Global Stone

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Der unter dem Namen Kueka-Großmutter bekannte Stein aus Venezuela in Berlin-Tiergarten, 2007

Global Stone ist ein ursprünglich als Friedensprojekt intendiertes Kunstwerk von Wolfgang Kraker von Schwarzenfeld (* 1933).[1]

Projekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel des Projektes ist es, auf jedem Kontinent zwei besonders charakteristische Steine von etwa 30 Tonnen zu suchen, wovon einer dann einen Platz im Großen Tiergarten in Berlin nahe dem Brandenburger Tor bekommt und sein Gegenpart an einem besonderen Ort im Ursprungsland verbleibt. Die geschliffenen Reflexionsflächen der Steine sollen so ausgerichtet werden, dass sie alljährlich zur Sommersonnenwende am 21. Juni durch die Sonnenstrahlen eine Verbindung entstehen lassen zwischen den Steinen in den Kontinenten und ihren Schwestersteinen in Berlin sowie auch zwischen den fünf Berliner Steinen. Dies soll die Verbundenheit der Menschen in aller Welt symbolisieren.[2]

Zurzeit befinden sich bereits Steine aus Russland, Venezuela, Australien und Südafrika im Berliner Tiergarten. Kraker von Schwarzenfeld hat den Steinpaaren Namen gegeben, die die „fünf Schritte zum Frieden“ symbolisieren sollen, die seiner Meinung nach entscheidend sind. Die Namen sind:

  • Europa – Erwachen
  • Afrika – Hoffnung
  • Asien – Vergebung
  • Amerika – Liebe
  • Australien – Frieden

Kraker von Schwarzenfeld umsegelte mit dem vor 37 Jahren von ihm selbst gebauten Dreimaster Pegasus die Welt. Das Segelschiff und die Reise wurden zur Grundlage für die Idee dieses Projektes. Das gesamte Projekt ist privat finanziert. Neben Kraker von Schwarzenfeld tragen eine Reihe von Sponsoren die enormen Kosten des Projekts.

Diskussion um den „Kueka“-Stein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der am 24. Februar 1999[3] installierte Stein der Liebe stammt aus dem Naturreservat der Gran Sabana in Venezuela aus dem Gebiet des indigenen Volkes der Pemón, von wo er Ende 1998 abtransportiert wurde. Der Stein sorgt seit kurz nach der Ankunft für Diskussionen.

Die lokalen Pemón der Gemeinde Santa Cruz de Mapaurí bezeichnen ihn als einen von zwei „Heiligen Steinen“, der ohne ihr Einverständnis entfernt worden sei.[4] Seit dem Zeitpunkt des Abtransports kämpfen sie um seine Rückkehr.[5][6][7] Seit dem Jahr 2011 beschäftigt der Fall sogar die venezolanische Regierung,[8] die am 25. April 2012 rechtliche Schritte wegen des Steines eingeleitet hat. Das lateinamerikanische Regionalbüro der UNESCO unterstützte sie dabei.[9]

Der Künstler wehrte sich gegen die Anschuldigungen und führte dazu ein Gutachten des Ethnologen Bruno Illius[10] an, der ein Forschungsprojekt am Lateinamerika-Instituts der Freien Universität Berlin durchführte.[11][12] Dieser hält die Mythen um den Stein für politisch motivierte Erfindungen Einzelner und verweist dabei auf Interviews mit verschiedenen Pemón-Indianern und zahlreichen Unstimmigkeiten und falschen Übersetzungen in den zu dem Fall veröffentlichten Filmen.

Jüngste Recherchen – u. a. im Auftrag des Goethe-Instituts – zeigten, dass lokale Zuschreibungen von Mythen in der direkten umgebenden Landschaft von Pemón-Siedlungen übliche Praxis ist, und die Bewohner der Gemeinde Santa Cruz de Mapaurí seit der Dorfgründung in den 1970er Jahren diesen Stein als „Kueka“ bezeichnen. Zudem rückte der koloniale Gestus der Steinentnahme in den Fokus der Debatte, mit dem Hinweis, dass der Abtransport zu einer Zeit stattfand, in der die venezolanischen Pemón kaum politische Grundrechte hatten. So verhandelte zuletzt das Auswärtige Amt mit der venezolanischen Regierung die Rückgabe des umstrittenen Kunstwerks an die Pemón.[13] Schließlich wurde der Stein im April 2020 nach Venezuela gebracht.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruno Illius: Der Stein der Liebe. In: Hanna Heinrich und Harald Grauer (Hrsg.): Wege im Garten der Ethnologie, Sankt Augustin: Academia Verlag 2013, S. 131–157, ISBN 978-3-89665-632-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Global Stone Project (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heiliger Stein kehrt nach Venezuela zurück. Abgerufen am 19. August 2020.
  2. Projektbeschreibung auf der Seite von Global Stone – A Worldwide Peace Project
  3. Weltumsegler startet Aktion – Ein Stein wirkt völkerverbindend. In: Berliner Zeitung, 25. Februar 1999.
  4. Melissa Eddy: A Rock Fated to Anger Nations. In: The New York Times. 11. Juli 2012, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 29. Januar 2020]).
  5. Der Monolith des Unheils. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. August 2000, Nr. 183/ Seite BS 5 (Berliner Seiten)
  6. Heiliger Stein im Tiergarten entzürnt Indios in Venezuela. In: Berliner Kurier, 9. August 2000, Nr. 126/ 2000 – A11916
  7. Indianer fordern Felsbrocken von Deutschland zurück. In: Spiegel Online, 22. Juni 2012
  8. Der Stein der Liebe. In: Der Spiegel 38/2011, 19. September 2011
  9. Ministers of Culture and Heads of Delegation: 2nd Meeting of Ministers of Culture of The Community of Latin American and Caribbean States. In: unesco.org. Regional Office for Culture in Latin America and the Caribbean, 21. August 2014, abgerufen am 12. Mai 2018 (englisch).
  10. Illius, Prof. Dr. Bruno – cibera ForscherWiki. Abgerufen am 29. Januar 2020.
  11. Bemerkungen zur Debatte um den „Kueka“ genannten venezolanischen Stein im Berliner Tiergarten (Teil des „Global Stone“ Projekts). (PDF; 207 kB)
  12. Abgeschlossene Forschungsprojekte. 5. Dezember 2016, abgerufen am 29. Januar 2020.
  13. hneuber: Streit beigelegt: Kueka-Stein kehrt aus Berlin nach Venezuela zurück. 21. Januar 2020, abgerufen am 29. Januar 2020.
  14. Indigener Stein aus Berlin zurück in Venezuela. k.at, abgerufen am 17. April 2020.

Koordinaten: 52° 30′ 46″ N, 13° 22′ 26″ O