Goldfliege

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Goldfliege
Goldfliege (Lucilia sericata)

Goldfliege (Lucilia sericata)

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
Unterordnung: Fliegen (Brachycera)
Familie: Schmeißfliegen (Calliphoridae)
Gattung: Lucilia
Art: Goldfliege
Wissenschaftlicher Name
Lucilia sericata
(Meigen, 1826)

Die Goldfliege (Lucilia sericata) ist eine Fliege aus der Familie der Schmeißfliegen (Calliphoridae). Sie kommt fast weltweit vor.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fliegen erreichen eine Körperlänge von 5 bis 11 Millimetern und haben, wie alle verwandten Arten auch, einen goldgrün metallfarbigen Körper.[1] Von ähnlich aussehenden, ebenfalls goldgrün metallischen Vertretern der Tachinidae und Muscidae unterscheiden das Vorhandensein einer Borstenreihe auf den Rumpfseiten (die hypopleuralen Setae) und das Fehlen des Postscutellums, eines Abschnitts auf der Oberseite des Rumpfs. Die Art ist von anderen ähnlich aussehenden Schmeißfliegen nur für Spezialisten, anhand mikroskopischer Merkmale im Labor, unterscheidbar. Wichtige Merkmale sind: Die Basicosta (ein kleiner Sklerit am Flügelgelenk, am Vorderrand der Flügel) ist gelb bis orangegelb gefärbt, die Palpen sind ebenfalls gelb, können aber zur Spitze hin verdunkelt sein. Das erste Glied der Antennengeißel ist drei- bis viermal so lang wie breit. Für eine sichere Unterscheidung ist die Ausbildung verschiedener Setae und die Form des männlichen Begattungsapparats (Aedeagus) zu vergleichen.[2]

Die Art ist sehr ähnlich zu Lucilia cuprina, die ebenfalls Myiasis auslösen kann. Unterscheidungsmerkmale vgl. Whitworth[3] und Holloway[4] In Europa ist die Art Lucilia caesar sehr ähnlich, die in menschlichen Wohnungen häufiger ist. Ähnlichste Art ist hier die, etwas seltenere Lucilia richardsi[5]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art ist überwiegend holarktisch verbreitet, sowohl in Eurasien wie auch in Nordamerika. Sie kommt in Südamerika und in Südafrika vor, hier aber eher inselartig, sie fehlt über weite Bereiche, so in der Karibik und im größten Teil Mittelamerikas. Sie wurde bereits im 19. Jahrhundert sowohl nach Australien wie nach Neuseeland eingeschleppt, wo sie heute von großer ökonomischer Bedeutung als Schädling in der Schafzucht ist. In Australien ist sie hingegen eher synanthrop verbreitet und von geringerer ökonomischer Bedeutung.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art kann, wie andere Lucilia-Arten, an Aas auftreten, wobei sie frisch tote Leichen bevorzugt. Obwohl sie nicht zu den dominanten Aas-Besiedlern unter den Fliegen zählt, besitzt sie wegen ihrer Häufigkeit in der menschlichen Umgebung (Synanthropie) eine gewisse Bedeutung in der forensischen Entomologie.[6] Im Gegensatz zu den meisten Schmeißfliegen-Arten lebt die Art aber seltener an Aas, sondern ist sekundär, als temporärer Ektoparasit, auf Wunden von Wirbeltieren übergegangen, wo sich die Larve primär von absterbendem, nekrotischen Gewebe ernährt, aber bei Schafen von hier aus auch in gesundes Gewebe vordringen kann. Obwohl die Art gelegentlich auch an Aas auftritt, ist sie hier eher selten und wird von anderen Schmeißfliegen-Arten durch interspezifische Konkurrenz rasch verdrängt.[7] Die Art ist, neben der ähnlichen und nahe verwandten[8] Lucilia cuprea der wichtigste Erreger der Myiasis der Schafe. Die durch die Art ausgelöste Fliegenmadenkrankheit oder Myiasis ist ökonomisch bedeutsam in der Schafzucht, insbesondere in Regionen mit gemäßigtem Klima, wo die Art durch Verschleppung inzwischen weltweit auftritt. Es erscheint möglich, dass sie erst durch die Domestizierung und Zucht von Schafen durch den Menschen zur parasitischen Lebensweise übergegangen ist.[9]

Die imaginalen Fliegen sind Blütenbesucher. Sie sind in Mitteleuropa teilweise wichtige Bestäuber bei der Familie der Doldenblütler.[10]

Lucilia sericata bei der Paarung

Ökonomische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fliege legt ihre Eier auch an Wunden und beschädigte Hautpartien von Haustieren, insbesondere von Schafen, ab, wo die Larven zur Erkrankung, nicht selten sogar zum Tod, der Schafe führen können. Für England und Wales werden Gesundheitsschäden an 750.000 Schafen jährlich, in über 80 Prozent der Betriebe, angegeben, die Mortalität liegt bei etwa 2 Prozent im Durchschnitt, kann aber 20 bis 30 Prozent erreichen.

Larven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Larven der Goldfliege werden im Aquaristik- und Terraristik-Handel als Pinky Maden bezeichnet. Der Name entstand aufgrund der rosa (pink) Färbung der Larven. Pinkies werden als Angelköder verwendet und sind auch ein beliebtes Futtermittel in der Terraristik, besonders als Futter für Insekten.

Einsatz in der Humanmedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Speziallaboren gezüchtete keimfreie Larven der Art können zur Wundtherapie eingesetzt werden, eine Form der Madentherapie. Diese Behandlungsform wurde mit der Entdeckung des Penicillins zurückgedrängt. Seit einigen Jahren ist diese Behandlungsmethode wieder in die medizinische Praxis zurückgekehrt, was auf deren guten Behandlungserfolge und auf wachsende Antibiotika-Resistenzen zurückzuführen ist.[11] Die Madentherapie ist, im Effekt, eine künstlich ausgelöste Myiasis. Da dafür ausschließlich Arten verwendet werden sollten, die beim Menschen nekrotisches Gewebe klar bevorzugen und kein gesundes befallen, gilt Lucilia sericata als eine der am besten geeigneten Arten dafür.[12] Spontane Myiasis beim Menschen kommt in Einzelfällen zwar vor, ist aber äußerst selten.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Josef Boch, Christian Bauer: Veterinärmedizinische Parasitologie. 2006, Parey, ISBN 978-3830441359, S. 279.
  2. Knut Rognes: Blowflies (Diptera, Calliphoridae) of Fennoscandia and Denmark. Fauna Entomologica Scandinavica 24. EJ.Brill/Scandinavian Science Press 1991. ISBN 90 04 09304 4. Lucilia sericata auf Seite 178.
  3. Terry Whitworth (2014): A revision of the Neotropical species of Lucilia Robineau-Desvoidy (Diptera: Calliphoridae). Zootaxa 3810 (1): 1–76. doi:10.11646/zootaxa.3810.1.1
  4. Beverley A. Holloway (1991) Morphological characters to identify adult Lucilia sericata (Meigen, 1826) and L. cuprina (Wiedemann, 1830) (Diptera: Calliphoridae), New Zealand Journal of Zoology 18(4): 413-420. doi:10.1080/03014223.1991.10422847
  5. Steven Falk (2016): Draft key to British Calliphoridae and Rhinophoridae. PDF.
  6. Jens Amendt, Roman Krettek, Richard Zehner (2004): Forensic entomology. Naturwissenschaften 91: 51–65. doi:10.1007/s00114-003-0493-5
  7. K.E. Smith & R. Wall (1997): The use of carrion as breeding sites by the blowfly Lucilia sericata and other Calliphoridae. Medical and Veterinary Entomology 11 (1): 38-44. doi:10.1111/j.1365-2915.1997.tb00287.x
  8. Jamie Stevens & Richard Wall (1996): Species, Sub-Species and Hybrid Populations of the Blowflies Lucilia cuprina and Lucilia sericata (Diptera: Calliphoridae). Proceedings of the Royal Society London B 263: 1335-1335.
  9. Jamie R. Stevens & James F. Wallman (2006): The evolution of myiasis in humans and other animals in the Old and New Worlds (part I): phylogenetic analyses. Trends in Parasitology 22 (3): 129-136. doi:10.1016/j.pt.2006.01.008
  10. Beate Träger und Wolf-Rüdiger Große (1987): Zur Biologie von Lucilia sericata Meig. (Diptera, Calliphoridae) und deren Nutzung als Bestäuber von Kulturpflanzen. Hercynia N.F. 24: 153-165.
  11. Ronald A. Sherman (2009): Maggot Therapy Takes Us Back to the Future of Wound Care: New and Improved Maggot Therapy for the 21st Century. Journal of Diabetes Science and Technology 3 (2): 336-344.
  12. Fabio Francesconi & Omar Lupi (2012): Mysiasis. Clinical Microbiology Reviews 25 (1): 79-105. doi: 10.1128/CMR.00010-11

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Goldfliege – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien