Globalismus

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Der Begriff des Globalismus entstammt den Theorien der internationalen Beziehungen und geht davon aus, dass die Staaten durch die erfolgende Globalisierung als internationale Akteure massiv an Bedeutung verlieren und neue transnationale Akteure (wie etwa Firmen als Global Players) auftauchen, so dass sich ein weltweites Mehrebenensystem herausbildet, in dem Probleme durch Kooperation zwischen sämtlichen Akteuren mittels Weltinnenpolitik oder Global Governance gelöst werden müssen und können. Der Begriff ist der Großtheorie des Liberalismus zuzuordnen und richtet sich explizit gegen die staatszentrierten Grundvorstellungen von Realismus und Neorealismus, die er in der sog. Globalismus-Realismus Kontroverse kritisierte.[1]

Abseits davon wird er in öffentlichen und soziologischen Debatten dazu benutzt, um Grundannahmen der marktliberalen Globalisierung als „neoliberal“ zu kritisieren. „Globalismus“ erscheint in diesem Sprachgebrauch als polemisches Synonym für eine Ideologie des globalisierten Marktradikalismus.

Der Begriff des Globalismus bei Ulrich Beck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Ulrich Beck ist Globalismus dementsprechend eine politische Vorstellung, die davon ausgeht, dass politisches Handeln nur noch als nachvollziehende Anpassung an die Gesetze des Weltmarktes möglich sei.[2] Diese Prämisse liegt einem politischen Diskurs zugrunde, wonach es nur noch darauf ankomme, dass ein Unternehmen sowie eine Volkswirtschaft wettbewerbsfähig werde und sich dazu unabweisbaren Strukturreformen unterziehen müsse.[3]

Er sieht eine einseitige und monokausale Fixierung auf das Ökonomische. Er versucht die negativen Aspekte des Globalismus deutlich zu machen und die positive Perspektive von Vieldimensionalität (Globalisierung und weiter Globalität) aufzuzeigen.

Einige Kritikpunkte Becks sind:

  • Die Annahme, dass der freie Welthandel zu einer Senkung der Kosten und somit zu einem Wohlstand für alle führt, bestreitet Beck, da er der Meinung ist, dass Kostensenkungen durch Verletzung menschenwürdiger Arbeits- und Produktionsstandards (z.B. Kinderarbeit, Arbeiten unter der Armutsgrenze, nicht menschenwürdige Arbeitsbedingungen) herbeigeführt werden und nicht, wie vom Neoliberalismus unterstellt, durch Erhöhung der Wirtschaftlichkeit.
  • Durch die Vorrangstellung der Ökonomie werde die vieldimensionale Weltgesellschaft auf die (nahezu) eindimensionale Weltmarktgesellschaft reduziert. Auf das Rentensystem in Deutschland z. B. bezogen hätte das nach Beck die Auswirkung, dass die Altersvorsorge privatisiert wird und nur noch Personen, die in den Rentenfonds einzahlen, auch Renten erhalten, so dass die derzeitige Solidarität im Rentensystem hinfällig würde.
  • Dem Globalismus unterstellt er eine Tendenz zur kulturellen Vereinheitlichung (z. B. dass die ganze Welt auch das Gleiche oder sehr Ähnliches konsumiere), wohingegen Beck der Ansicht ist, dass die kulturelle Entwicklung plural ist und auch bleibt, dabei aber örtliche und nationale Grenzen überschreitet.
  • Der Globalismus hält wirtschaftliches Denken für allgemeingültig, so dass in allen Bereichen Weltmarktgesetze zu herrschen scheinen. Beck hingegen behauptet, die ökonomische Globalisierung sei kein Mechanismus auf der Basis solcher Weltmarktgesetze, sondern ein politisches Projekt, das heißt, die Politik habe den Prozess der Globalisierung immer weiter vorangetrieben, wobei der Globalismus die Politik zunehmend entmachten würde.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. Reinhard Meyers: Theorien der Internationalen Beziehungen, in : Wichard Woyke (Hrsg.) Handwörterbuch Internationale Politik, Opladen : Budrich, 2006, 10. durchges. Aufl., S. 472 und Ray Magroohri/Bennett Ramberg: Globalism versus Realism. International Relation´s Third Debate, Boulder Colorado, 1982
  2. Ulrich Beck: Die Eröffnung des Welthorizontes: Zur Soziologie der Globalisierung. Herausgeber-Mitteilung. Soziale Welt, 47, 1997, S. 3-16. S. 5.
  3. Louise Amoore: Globalisation, the Industrial Society, and Labour Flexibility. A Sense of Déjà Vu? Global Society, 12, 1, 1998.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Beck: Was ist Globalisierung? ISBN 3-518-40944-1.
  • Jeffry Frieden: Will Global Capitalism Fall Again? In: Bruegel Essay And Lecture Series. Brüssel Juni 2007 (englisch, bruegel.org [abgerufen am 29. September 2011] PDF, 22 kB).
  • Christoph Henning: Narrative der Globalisierung. Zur Marxrenaissance in Globalismus und Globalisierungskritik. In: Studienzentrum Karl-Marx-Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung, Trier. Beatrix Bouvier (Hrsg.): Gesprächskreis Politik und Geschichte im Karl-Marx-Haus. Band 5. Friedrich-Ebert-Stiftung 2006, ISBN 3-89892-483-1, ISSN 1860-8280 (fes.de [PDF; abgerufen am 29. September 2011] PDF, 212 kB).
  • John Ralston Saul: The Collapse of Globalism. And the Reinvention of the World. Viking Canada. ISBN 9780670063673. auf Global Policy Forum.
  • Stephan Schulmeister: Das neoliberale Weltbild - wissenschaftliche Konstruktion von „Sachzwängen“ zur Förderung und Legitimation sozialer Ungleichheit. In: Friedrich Klug, Ilan Fellmann (Hrsg.): Schwarzbuch und Globalisierung, Kommunale Forschung in Österreich, IKW-Schriftenreihe. Nr. 115, 2006 (wifo.ac.at [PDF; abgerufen am 29. September 2011] PDF, 1,68 MB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Beck: Globalismus und Globalisierung. Gegen die unterstellte Dominanz der wirtschaftlichen Globalisierung. In: Telepolis. 3. Juli 1997, abgerufen am 29. September 2011.