasan

Die ersten Stopfmaschinen verfügten über eine zyklische Arbeitsweise: Für jede einzelne Stopfung muss die Stopfmaschine angefahren und gleich wieder angehalten werden. Zyklische Stopfmaschinen werden heute aufgrund ihrer geringen Baugröße noch für Spezialanwendungen gebaut. So gibt es Stopfmaschinen mit Hydraulikzylindern, die die Maschine aufbocken, sodass sie mit einem Tieflader transportiert werden kann.[4]

Moderne Stopfmaschinen fahren mit kontinuierlicher Arbeitsweise und können bis 2300 Meter Gleis pro Stunde bearbeiten. Diese Maschinen bewegen sich kontinuierlich in langsamer Fahrt über das Gleis, während nur die auf einem längsbeweglichen Schlitten im Hauptrahmen gelagerten Stopfaggregate über den zu stopfenden Schwellen stehen bleiben, bis der Stopfvorgang beendet ist. Danach bewegt sich der Schlitten schnell zur nächsten Schwellengruppe. Die Hebeeinrichtung umfasst die Schienenköpfe beidseitig mit Rollen und dient gleichzeitig als Richtwagen.

Weichenstopfmaschinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Weichenstopfmaschinen sind die Stopfaggregate und die Stopfpickel einzeln seiten- und längsverschieb- und positionierbar und die Bedienerplätze befinden sich unmittelbar daneben mit Blick auf den Arbeitsbereich. Auf diese Weise ist es möglich, Stopfungen trotz im Gleis befindlicher Objekte wie Radlenker oder Stromschiene durchzuführen.[4] Im Weichenstopfmodus werden die Schienen durch verstellbare Haken entweder unter dem Schienenfuß oder -kopf umfasst und damit gehoben und gerichtet. Rollensätze sind aus geometrischen und Platzgründen in Weichen nicht nutzbar. Weichenstopfmaschinen sind als Universalstopfmaschinen in der Regel auch im Gleis nutzbar, jedoch erreichen sie nicht die dieselben Leistungen wie spezialisierte Gleisstopfmaschinen. Universalstopfmaschinen gibt es für das gleichzeitige Bearbeiten von bis zu zwei Schwellen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lothar Marx, Detlef Bugenhagen, Dietmar Moßmann: Arbeitsverfahren für die Instandhaltung des Oberbaus, Eisenbahn-Fachverlag, ISBN 3-9801093-7-2
  • Jürgen Janicki, Horst Reinhard: Schienenfahrzeugtechnik. Bahn Fachverlag 2008, ISBN 3-980-80025-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gleisstopfmaschinen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neue Geleise-Stopfmaschine. In: Schweizerische Bauzeitung, Band 70 (1917), Seite 36. doi:10.5169/seals-33916
  2. Geleisestopf-Maschine System „Scheuchzer“. In: Schweizerische Bauzeitung, Band 111/112 (1938) doi:10.5169/seals-49850.
  3. a b c Rainer Wenty: Bahnbaumaschinen - Ökologische Innovation für die Gleisinstandhaltung. In: Deine Bahn 4/2016, S. 14-17.
  4. a b c d Roman Hauke, Michael Sautner: Oberbau-Stopfmaschinen für spezielle Aufgaben. In: Eisenbahntechnische Rundschau 5/2011, S. 22-29.