Goldameise

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Die Goldameise ist ein in der griechischen und römischen Mythologie entstandenes Fabelwesen. Es tritt erstmals in den Historien Herodots auf. Eine weitere Verwendung findet sich auch in der Naturalis historia des lateinischen Autors Plinius des Älteren. Die Goldameise wird auch als goldgrabende Riesenameise bezeichnet.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Eigenschaften der goldgrabenden Riesenameise gehört ihre enorme Größe. Den Ausführungen Herodots in seinen Historien im dritten Buch, § 102-105 zufolge sind die Ameisen "kleiner als Hunde, aber größer als Füchse". Weiter beschreibt Herodot sie als schnellste Tiere. Es gäbe kein Tier, das schneller sei als sie. Beim Graben unterirdischer Gänge, die sie aufgrund ihrer Hitzeempfindlichkeit graben, förderten sie Gold an die Oberfläche.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herodot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verwendung der Goldameisen in Herodots Historien erfolgt wohl aufgrund einer Wissenslücke Herodots. Er beschreibt in den Historien die Grundvoraussetzungen für den Persischen Krieg. Hierzu zählen auch Tributszahlungen an den persischen König Dareios I. von indischen Stämmen. Das hohe Aufkommen von Gold in dieser Region kann er auf andere Weise nicht erklären. Ein weiterer Grund ist die Erwartung des Lesers an eine Indienbeschreibung in der Zeit der griechischen Antike. Wahrscheinlich enthält diese herodoteische Fabel aber auch einen wahren Kern: Herodots Goldameisen sind nach den Forschungen des Ethnologen Michel Peissel mit den im Himalaya lebenden, goldfarbenen Murmeltieren gleichzusetzen. Diesen Gedanken äußerte schon der Brite Alexander Cunningham, der Ladakh als mögliches Land der Gold grabenden Ameisen vermutet.[1] Auch wurde erwogen, dass es sich bei den Goldameisen um Menschen handeln könnte, die mit Fellen bekleidet, von Ferne wie nach Gold grabende Tiere aussehen. [2]

Die Größe der Tiere ist nach Herodot eine Besonderheit Indiens. In Indien sind nach Herodot alle Tiere größer als in anderen Ländern. Es ist keine Besonderheit die nur auf die Riesenameisen zutrifft, sondern generelle Geltung für fast alle Tiere besitzt.

Die Ameisen werden in Herodots Historien nach den Vorstellungen antiker Menschen vom Rand der Welt beschrieben. Beispiele für eine Beschreibung der Ränder der Welt liefern Hekateios von Milet und andere Geographen der Antike. Sie sind Vorbilder und Quellen Herodots.

Plinius der Ältere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plinius der Ältere fügt den Schilderungen Herodots in seiner historia naturalis 11,111 nichts hinzu. Er übernimmt die Beschreibung Herodots in lateinischer Übersetzung.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cunningham, Alexander: Ladák, physical, statistical, and historical. London, 1854 (Nachdruck: Delhi, 1977).
  2. Schiern, Frederik Eginhard: Über den Ursprung der Sage von den goldgrabenden Ameisen. Kopenhagen, 1873.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhold Bichler: Herodots Welt, Akademie-Verlag, Berlin 2001, ISBN 978-305003429-4.
  • Berthold Laufer: "Die Sage von den Goldgrabenden Ameisen". T´oung-pao, Serie II, vol. IX, no. 3, Leiden 1908, S. 29 sqq.
  • Grant Parker: The Making of Roman India In: Greek Culture of the Roman World, Cambridge University Press, New York 2008, ISBN 978-052185834-2.
  • Michel Peissel: The Ant´s Gold: The Discovery of the Greek El Dorado in the Himalayas. HarperCollins, London, 1984. ISBN 978-0002725149
  • Thomas Reimer: Kleiner als Hunde, aber größer als Füchse: die Goldameisen des Herodot; ein antikes Märchen und sein Hintergrund, Nodus-Publikationen, Münster 2005, ISBN 3-89323292-3

Aufsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Landfester: Der Blick auf das Andere. Herodot und die Anfänge der antiken Berichte über außergriechische Völker und Länder In: Chloe 31, 2000, S. 3–36.